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Endzeitwurst auf Schalke (Teil 7)

Von Michael Stallkamp

Veltins-Arena auf Schalke

Vieles geht zu Ende an diesem kalten und ungemütlichen Abend in der VELTINS-Arena auf Schalke in Gelsenkirchen: Für die deutsche Fußballnationalmannschaft das Jahr mit einer verkorksten WM und den insgesamt schlechtesten Spielergebnissen seit ewigen Zeiten, für Mercedes-Benz eine 46jährige Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußballbund, für den wieder schwach spielenden Thomas Müller nach seinem 100 Spiel in der DFB-Elf vielleicht eine große internationale Karriere und eventuell auch eine Stadionwursttradition bei den “Knappen”.

Fest steht, dass „Die Mannschaft“ in 2018 nicht mehr antreten muss, weder zum Fußballspielen noch zu Marketingaktionen. Gewiss ist auch, dass sie es nicht geschafft hat, im Jahresendspurt ihre sportliche Bilanz und ihr Image entscheidend aufzupolieren. Zu Ende ist definitiv auch die Zusammenarbeit zwischen Mercedes-Benz und dem DFB. Jammernd und beleidigt wirken die vor dem Stadion zelebrierten Aktionen des Autoherstellers. Mit der Ausstellung des jeweiligen SL-Sportwagenmodells aus den Weltmeisterjahren 1974, 1990, 2014 und der visuellen Verknüpfung von Weltmeister- und Mercedes-Sternen versucht der Sponsor, sich nochmals an den Weltmeistertiteln zu beteiligen. VW steht als neuer Geldgeber der Fußballnationalmannschaft fest. Im Hinblick auf die Verstrickung beider Autohersteller in den Dieselskandal wirkt dieser Sponsorenwechsel des DFB wie der Wechsel von Pest zur Cholera. Immerhin versucht Mercedes-Benz, einen versöhnlichen Abschluss der Zusammenarbeit zu kommunizieren: „Es war uns eine Ehre.“

Hinter die weitere Entwicklung von Thomas Müller und der Stadionwurst sind dagegen noch Fragezeichen zu setzen. Im Spiel gegen die Niederlande konnte Müller jedenfalls eindeutig nicht mit Sané, Gnabry und Werner mithalten, den jungen Wilden im deutschen Sturm. Und die Bratwurst in der Veltins Arena? Es gibt Anzeichen, dass auch ihre Bedeutung sinkt und ihre Zeit zu Ende geht: In dem überbordenden Speisenangebot der Arena geht sie völlig unter. Ich brauche lange, um überhaupt die kleinen Bratwurst-Angebotsschilder neben den auffälligen Hinweisen auf Erbsensuppe mit Mettwurst, Calzone mit Schinken, Frikadelle, Käsestückchen am Spieß, Nudeltopf, Tofu-Schaschlik, asiatische Wraps, pflanzliche Knusperschnitzel usw. zu entdecken. Dass die Bratwurst hier nicht im Mittelpunkt steht, merkt man ihr sehr deutlich an; sie wirkt eindeutig vernachlässigt. Im sehr knackigen Brötchen finde ich eine kurze, dicke, helle Wurst mit saftigem weichen Biss. Durch die geringe Würzung und trotz des offensichtlich sehr hohen Fettanteils entwickelt sie wenig Geschmack. Ich esse ein gut gebratenes Exemplar, bei dem Röstaromen und das ansprechende Brötchen den Geschmack ein wenig heben können, aber auch eine kaum gebratene Wurst, die nur noch durch die Zugabe von reichlich Senf halbwegs genießbar wird. Auch ein vorgebratenes und längere Zeit zwischengelagertes Exemplar mit zäher und nahezu erkalteter Außenhaut begegnet mir. Die jeweils fälligen 2,90 Euro werden mit der „Knappenkarte“ beglichen, dem bargeldlosen Bezahlsystem auf Schalke.

Mein bescheidenes Geschmackserlebnis in der VELTINS-Arena reicht in der Tabelle der Bratwurstliga nur zum bisher drittletzten Platz, knapp vor Düsseldorf und Dortmund. Den Schalke-Fans wird es reichen, vor Dortmund platziert zu sein, die Freunde der Bratwurstkultur in den Fußballstadien müssen allerdings sorgenvoll nach Gelsenkirchen schauen. Hier schickt sich der Traditionsverein Schalke 04 an, zum Totengräber der traditionellen Stadionwurst zu werden.

Wird fortgesetzt.