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Wie man wird, was man ist

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Irvin D. Yalom: Wie man wird, was man ist

Irvin D. Yalom

Sehr persönliche Erinnerungen, geschrieben mit der Offenheit, die ihn als Psychotherapeuten so besonders und letztlich weltberühmt machten. Irvin D. Yalom widmete sein Leben dem seelischen Leid anderer, in diesem Buch erzählt er von sich und den Umbrüchen, die ihn und seine Arbeit geprägt haben. Er berichtet von der Kindheit in prekären sozialen Verhältnissen, dem Minderwertigkeitsgefühl in jungen Jahren, der frühen Eigenwilligkeit, aber auch von den Kämpfen der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen in den 1960er Jahren, den Anfängen der Studentenrevolte, der Menschenrechts- und Frauenbewegung, Drogen und Esoterik, und auch Berühmtheiten wie Viktor Frankl oder Rollo May kommen zu Wort. Entstanden ist so das Portrait eines Mannes, der sein Leben in Gänze ausgekostet und gleichzeitig mit extremen Sinn gefüllt hat – von ausgelassenen Flitterwochen auf dem Motorrad durch Frankreich bis zur therapeutischen Arbeit mit Krebspatienten und dem Reflektieren über den eigenen Tod.

Die Biografie des Psychotherapeuten ist das Resümee eines langen erfolgreichen Lebens, spektakuläre Wendepunkte wie Flucht und Krieg, noch Auswanderung oder Scheidung fehlen. Wer zu erfahren erwartet, wie ein Fachmann Trauma oder Krise umschifft, wird enttäuscht.

Im Rahmen seines Medizinstudiums ist er in das Spezialgebiet Psychiatrie gerutscht, das zu dieser Zeit noch ganz unausgereift war. Ausgehend von tatsächlichen Fällen aus seiner Praxis erinnert er sich an eine ärmliche Kindheit mit gefühlskalten ungebildeten Eltern, russischen Einwanderern. Hier entsteht in den Szenen auch etwas Atmosphäre in Dialogen.

Yalom hat stringent seinen Weg gemacht ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Immerhin unterstützen die Eltern seine Ausbildung, er bekommt Stipendien und studiert fleißig. Eine psychologische Richtung folgt der anderen, mit keiner kommt er in Konflikt oder leidet unter Neidern. Lebenslang neugierig steht der Beruf im Vordergrund, private Ehe- oder Familienprobleme werden höchstens angedeutet. Für dieses Leben hat er wohl die ideale Partnerin gefunden, eine Professorin mit einem Lehrstuhl für Romanistik. Er wendet sich der Gruppentherapie zu, erweitert seine Selbsterfahrung durch Philosophie im Allgemeinen, Esoterik und Drogen und hat auch immer Zeit für Forschung.

In seiner Rentnerzeit greift er seine literarischen Interessen wieder auf und beginnt Romane zu schreiben. Sehr ausführlich schildert er die Arbeit an seinen Fachbüchern. Selbst für Romane verwertet er die Notizen seiner Behandlungen und ergänzt sie durch Fiktion.

Die Biografie ist ein Tätigkeitsbericht über lebenslanges Lernen, Therapieren und Sich-therapieren-lassen und liest sich auf weiten Strecken wie ein Who is who der amerikanischen Psychotherapie. Mindestens die Hälfte des Buches fokussiert sich deshalb auf seine weltweite Zielgruppe: Kollegen, Patienten, Studenten.

 

 

 

Verlagsgruppe Random House
Bertelsmann
ISBN: 978-3-442-75662-9
€ 25,00 [D] inkl. MwSt.
€ 25,70 [A] | CHF 34,90*
(* empf. VK-Preis)


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