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Flugreisen: Mehrfachentschädigung

Aufgrund eines technischen Defektes konnte das Flugzeug nicht starten und der Flug wurde annulliert

Treten aufgrund technischer Probleme mehrfache Verspätungen bei einer Flugreise ein, hat der Flugreisende in Anwendung der europäischen Fluggastrechteverordnung einen mehrfachen Anspruch auf Entschädigung. So hat es jetzt der Europäische Gerichtshof entschieden.

Der Fall

Für den 11. Oktober 2013 hatten Reisende einen Direktflug von Helsinki nach Singapur gebucht. Aufgrund eines technischen Defektes konnte das Flugzeug nicht starten und der Flug wurde annulliert. Die betroffenen Reisenden akzeptierten daraufhin einen Flug für den folgenden Tag, der jedoch auf einer Route mit Zwischenstop in Chongqing in China gehen sollte. Mit diesem wären sie planmäßig nach Abflug um 17:40 Uhr am 13. Oktober um 17:25 Uhr am Zielort angekommen. Wiederum aufgrund eines technischen Problems am vorgesehen Flugzeug, verzögerte sich auch dieser Flug, so dass die Reisenden erst am 14.Oktober um 0:15 Uhr in Singapur eintrafen. Die Fluggesellschaft Finair wies für den ursprünglich gebuchten Direktflug eine Reisedauer von 11 Stunden 35 Minuten aus.

Finair zahlte den Reisenden für den ausgefallenen ersten Flug eine Entschädigung von je 600 Euro. Eine weitere Entschädigung für den um mehr als drei Stunden verspäteten Alternativflug lehnte die Fluggesellschaft ab. Zur Begründung berief sie sich auf „außergewöhnliche Umstände“. Im Einzelnen trug die Fluggesellschaft dazu vor: Eine von drei Servolenkungen des Steuerruders des Flugzeuges, das diesen Flug durchführte, sei ausgefallen, wobei der Hersteller des Flugzeuges mitgeteilt habe, dass mehrere Maschinen dieses Typs einen versteckten Konstruktionsfehler aufwiesen, der diese Servolenkungen betreffe.

EuGH: Doppelte Verspätung – doppelte Ausgleichszahlung

Vor einer endgültigen Entscheidung befragte das zuständige Berufungsgericht in Helskinki daraufhin den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu der Problematik der weiteren Entschädigung. Dieser entschied in der Sache nunmehr zugunsten der Reisenden und für eine weitere Entschädigung für den verspäteten Alternativflug.

Zum einen habe die Fluggesellschaft das aufgetretene technische Problem an der Servolenkung gegenüber den Fluggästen selber zu vertreten, auch wenn es sich um einen Konstruktionsmangel des Herstellers des Flugzeuges handele. Deswegen handele es sich nicht um einen „außergewöhnlichen Umstand“ im Sinne der Fluggastrechteverordnung, der die Fluggesellschaft von einer Entschädigungspflicht befreit hätte.

Und zum anderen enthalte die Fluggastrechteverordnung keine Bestimmung, mit der die Rechte der Fluggäste für den Fall beschränkt seien, dass sie eine Alternativbeförderung akzeptierten und dann auch für diese Beförderung wiederum Verspätung eintrete.

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 12.3.2010, Az.: C – 832/18

Mitgeteilt und erläutert von Dietrich Kantel