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Corona-Lockdown: Eine Behörde läuft Amok

Udo Kellmann ist selbständiger Inhaber des vormaligen Hertie-Kaufhauses im nordrhein-westfälischen Bergisch-Gladbach. Auch er hatte sein Kaufhaus wegen der Corona-Krise zwangsschließen müssen. Was ihm seitens des örtlichen Stadtsteueramtes während des Lockdown jetzt widerfuhr, ist haarsträubend: Ankündigung der Zwangsvollstreckung ! Hier ist Udo Kellmanns persönlicher Bericht:

Mitte März wurde mein Kaufhaus ja wie alle anderen in Deutschland von Staats wegen geschlossen. Von einem Tag auf den anderen wurden wir damit von sämtlichen Liquiditätsflüssen ausgeschlossen. Ich hab dann – wie alle anderen – ganz schnell diese Bazooka-Blitz-Kredite beantragt. Obwohl schon vor drei Wochen telefonisch bewilligt und die Verträge vor zwei Wochen von beiden Seiten rechtsverbindlich unterzeichnet worden sind, ist die Kohle immer noch nicht ausbezahlt worden, warum auch immer.

Weiterhin habe ich mir von der Bank alle Steuern zurückbuchen lassen, die innerhalb der 8-Wochenfrist bei uns abgebucht worden sind. Im wesentlichen waren das die Umsatzsteuerzahlungen für Januar und Februar, sowie die Grundsteuer für das erste Quartal, immerhin auch gut 20.000 €. Selbstverständlich haben wir dann die Stundung der Beträge erbeten, und beim Finanzamt war das auch gar kein Thema. Die Stadt Bergisch Gladbach aber übersandte eine Mahnung mit sündhaft teuren Mahngebühren. Wir haben dann nochmal kommuniziert, dass wir unmittelbar nach Eingang der Kredite zahlen würden, und um weitere 14 Tage Geduld gebeten. Mir war es ehrlich gesagt wichtiger, meinen Mitarbeiterinnen ihr Gehalt auszubezahlen.

Vollstreckungsankündigung

Heute komme ich nach Hause und meine Frau sitzt mit zitternden Händen und Tränen in den Augen in unserer Küche. Vor ihr der hier angehängte Brief. Denn anstatt das an meine Firmenadresse zu senden, hat mir die Stadt eine VOLLSTRECKUNGSANKÜNDIGUNG an meine Privatadresse zustellen lassen, und zwar mit dieser Adresszeile:

Udo Kellmann und Miteigentümer
Strasse Hausnummer
51429 Bergisch Gladbach“

Meine Frau als Miteigentümerin unseres Häuschen hat sich natürlich nichts Böses dabei gedacht und den Brief geöffnet, in dem man ihr dann freundlicherweise mit dem Besuch des Gerichtsvollziehers und Sachpfändung droht, die Stilllegung von PKWs ankündigt und darauf hinweist, dass man ggf. zukünftig nicht mehr mit dem Handy telefonieren kann.

Mal ganz abgesehen davon, dass sowas in diesen Zeiten absolut stil- und charakterlos ist, halte ich es für einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Datenschutz, einen solchen Brief meiner nicht in das Unternehmen involvierten Ehefrau zu übersenden. Denn wie gesagt, da stand nicht „Udo Kellmann“ sondern „Udo Kellmann und Miteigentümer“, gefolgt von unserer Wohnanschrift.

Und falls hier jemand von der Stadt mitliest, ich kann den Betrag leider erst zahlen, wenn endlich die Kohle von der KFW eintrifft, vielleicht kann ja mal jemand von der Stadtverwaltung da anrufen und Dampf machen. Und im übrigen würde ich empfehlen dem Gerichtsvollzieher zwei bis drei Polizeibeamte zur Seite zu stellen . Meine Frau ist nämlich auf 180, und da mache sogar ich einen großen Bogen um sie…

PS: Man hat mich gebeten den Namen des Sachbearbeiters unkenntlich zu machen. Der Bitte komme ich natürlich nach.“

 

Zu seiner Person schreibt Udo Kellmann :
62 Jahre alt, Arbeiterkind aus Duisburg-Marxloh, verheiratet und zwei erwachsene Kinder. Nach dem Wirtschaftsstudium habe ich 1980 als Assistent bei Woolworth angefangen und war dann 1988 Geschäftsführer im größten Woolworth-Haus der Welt in Berlin-Gropiusstadt. Vor 25 Jahren bin ich dann mit ein paar stillen Partnern „All-In“ gegangen und wir haben ein HERTIE-Kaufhaus in Bergisch Gladbach übernommen und betreiben es seitdem als privates Warenhaus mit den Sortimentsschwerpunkten Textil und Sport. Seit 20 Jahren bin ich Mitglied der CDU, und seit 15 Jahren Schatzmeister im Stadtverband von Wolfgang Bosbach, Bergisch Gladbach. Vor drei Jahren in die WerteUnion engetreten und dort seit 2 Jahren Bundesschatzmeister.

Anmerkung:
rantlos wird über den Fortgang dieser Begebenheit berichten. Das Kaufhaus von Udo Kellmann ist das LoewenCenter in Bergisch Gladbach.

(Dietrich Kantel)

Update per 18.5.2020:
Der Unternehmer hat die Redaktion in Kenntnis gesetzt, dass die Stadt Bergisch Gladbach nunmehr von der Zwangsvollstreckung absieht und die Grundbesitzabgaben in Höhe von 20.000 Euro stundet, bis die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den bereits bewilligten Überbrückungskredit ausgezahlt hat.
(ka)