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Elterliches Sorgerecht: Kinderernährung rein vegan ?

Kinderernährung rein vegan ? ©www.pixabay.com

Andere Länder andere, andere Sitten, anderes Recht. Heute an dieser Stelle einmal ein Ausflug in den angelsächsischen Rechtskreis und wie dort in Sachen des elterlichen Sorgerechts entschieden wird. Etwa wenn Eltern ihr Kind streng vegan ernähren und das Kind erkennbar körperlich zurückgeblieben ist. Ein aktueller Fall aus Australien –  und wie es sich nach deutschem Recht verhält.

Der Fall

Ein Kleinkind im Alter von eineinhalb Jahren wies den körperlichen Entwicklungsstand eines normalen drei Monate alten Babys auf. Die Eltern hatten ihr Kind von Geburt an in den ersten 19 Lebensmonaten streng vegan ernährt, also ausschließlich mit Lebensmitteln, die nicht von Tieren stammten. Der Speiseplan: Obst, Trockenobst, Getreideprodukte und Brot, Kartoffeln, Tofu, Erdnussbutter. Zu trinken: Reismilch. Auch Impfungen jedweder Art waren für die Eltern tabu.

Schließlich musste das Kind mit starken Krämpfen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dort stellten die Ärzte zu seinem Entwicklungsstand fest: Mit 19 Monaten hatte das Kind noch keinen einzigen Zahn.. Es wog weniger als fünf Kilogramm und hatte viel zu dünne Knochen.

Die Aufsichtsbehörde schritt ein, das Kind wurde vorläufig bei einer Verwandten untergebracht. so landete die Sache in Sydney vor Gericht.

Gerichtsentscheid

Die Anklage lautete auf Vernachlässigung des Kindes und Gefährdung seiner Gesundheit. Weil die Eltern sich vor Gericht schuldig bekannten, entgingen sie einer Haftstrafe. Das Gericht entschied auf das Ableisten von je 300 Sozialstunden für Mutter und Vater. Die Eltern erhielten Besuchsrecht für ihr Kind.

Was regelt das deutsche Recht ?

„Gerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls“ kennt natürlich auch das deutsche Recht. Geregelt ist das in Paragraf 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Dort heißt es im Einzelnen:

(1) Wird das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes oder sein Vermögen gefährdet und sind die Eltern nicht gewillt und in der Lage, die Gefahr abzuwenden, so hat das Familiengericht die Maßnahmen zu treffen, die zur Abwendung der Gefahr erforderlich sind.
(2)… (Vermögensgefährdung)
(3) Zu den gerichtlichen Maßnahmen nach Absatz 1 gehören insbesondere
      1. Gebote, öffentliche Hilfen wie zum Beispiel Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe und der
          Gesundheitsvorsorge in Anspruch zu nehmen.
      2. …(Schulpflicht)
      3. Verbote, vorübergehend oder auf unbestimmte Zeit die Familienwohnung oder eine andere
          Wohnung zu nutzen, sich in einem bestimmten Umkreis der Wohnung aufzuhalten oder zu
          bestimmende andere Orte aufzusuchen, an denen sich das Kind regelmäßig aufhält.
          Verbote, Verbindung zum Kind aufzunehmen oder ein Zusammentreffen mit dem Kind
          herbeizuführen.
    5.  Die Ersetzung von Erklärungen des Inhabers der elterlichen Sorge.
    6.  Die teilweise oder vollständige Erziehung der elterlichen Sorge.
(4) In Angelegenheiten der Personensorge kann das Gericht auch Maßnahmen mit
Wirkung gegen einen Dritten treffen.

Soweit die deutsche Gesetzeslage.

Auch Nashörner leben vegan …

Zu einem bemerkenswerten Kommentar zu dem australischen Gerichtsentscheid ließ sich laut dpa der Vorsitzende der Veganen Gesellschaft Deutschland, Christian Vagedes hinreißen. Grundsätzlich sei vegetarische und vegane Ernährung von Kindern aber „gut“ möglich:

„Es gibt ja auch vegetarische Tiere, die riesengroß werden – Nashörner zum Beispiel.“

Hätte Herr Vagedes nicht sachkundiger formulieren müssen, dass Nashörner sogar rein vegan leben? – Von der Muttermilch natürlich abgesehen. Aber die hatte noch nicht einmal das Kind in Australien bekommen.

Dietrich Kantel