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Eheleute mit Kind: Doppelte Haushaltsführung trotz Wohnung am gemeinsamen Arbeitsort

Kann ein Ehepaar mit Kind Kosten für eine doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend machen, wenn die Familie eine Wohnung am Ort der Arbeitsstelle unterhält und an Wochenenden gemeinsam regelmäßig an einem anderen Ort in Ihrem Haus leben ? Finanzämter verweigern das oft. Falsch, sagt das Finanzgericht Münster.

Der Fall

Die verheirateten Steuerpflichtigen waren ab 1998 in Westfalen berufstätig. Dort lebten sie in den Folgejahren mit ihrer kleinen Tochter in einer gemieteten 3-Zimmerwohnung im Dachgeschoss. Die Ehefrau war zugleich Miteigentümerin eines Hausgrundstückes mit Bungalow in ihrem 300 Kilometer entfernten Heimatdorf. Diesen Bungalow bewohnten die Familie sowie die Mutter der Ehefrau. Die Eheleute trugen die laufenden Kosten für das Haus und auch die Instandhaltungskosten des Hausgrundstückes. Der Ehemann war an diesem Ort Mitglied im Angelverein und die Haus- und Zahnärzte aller Familienmitglieder befanden sich am Ort bzw. in der nahen Umgebung des Heimatdorfes.

Finanzamt lehnt Werbungskostenabzug ab

Die Eheleute machten für diese doppelte Haushaltsführung, nämlich wöchentliche Heimfahrten von Westfalen zum Heimatdorf und die Kosten für die Wohnung am Arbeitsort geltend. Das lehnte das zuständige Finanzamt ab. Begründung: „Nach der Lebenserfahrung“ sei davon auszugehen, dass der Lebensmittelpunkt der Familie in der Wohnung am Arbeitsort in Westfalen liege. Und im Heimatdorf würde sie keinen eigenen Hausstand unterhalten, da sie dort bei der Mutter der Ehefrau wohnten. Dagegen klagten die Eheleute.

Finanzgericht: Heimatdorf ist Lebensmittelpunkt

Das angerufenen Finanzgericht Münster gab den Eheleuten Recht. Diese, so das Gericht hätten im Heimatdorf sehr wohl einen eigenen Hausstand unterhalten und seien nicht etwas als Gäste der Mutter anzusehen. Das folge einmal aus dem Alter der Kläger und aus der Tatsache, dass sie die laufenden und auch die Instandhaltungskosten für den Bungalow leisteten. Zum weiteren sei zu berücksichtigen, dass sich dort praktisch ihr gesamtes Privatleben abspiele. Schließlich spräche auch der Vergleich der Wohnsituationen an beiden Wohnorten für den Lebensmittelpunkt im Heimatdorf. Durch die Möglichkeit der dort gegebenen Gartennutzung weise der Bungalow eine höhere Wohnqualität aus, als die Dachgeschosswohnung am Beschäftigungsort.

Quelle:
ra-online GmbH, kostenlose-urteile.de, 17.10.2018
Finanzgericht Münster, Urteil vom 27.6.2013, Az.: 3 K 4315/12 E