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„Jeder Tag ist Leber-Tag“

Am 20. November ist Deutscher Lebertag. Einmal im Jahr an die Gesundheit dieses zentralen Stoffwechselorgans zu denken, reicht jedoch nicht. Darauf weisen die Deutsche Leberstiftung, die Deutsche Leberhilfe und die Gastro-Liga hin. Weltweit – auch in Deutschland – nimmt die Zahl der Leberkrebsfälle zu. Heilbar ist die Erkrankung nur, wenn sie frühzeitig entdeckt wird. Doch das ist zu selten der Fall.

Die Leber baut den Alkohol ab © Wandersmann_pixelio.de

„Was das Herz nicht verträgt, muss die Leber ausbaden“, heißt es im Volksmund. Und tatsächlich: Eine wichtige Funktion der Leber ist die Entgiftung – dazu gehört auch der Abbau von Alkohol. Aber dieses Organ kann noch so viel mehr: Es wandelt z.B. Nahrungsbestandteile in für den Körper brauchbare Stoffe um, verwertet oder speichert sie – wie etwa Zucker oder Vitamine.

Die Leber ist lebensnotwendig. Wenn sie erkrankt, kann es daher durchaus gefährlich werden. Ein Beispiel: Leberzellkrebs, auch bekannt als Hepatozelluläres Karzinom (HCC). „Leberzellkrebs ist eine bösartige Erkrankung, die sich primär in der Leber entwickelt, und zählt weltweit zur zweithäufigsten krebsbedingten Todesursache. Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Leberzellkrebs hat sich seit den 70er-Jahren mehr als verdoppelt, und auch in Deutschland steigen die Zahlen“, erläutert Professor Dr. Peter R. Galle, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologe, und Hepatologe in Mainz.

Leberzellkrebs als Folge einer Zirrhose

„Am häufigsten entsteht Leberzellkrebs als Spätfolge einer bereits chronisch geschädigten Leber, meist einer Leberzirrhose“, weiß der Experte. Bei einer Zirrhose wird das normale Gewebe des Organs zerstört. Es kommt im Laufe der Zeit zu einer Vernarbung – die Funktionsfähigkeit ist eingeschränkt. Häufige Ursache dieser Erkrankung ist eine chronische Virushepatitis – wie etwa Hepatitis B und C. Aber auch übermäßiger Alkoholkonsum kann zu einer Fettleber und schließlich zur Zirrhose führen. Immer häufiger tritt in Deutschland zudem die nicht-alkoholische Fettleber-Hepatitis (NASH) auf. Der Grund: Adipositas – denn bei „Übergewichtigen kommt es bekanntlich zu einer vermehrten Fettansammlung im Körper“, wie Experte Prof. Christian Trautwein vom Uniklinikum Aachen gegenüber Pharma Fakten erklärt.

Prof. Dr. Galle fasst das wie folgt zusammen: „Leberzellkrebs ist also in gewisser Hinsicht oftmals eine Wohlstandskrankheit, die durch gesunde Ernährung und Bewegung vermeidbar ist.“ Immerhin: Die Tumorerkrankung ist heilbar – jedoch nur bei frühzeitiger Diagnose und Therapie. „In Deutschland werden aktuell sieben von zehn Leberzellkrebs-Erkrankungen erst in bereits fortgeschrittenen Stadien entdeckt“, schreiben Deutsche Leberstiftung, Deutsche Leberhilfe und Gastro-Liga in einer Pressemitteilung.

Leberkrebs: nur im frühen Stadium heilbar

Die Leber im Focus © Dirk (Beeki®) Schumacher auf Pixabay

Die Deutsche Krebsgesellschaft bestätigt: „Welche Therapie im jeweiligen Fall zum Einsatz kommt, hängt insbesondere davon ab, wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten ist und in welchem Zustand sich die Leber befindet.“ Darüber hinaus spielen das Alter des Betroffenen sowie dessen Gesundheitszustand eine Rolle. Eine Möglichkeit ist etwa, den Tumor chirurgisch zu entfernen und den Patienten dadurch zu heilen. Alternativ können evtl. örtliche, tumorzerstörende, sog. lokal-ablative Verfahren zum Einsatz kommen.

Doch bei der Mehrheit der Patienten „ist der Leberkrebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits so weit fortgeschritten, dass eine operative Entfernung oder lokale Zerstörung des Tumors nicht mehr möglich ist“, erklärt die Krebsgesellschaft. „Eine systemische Chemotherapie ist – außer evtl. bei HCC-Patienten ohne zugrundeliegende Leberzirrhose – wenig effektiv und bringt keinen Überlebensvorteil. Auch die Behandlungsversuche mit Hormonen und Hormonersatzstoffen verliefen bislang erfolglos.“ Die gute Nachricht: „Neue, auf molekularer Ebene wirkende Medikamente haben die medikamentöse Behandlung des Leberkrebses vorangebracht.“

Tyrosinkinasehemmer – seit 2007 gegen Leberkrebs

Tyrosinkinasehemmer: Zielgerichtete Medikamente, die sich gegen das Tumorwachstum richten. © Michael-Bührke_pixelio.de

Gemeint sind sog. Tyrosinkinasehemmer, die erstmals vor zwölf Jahren zur Behandlung von Leberkrebs zugelassen wurden. Inzwischen sind mehrere Vertreter verfügbar. Es sind zielgerichtete Medikamente, die in verschiedene Signalwege des Tumorstoffwechsels eingreifen und sich damit gegen das Tumorwachstum richten. Das schaffen sie, indem „sie beispielsweise die Bindungsstellen der Wachstumsfaktoren blockieren oder das in die Tumorzelle übertragene Wachstumssignal hemmen“, wie die Krebsgesellschaft erläutert. Diese Medikamente können fortgeschrittenen Leberkrebs nicht heilen – aber das Fortschreiten der Erkrankung zumindest zeitweise aufhalten, Symptome lindern und das Überleben der Patienten verlängern. Allerdings gilt auch für die Therapie mit diesen Arzneimitteln: Die Leberfunktion sollte erhalten, der Allgemeinzustand des Betroffenen gut sein.

Als die „neuen Hoffnungsträger der Tumormedizin“ gelten laut Krebsgesellschaft „Immuntherapien mit innovativen Arzneistoffen, insbesondere den sog. Checkpoint-Inhibitoren“. In den USA sind bereits zwei Vertreter dieser Arzneimittelklasse gegen Leberkrebs nach einem beschleunigten Verfahren auf Basis von Phase I/II-Studien zugelassen. Sie zielen auf den sog. Immun-Checkpoint PD-1 – dabei handelt es sich um Proteine auf den T-Zellen. Letztlich soll die Therapie dazu führen, dass das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs aktiviert wird. Mehrere Kandidaten dieser Medikamentenklasse sowie weitere innovative Behandlungsansätze sind in der Entwicklung.

Leberkrebs: Prävention, Aufklärung, Früherkennung

Zum 20. Deutschen Lebertag erklären Deutsche Leberstiftung, Deutsche Leberhilfe und Gastro-Liga: „Nur durch Prävention, Aufklärung und Früherkennung lassen sich die hohen Zahlen bei Leberzellkrebs-Neuerkrankungen und -Todesfällen reduzieren“. Eine Möglichkeit wäre es, dass Patienten, die beispielsweise aufgrund einer Zirrhose oder mit NASH ein erhöhtes Risiko für Leberzellkrebs haben, Früherkennungsuntersuchungen angeboten werden. Über eine halbjährliche Ultraschalluntersuchung könnte der Zustand der Leber überwacht und eine Erkrankung ggf. frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden.

Quelle: https://www.pharma-fakten.de/news/details/852-jeder-tag-ist-leber-tag/