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Wurst bei den Geschmähten (Teil 8)

Von Michael Stallkamp

Die PreZero Arena von Hoffenheim ©Michael Stallkamp

Sinsheim an der A 6 ist ein außergewöhnlicher Ort. Auf der einen Seite der Autobahn ragen unübersehbar die Silhouetten einer Concorde und einer Tupolev TU-144 in den Himmel, direkt gegenüber auf der anderen Seite grüßt die beeindruckende PreZero Arena von einem Hügel herab, das Fußballstadion der TSG Hoffenheim von 1899. Hier haben zwei überaus erfolgreiche deutsche Unternehmer Lebensträume verwirklicht. Eberhard Layher, Erfinder und Konstrukteur von Gerüstsystemen, hat das Technikmuseum Sinsheim initiiert, Dietmar Hopp, Mitbegründer der Softwareunternehmung SAP und Multimilliardär, brachte durch seine Unterstützung einen Dorfverein bis in die Bundesliga und die Champions League. Hopp hatte in seiner Jugend in Hoffenheim, heute ein Ortsteil von Sinsheim, selbst Fußball gespielt.

Während der Erfolg des von mehr als einer Million Menschen pro Jahr besuchten Technikmuseums allgemein neidlos anerkannt wird, ringen Dietmar Hopp und die TSG Hoffenheim 1899 in der Fußballszene um Akzeptanz. Schmähungen und Beleidigungen sogenannter Fans gegnerischer Mannschaften sind an der Tagesordnung. Das bewusste Herausstellen von Tradition und Heimatverbundenheit scheint die Gegenstrategie des Vereins zu sein. Also ein gutes Umfeld für eine gute Stadionwurst, sollte man meinen. Das Angebot an Würsten ist denn auch groß: Es gibt eine helle Arenawurst, eine Rindswurst, eine Feuerwurst und eine Currywurst.

Darüber hinaus werden nur wenige weitere Snacks angeboten. Hier ist die Wurstwelt wohl noch in Ordnung. Ich teste die Arenawurst für 3,30 Euro, die ich entweder bar oder mit meiner Kreditkarte bezahlen kann. Auf ein eigenes bargeldloses Bezahlsystem wird im Stadion erfreulicherweise verzichtet. An den vielen modernen und sehr großzügig gestalteten Verkaufsständen gibt es kaum Wartezeiten. Die bemerkenswert aufmerksamen und freundlichen Verkäuferinnen und Verkäufer arbeiten in einem offensichtlich gut organisierten System mit dem im Hintergrund agierenden Küchenpersonal zusammen. Die vorgebratenen Bratwürste müssen nur ganz kurz auf ihre Esser warten. Fast könnte man meinen, hier habe SAP seine Finger im Spiel. Die kredenzte Wurst liegt kurz und dick in einem großen knackigen Brötchen.

Sie ist im Biss saftig und im Geschmack eher fettig und sehr salzig. Weitere Gewürze sind kaum wahrnehmbar. Die Röstaromen sind bei allen getesteten Exemplaren rar. Schade, dass diese fade Wurstqualität nicht mit der außerordentlich ansprechenden Stadionumgebung und der sehr guten Verkaufsorganisation mithalten kann. Eine bessere Wurst würde doch so gut in das identitätsstiftende Konzept des Vereins passen. Schon in der Vereinshymne geht man offensiv mit den gewohnten Schmähungen gegen Verein und Mäzen um. „Lästerei und Neiderei gehen uns am A…. vorbei“ wird in großer Eintracht von den 25.000 heimischen Zuschauern geschmettert. Zur imposanten Flaggenparade der Fanclubs erheben sich dann alle Zuschauer von ihren Sitzen und das Badnerlied erschallt. Viele singen inbrünstig: „Das schönste Land in Deutschlands Gau’n, das ist mein Badner Land. Es ist so herrlich anzuschaun und ruht in Gottes Hand.“ Das wirkt zugleich heimelig und gestrig. Zum Einmarsch der Mannschaften probt der Stadionsprecher dann die lautstarke Unterstützung der eigenen Mannschaft, indem jede Tribüne abwechselnd die Titelzeile des Neil-Diamond-Hits Sweet Caroline mit einem oh, oh, oh musikalisch vervollständigt. Die Platzwahl wird dann von dröhnender Heavy-Metal-Music begleitet. Nun sollte fast jeder Musikgeschmack getroffen und jeder Zuschauer nach seinem Gusto auf das Spiel eingestimmt sein.

Und die Bratwurst? Sie schafft es in der Bratwurstliga leider nur auf den bisher viertletzten Platz, ganz knapp vor Gelsenkirchen, Düsseldorf und Dortmund.

Wird fortgesetzt!