Leute

Sommersonnenwende am Polarkreis

„Wo ist das Haus vom Nikolaus?“ Manche vermuten es in Alaska oder gar am Nordpol. 40.000 Kinder aus aller Welt hingegen meinen es aus Erfahrung besser zu wissen. Alljährlich schicken sie ihre an Santa Claus adressierten Herzenswünsche direkt an den Nördlichen Polarkreis nach Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands. Mit großem Erfolg. Denn Santa Claus und seine Helfer versäumen es nicht, zum Beweis seiner Existenz und zur Freude aller Kinder die Briefe persönlich zu beantworten.


Weirich am Montag

In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es in der hessischen CDU einen Kreis von honorigen, lebenserfahrenen Persönlichkeiten, die bei der Auswahl von Abgeordneten für Bund und Land ein gewichtiges Wort mitredeten. Die Union war im damals „tiefroten Hessen“ bei der Entsendung von Abgeordneten vor allem auf die Landesliste angewiesen. Die Rangliste dieses „Rates der Weisen“ war neben der Beachtung des Regionalproporzes also durchaus entscheidend für die Karriere von Bewerbern.


Sprachpolizei und Mohrenjagd

Identitätspolitik – ein Begriff, der in Deutschland zur Zeit vor allem die politische Linke umtreibt. Bei der SPD führte das fast zur Verbannung des ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse aus der Partei. Der hatte die Sozialdemokraten gefragt, ob es für sie nicht wichtigere und entscheidendere Themen gebe als “Gendersprache” und die Befindlichkeit einzelner ethnischer oder sexuell orientierter Minderheiten. Die Frage ist tatsächlich: Setzt sich die optische und phonetische Verhunzung durch? Ob TV-Nachrichten oder Talkshows – mitunter klingt die künstliche “Mitnahme” des weiblichen “in” hinter “männlichen” Hauptwörtern wie ein Hicksen oder Sprachfehler. Lieb Vaterland, magst ruhig sein? Bloß nicht.


Weirich am Montag:

Man braucht kein Prophet zu sein, um für die hessischen Kommunalwahlen am kommenden Sonntag einen Briefwahl-Boom zu erwarten. Viele werden sich angesichts von Corona den Gang ins Wahllokal sparen, wo sie mit Maske geschützt und mit einem eigenen Stift für die Wahl ausgestattet sein müssen. Die Abstimmung per Brief – bei ihrer Einführung als Ausnahme für Urlauber, Geschäftsreisende, ältere oder behinderte Mitmenschen gedacht – wird ohnehin immer populärer.


Könnte es eine Sepsis sein?

„Alle sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis“, heißt es auf der Seite der Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“, die das „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ gemeinsam mit weiteren Organisationen im Februar gestartet hat. Sie soll über die Blutvergiftung aufklären. Denn viele Todesfälle wären vermeidbar – durch frühzeitige Erkennung, Präventionsmaßnahmen und bessere Behandlung.


“Die da” sollen und “man” müsste…

Vor ziemlich genau sechs Jahrzehnten, am 20. Januar 1961, sprach der damals neu gewählte US-Präsident John F. Kennedy die inzwischen fast legendär gewordenen Worte: “Frag nicht, was Dein Land für Dich tun kann. Sondern frag, was Du für Dein Land vollbringen kannst”. Es war ein Appell nicht nur an seine eigenen Landsleute, sondern traf auch auf Echo rund um den Erdball. Auch in Deutschland. Es war ein Aufrüttler, selbst anzupacken. So etwas wäre heute dringend notwendig hierzulande, wo – zumindest aus den (un)sozialen Netzen – mit Gemaule, Schimpfen und Genöhle eine Stimmung von Unlust und Missmut wie Mehltau über das Land und die Menschen verbreitet wird. Aber man weiß: Die Kritikaster sind der weitaus kleinere Teil der deutschen Öffentlichkeit. Warum schweigt die Mehrheit?


Freude am Unglücklichsein

Eine Eintragung bei facebook las sich vor wenigen Tagen so: „Nun nehmt den Leuten doch nicht auch noch ihre letzte Freude!“. Was sich, auf den ersten Blick, wie ein mahnender Appell liest, war in Wirklichkeit ganz sicher ironisch, satirisch, vielleicht sogar sarkastisch gemeint. Denn der Satz stand inmitten einer dieser ungezählten, schier nicht enden wollenden „Diskussions“-Ketten im Zusammenhang mit dem „Corona“-Virus und den regierungsamtlich dagegen verhängten Maßnahmen. Alle Teilnehmer an der besagten online-„Aussprache“ führten – mehr oder weniger drastisch oder emotional – bewegte Klage über persönliche Einschränkungen, wirkliches oder gefühltes behördliches Versagen, auch nachvollziehbare persönliche und familiäre Probleme oder gar existenzielle Nöte. Bis auf einen.


Der “Versöhner” im Blickpunkt der Welt

Es war eine außergewöhnliche Feier, mit der Amerikas neuer Präsident Joe Biden in sein Amt eingeführt wurde. Außergewöhnlich vor allem wegen der eindringlichen Mahnungen, ja geradezu des Flehens, an seine Landsleute, die während der vierjährigen Regierungszeit von Donald Trump noch größer gewordene gesellschaftliche Spaltung zu übewindung. Nur durch “unity” – Einheit – könnten die Vereinigten Staaten ihre Probleme im Innern meistern und der Verantwortung als Weltmacht gerecht werden. Es war – keine Frage – eine große Rede. Ob die neue Administration in Washington jedoch positiv in die Geschichte eingehen wird, das müssen jetzt die Taten zeigen.


Das Jahr der Maske

Wie oft haben wir, auch an der Jahreswende zu 2020, unseren Weihnachtsgrüßen den Halbsatz “…und ein gutes Neues Jahr” angefügt. Und wie oft haben wir diesen Wunsch auch selbst vernommen. Doch das Jahr verlief ganz anders als erhofft. Zusammen mit dem Corona-Virus führte es uns in erbarmungsloser Schonungslosigkeit vor Augen, wie brüchig in Wirklichkeit so ziemlich alles sein kann, was scheinbar wie in Beton gegossen war. Jetzt ist der Wunsch groß nach einer “Rückkehr zur Normalität”. Das ist verständlich. Aber was heißt “Normalität”? Andere Arbeitsprozesse? Mehr Tätigkeit daheim? Oder heißt “Rückkehr” auch weitere Gewöhnung an linken und rechten Radikalismus, an Krawall auf der Straße und auch an eine immer schweigende “schweigende Mehrheit”?


Weirich am Montag

“Welche Regierung ist die beste: Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren”. Wie so viele andere Erkenntnisse, geht auch diese Weisheit auf Frankfurts größten Sohn, Johann Wolfgang von Goethe, zurück. Aber gilt dieser Appell an die Selbstverantwortung, also die menschliche Vernunft, sowohl jedes Einzelnen als auch der Gesellschaft beim aktuellen Kampf gegen das Corona-Virus? Und wie steht es um die Qualität der öffentlichen Informationspolitik? Hoffentlich wird die sich verbessern, wenn es – vielleicht schon in Kürze – darum geht, die Leute von der Notwendigkeit des Impfens zu überzeugen.