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Weihrauch am Dienstag

Reißaus vor der Wirklichkeit

Von Dieter Weirich *)

Obwohl sich „politische Religionen“ zu allen Zeiten und in unterschiedlichen Ordnungen um die Schaffung eines neuen deutschen Menschen bemühen, gelungen ist es noch nie.

Dieter Weirich

Der Klimawandel ist nun für manche der Anlass, mit der Kreation einer solchen teutonischen Lichtgestalt erneut zu beginnen. Wie soll diese aussehen? Schädliche Abgase im Verkehr vermeidend, am besten per pedes durch die Straßen pilgernd, aus Flugscham auf weite Reisen verzichtend, sich wenn schon nicht vegan, dann wenigstens vegetarisch ernährend und im Haushalt beim Heizen um möglichst wenige ökologische Fußabdrücke bemüht sein – so stellen sich die aktuellen Umweltmissionare den musterhaften Beitrag zur Rettung des Planeten vor.

Es gehe schließlich ums Überleben und die Zukunft unserer Kinder, rechtfertigen sich die apokalyptischen Reiter bei ihren Versuchen zur Umerziehung des Menschen. Was mich an den Klimadebatten der letzten Wochen stört, ist ihre Maßlosigkeit, ist die Ausblendung von vernünftigem Für und Wider, ist die Hysterisierung. Wir erleben einen Mainstream in Teilen von Medien und Politik, der alle moderaten Betrachter ins gesellschaftliche Abseits stellt und nur noch die alarmistischen Rufe einiger Wissenschaftler zur Kenntnis nimmt.

Nicht wenige international anerkannte Klima-Experten schauen mit Verwunderung auf unser Land, das als einziges aus Kohle und Kernenergie gleichzeitig aussteigt.
Wie immer schwanken wir Deutschen zwischen Extremen. Was sagt es über uns Deutsche aus, wenn in dem international stark beachteten Protest von 500 Forschern gegen das unverantwortliche Schüren von Klima-Hysterie zwar 100 Wissenschaftler aus den USA ,150 aus Italien, aber nur 14 aus der Bundesrepublik vertreten sind? Diese Initiative gegen die Angstmacherei, mit der auch politische Süppchen gekocht werden, bestreitet zwar den Klimawandel und den damit verbundenen C02-Effekt nicht, für sie hat die Erderwärmung des letzten Jahrhunderts aber auch natürliche Ursachen, ist also nicht  n u r  menschengemacht.

Statt von naturwissenschaftlich gebildeten Journalisten ein objektives Bild zeichnen zu lassen, in aufklärenden Berichten und Sendungen vor allem in dem zur Ausgewogenheit verpflichteten öffentlich-rechtlichen Rundfunk das komplexe Thema auszuleuchten, gibt man die Bühne frei für zahlreiche Alarmisten, die mit ihren überzogenen Mahnungen Reißaus vor der Wirklichkeit nehmen.

Statt im Konsens auf eine volkswirtschaftlich ausgewogene Senkung der Emissionen hinzuarbeiten, wird in einer zunehmend verbissen geführten und von Streiks und Demonstrationen begleiteten Auseinandersetzung mit der Forderung nach Verboten und massiven Eingriffen in unsere Lebensgewohnheiten und -traditionen der ökonomische Abstieg vorprogrammiert.
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*) Der renommierte Medienexperte und Kommunikationsberater Dieter Weirich (CDU) war von 1989 bis 2001 Intendant des deutschen Auslandsrundfunks Deutsche Welle. Zuvor gehörte er eineinhalb Jahrzehnte dem Hessischen Landtag und dem Deutschen Bundestag an, wo er sich als Mediensprecher seiner Partei und als Wegbereiter des Privatfernsehens einen Namen machte. Außerdem nahm er Führungspositionen in der PR-Branche in Hessen wahr. Weirich, der sich selbst “als liberalkonservativen Streiter” sieht, gilt als ebenso unabhängig wie konfliktfreudig. Die Veröffentlichung erfolgt mit Genehmigung des Autors.