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Washington Black

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Esi Edugyan: Washington Black

Esi Edugyan © Tamara Poppit of Poppy Photography

Der Roman kreist um Selbstfindung, Freiheit und Verrat. Der Klappentext weckt hohe Erwartungen: Stichworte wie Sklaverei auf einer Zuckerplantage auf Barbados, ein Luftschiff und Abenteuer à la Jules Verne versprechen Spannung. Der schöne Einband führt auf eine Spur, die abrupt ziemlich bald endet. Denn das Luftschiff, das der exzentrische Titch, Bruder des Plantagenbesitzers, mit Hilfe eines ihm zur Verfügung gestellten elfjährigen Sklavenjungen (Washington Black) baut, zerschellt im Sturm. Der Junge Black wird durch das Zusammenleben mit dem Weißen seinen eigenen Leuten entfremdet. Er wird zwar gefördert, kann aber seine Kenntnisse letztendlich im weiteren Verlauf nicht sinnstiftend anwenden.

Die Geschichte ist aus der Sicht des 18-jährigen ehemaligen Sklaven geschildert. Sehr reflektiert einfühlsam und reich an gelungenen Bildern und Zitaten beurteilt er die Menschen. Obwohl die Protagonisten optisch ausführlich ausgearbeitet sind, hapert es an der psychologischen Dimension, was eine Identifikation verhindert. Die Motive der Handlungen bleiben angedeutet. Die Befindlichkeit der Sklaven, ihres Besitzers und des Hobby-Bastlers, der die Sklaverei ablehnt, ist einleuchtend dargestellt. Die Verwandten sind allesamt psychisch vernachlässigt: der Plantagenbesitzer grausam, dessen Bruder Titch fehlen Menschenkenntnis, Durchsetzungsvermögen und Empathie für seinen kleinen Assistenten und der Cousin (der Selbstmörder) tingelt planlos durch die Gegend. Als zu befürchten steht, dass dem Jungen ein Mord angelastet wird, der eigentlich ein Selbstmord war, hebt das Luftschiff ab.

Die Möglichkeit Spannung zu erzeugen ist schnell vertan. Dass der Erfinder und sein Begleiter von einem Sklavenjäger verfolgt werden, wird flott erledigt. Die Handlung abkürzende Zufälle, die nicht näher ausgeführt werden, häufen sich.

Titch behandelt den Jungen, der niemanden sonst in der Welt hat, genauso gedankenlos wie er selbst von seinem Vater gekränkt wird. Er verschwindet depressiv auf Nimmerwiedersehen im Eis der Arktis und überträgt die Verantwortung für den Jungen seinem Vater, der bald stirbt.

Haltlos schlägt sich Washington durch die nächsten Jahre, bis er einem Mädchen begegnet, das ebenfalls Außenseiterin ist. Er findet bei ihrem Vater eine neue Aufgabe im Leben. Als er beiläufig erfährt, dass Titch seinerzeit nicht erfroren ist, sucht er ihn überall und findet ihn in Marokko. Was ein kraftvoller Showdown sein könnte, versickert im Unausgesprochenen mit vielen losen Fäden.

Eichborn Verlag
Hardcover
Sonstige Belletristik
512 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-8479-0665-0

Esi Edugyan

Esi Edugyan lebt in Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia. Washington Black ist ihr dritter Roman und wurde von Publikum und Kritik gefeiert. Er stand auf der Shortlist für den Man Booker Prize 2018 und wurde mit dem Giller Prize ausgezeichnet.