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Wie ein polnischer Landarbeiter zum Spitzenwinzer wurde

Von Klaus W. Schmidt

George Bryczek mit Mütze und Schnurrbart auf einem alten Foto im Vorraum zum Weinkeller © klaus w. schmidt

Im Polen der späten dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gibt es kaum noch Möglichkeiten, sich durch den Ertrag aus Arbeit zu ernähren. So kommen in Frankreich wie auch in anderen westeuropäischen Ländern viele Polen an, die keine andere Überlebenschance mehr sehen, als die Heimat zu verlassen. An dieser Stelle beginnt die Erfolgsgeschichte des Burgunder Winzers George (Woytek) Bryczek, auch wenn es anfangs gar nicht danach aussieht. An deren Ende steht die kleine, aber feine Domaine Bryczek in Morey-Saint-Denis chip music.

Woytek Bryczek (gesprochen Britschek) erblickt das Licht des Lebens im Jahr 1912 in Zakopane, einem Dorf im Süden Polens im Tatra-Gebirge, heute indessen ein international bekannter Wintersportort. Eine Kindheit im Sinne angstfreien, behüteten Daseins lernt er nicht kennen. Die Schulbildung ist rudimentär. Von frühester Jugend an bestimmt die Jagd nach Arbeit und Essen sein Leben. Er versucht sich als einer der viel zu vielen Landarbeiter. Er trifft Maria. Sie verlieben sich und heiraten. Beide beschließen, ihre Heimat Polen zu verlassen. Im Jahr 1938 stranden sie in Frankreich in der Nähe von Dijon, der Hauptstadt des Burgund und der Côte d’Or, wo sie in der Landwirtschaft ein einigermaßen geregeltes Auskommen finden raumplaner.

Eine Weinlage in der Nähe von Morey-Saint-Denis zur Erntezeit © klaus w. schmidt

Der Kampf ums Überleben

Ab Mai 1940 verändert sich alles. Deutsche Truppen marschieren in Frankreich ein. Um den sogenannten Säuberungen zu entkommen, schließt sich Bryczek der französischen Armee an und wird in ein polnisches Bataillon gesteckt. Im Jahr 1942 gerät er in deutsche Kriegsgefangenschaft und landet in einem Internierungslager. Nur kurze Zeit später kann er entfliehen. Er hat sich aus Vorhangstoff Kleidungsstücke genäht, denn in den Lagerklamotten rechnet er sich keine Chance aus fortnite herunterladen ps4 deutsch. Unter abenteuerlichen Bedingungen schlägt er sich bis nach Dijon durch, wo er erst einmal untertaucht und glücklicherweise seine Frau Maria wiedertrifft.

Bryczek hat das Glück, optisch dem Bild eines typischen Franzosen zu entsprechen. Zudem beherrscht er mittlerweile die französische Sprache so gut, dass die deutschen Soldaten ihn für einen Franzosen halten. Hervorragend gefälschte Papiere und sein neuer Vorname „George“ machen die Tarnung perfekt. Bedingt durch die Umstände jedoch bleibt das Leben unstet. In jener Zeit arbeiten er und seine Frau bei bürgerlichen Familien in Dijon als so etwas wie Faktoten – als Menschen also, die in einem Haushalt alles erledigen, was so anfällt herunterladen. In der Regel gegen Kost und Logis. Wenige Wochen nach der Befreiung von Dijon am 11. September 1944 macht sich das Ehepaar auf und landet südlich der Stadt bei einem Weinbauern, wo Bryczek beginnt, das Wissen über den Weinbau wie ein Schwamm in sich aufzusaugen.

Der Namenszusatz „Cuvée du Pape Jean-Paul II“  wurde von Papst Johannes Paul II. persönlich genehmigt © klaus w. schmidt

Ein Winzer wächst heran

Der Krieg ist vorbei. Endlich haben Bryczek und seine Frau die Freiheit, überall da zu arbeiten, wo es ihnen gefällt. In den kommenden acht Jahren verdingt sich Bryczek bei verschiedenen großen und alteingesessenen Winzern facebook chat downloaden. Er erledigt Arbeiten im Auftrag, das heißt, er wird nur für das bezahlt, was er abarbeitet. Es gibt keine festen Arbeitszeiten. Aber er ist ein Arbeitstier. Unermüdlich schuftend verdient er für damalige Verhältnisse viel Geld. Beliebt macht er sich damit bei seinen Arbeitskollegen nicht. Im Gegensatz zu diesen jedoch hat er einen Traum. Er beobachtet. Er lernt. Er ist zuverlässig. Er ist ehrlich. Seine „Patrons“ schätzen ihn. Georg macht sich einen Namen. Er legt jeden Sou zurück.

Im Jahr 1953 ist es endlich so weit: Von seinem ersparten Geld kann er sich in Morey-Saint-Denis, ganz in der Nähe von Gevrey-Chambertin gelegen, die erste ordentliche Weinlage kaufen print writing primary school. Da kriegsbedingt Reben und Böden lange vernachlässigt wurden, hält sich die Qualität der Weine im Allgemeinen bis auf wenige Ausnahmen in Grenzen. Und so sind selbst gute Weinlagen relativ günstig zu erwerben. Im Laufe der darauf folgenden Jahre kauft Bryczek weitere Anbauflächen dazu. Er nimmt sich vor, als Winzer bedingungslos auf Qualität zu setzen.

George Bryczek errichtete in seinem Weinkeller zu Gedenken an seinen Besuch bei Papst Johannes Paul II. (Jean-Paul II) eine kleine Gedächtnisstütze. Auf dem Bild links in der Mitte ist Bryczek zu erkennen © klaus w. schmidt

Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit

Die Familie wohnt zu diesem Zeitpunkt in der Nähe von Morey-Saint-Denis zur Miete herunterladen. Alles ist gemietet. Bryczeks Enkel Christophe, der heute die Domaine Bryczek allein verantwortlich führt, erinnert sich lächelnd: „Ja, es war schon ein Problem, als Fremde, auch noch als gebürtige Polen, im Burgund Wein zu produzieren. Die Nachbarn mochten es nicht, dass Fremde ihr französisches Brot aßen. Da mussten wir durch. Wir hatten ja keine Wahl.“ Denn Maria und George Bryczek verlieren ihre Familien bis auf zwei Verwandte bereits während des Krieges. Daher gibt es keine besonderen familiären Beziehungen mehr nach Polen – der letzte Besuch erfolgte im Jahr 1995, weitere Besuchsabsichten wurden nie realisiert. Den wirtschaftlichen Erfolg verdankt George Bryczek zu großen Teilen seiner Frau Maria, die ein strenges Regiment führt. Zudem sind die beiden äußerst religiös free dog pictures to.

Bryzceks Wein für den Vatikan

Im Jahr 1964 ist es so weit. George Bryczek baut für sich und die Familie ein Haus – und wie kann es anders sein, einen erklecklichen Anteil natürlich in Eigenleistung. Sein Weinkeller mit den Holzfässern und die Arbeitsbereiche befinden sich unter dem Gebäude. Da er zudem über eine außergewöhnliche künstlerische Begabung verfügt, sind in der Mauer und an anderen Stellen des Hauses kleine Reliefs verewigt. Auch im Weinkeller und im Garten stößt der Besucher auf Skulpturen des Winzers. Weitere neun Jahre später, im Jahr 1973, ersteht Bryczek eine besonders gute Weinlage mit Pinot-Noir-Reben, Vieilles Vignes, die bereits 1920 gepflanzt worden waren budget book.

Enkel Christophe Bryczek ist heute der Patron des Weingutes © klaus w. schmidt

Dieser Kauf soll sich nicht nur qualitativ, sondern auch im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit für die Domaine Bryczek als Glücksfall erweisen. Im Oktober 1978 nämlich wird in Rom ein Pole zum Papst gewählt: Karol Józef Wojtyła. Die Begeisterung Bryczeks über seinen Landsmann Johannes Paul II. ist so groß, dass er dem Papst zwölf Flaschen seines handge- und verlesenen, ohne Hilfsmittel irgendwelcher Art hergestellten, mittlerweilen zum 1er Cru geadelten Morey-Saint-Denis, gewonnen aus den im Jahr 1920 gepflanzten Reben, mal eben in Rom vorbeibringt herunterladen. „Zufälligerweise“ ist der Papst ebenfalls im Jahr 1920 geboren und offensichtlich ein Weinkenner. Er erteilt Bryczek die schriftliche Genehmigung, von ihm persönlich unterschrieben, dem Wein den Namenszusatz „Cuvée du Pape Jean-Paul II“ zu geben.

Gesegnetes Alter

Enkel Christophe ist seit dem Jahr 2003 Chef der Domaine und steigert permanent die Qualität seiner Weine. Großvater George Bryczek begibt sich am 1. März 2013 im hohen Alter von 101 Jahren in die ewigen Weinberge und folgt seiner Frau Maria, die sich fast auf den Tag genau zwei Jahre zuvor auf den Weg gemacht hat. Es wird gemunkelt, dass George Bryczek bis zu seinem letzten irdischen Tag täglich eine Flasche Rotwein getrunken habe. Nicht wenige Zeitgenossen sehen hierin einen deutlichen Hinweis auf die Güte der Bryczek‘schen Weine und damit die wesentliche Ursache für George Bryczeks unverwüstliche Gesundheit.

Die Weine in den Eichenfässern im Keller unter dem Haus warten auf ihre Abfüllung in die Flaschen © klaus w. schmidt

Von der Domaine Christophe Bryczek gibt es heute vier unterschiedliche Burgunder: Den Morey-Saint-Denis Clos Solon, einen Chambolle Musigny, den Gevrey-Chambertin Aux Échezeaux und den beschriebenen Morey-Saint-Denis 1er Cru Cuvée du Pape Jean-Paul II.

Christophe Bryczek
21220 Morey-St.-Denis
Mail: christophe.bryczek@orange.fr

 

Titelfoto: Sozusagen ein Selbstrelief, welches der künstlerisch begabte George Bryczek anfertigte. Es hängt ebenfalls im Vorraum zum Weinkeller © klaus w. schmidt