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Verkehrsunfall: Schocktrauma -100.000 Euro Schmerzensgeld

Muss eine Ehefrau den fremdverschuldeten Unfalltod ihres Ehemannes miterleben und erleidet dadurch irrevesibel eine posttraumatische Belastungsstörung mit fortdauernder Depression, ist ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro gerechtfertigt.

Der Fall

© www.presseportal.de

Eine Ehefrau hatte im Jahr 2005 den Unfalltod ihres Ehemannes miterlebt. Der Ehemann war auf der Autobahn auf seinem Motorrad hinter seiner Ehefrau hergefahren, die ihm in ihrem eigenen PKW vorausfuhr. Unverschuldet kollidierte der Ehemann mit einem Kleintransporter. Dadurch fiel er von seinem Motorrad und unter einen Sattelschlepper geschleudert. Die Ehefrau fand Ihren Mann schließlich leblos und stark blutend eingeklemmt unter dem Führerhaus des Sattelschleppers. In Folge dieses Erlebnisses bildete sich bei der Ehefrau eine irrevesible posttraumatische Belastungsstörung mit fortdauernder Depression heraus. Dadurch bedingt vermochte sie nicht mehr ihre beiden, zweieinhalbjährigen bzw. sechs Monate alten Kinder betreuen und verlor jeglichen Kontakt zu ihnen, den weiteren Familienangehörigen und Freunden. Auch konnte sie nicht mehr arbeiten. Schließlich lebte sie in einer betreuten Einrichtung. Im Jahr 2012 erhob sie schließlich Klage auf Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 50.000 Euro, wobei sie die endgültige Höhe in das Ermessen des Gerichtes stellte.

100.000 Euro

Das angerufene Landgericht Gießen sprach ihr ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zu. Die Höhe begründete das Gericht wie folgt: Durch den Unfall sei nicht nur die Gesundheit der Frau zerstört sondern weitgehend auch ihr gesamtes Leben. Der beklagte Unfallverursacher legte gegen die in diesem Urteil ausgesprochene Höhe des Schmerzensgeldes Berufung ein. Unter anderem trug er vor, dass zu berücksichtigen gewesen sei, dass die Geschädigte psychisch labil sei und das Erlebnis deswegen fehlverarbeitet habe. So musste das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main entscheiden.

Das OLG bestätigte die Entscheidung des Landgerichtes und wies die Berufung ab. Die Höhe des Schmerzensgeldes sei angemessen und gerechtfertigt. Durch das Miterleben des Unfalltodes ihres Ehemannes habe die Frau ein Schocktrauma und darüberhinausgehende erhebliche Gesundheitsschädigung mit massiven psychischen Störungen erlitten. Das Erlebte und die daraus resultierenden Belastungen gingen weit über das hinaus, was Angehörige von tödlich Verunglückten erfahrungsgemäß erleiden müssten. Die Schwere der posttraumatische Belastungsstörung wäre nicht entstanden, wenn die Frau ihren Ehemann nicht unter dem Sattelschlepper vorgefunden hätte, so das OLG.

Der zur medizinischen Beurteilung hinzugezogene Sachverständige hatte auch ausgeschlossen, dass die entstandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch eine psychische Prädisposition oder Fehlverarbeitung entstanden sei. Das hatte nämlich der Beklagte behauptet.  Nach Auffassung des OLG wäre solches auch für die grundsätzliche Beurteilung der Zuweisung des Verschuldens des Unfallverursachers unerheblich. Diesem seien sogar selbst solche Schäden zuzurechnen, die sich aus einer ggfls. besonderen zuvor schon gegebenen psychischen Labilität eines Geschädigten ergäben.

– Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 6.9.2017, Az.: 6 U 216/16

(ka)