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Verrat

Luke Harding

Rezension von Dietrich Kantel

 

Ist Donald Trump ein Verräter? Warum gibt ihm ausgerechnet die Deutsche Bank merkwürdige Darlehen? Welche Druckmittel haben die russischen Geheimdienste gegen Trump und seine Gefolgsleute in der Hand? Warum biedert Trump sich wiederholt bei Putin an? Welche Rolle spielt Trumps Schwiegersohn Kushner? Warum führen so viele Ermittlungsergebnisse zu Trumps Geschäften immer nach Russland? Der britische Enthüllungsjournalist Luke Harding hat sich diesen Fragestellungen mit bemerkenswerten Rechercheergebnissen gewidmet: „Verrat“.

In diesem seinem jüngsten Buch (Englischer Originaltitel „Collusion“ ; deutsch: Absprache, Verdunkelung, geheime Absprache) präsentiert der britische Enthüllungsjournalist und vormaliger Moskau-Korrespondent des „Guardian“ brisante Rechercheergebnisse über die – unter den Geheimdienstlern weltweit als nahezu sicher angenommenen – vom Kreml gesteuerten Einflussnahmen in den vergangenen US-Präsidentschaftswahlen. Das Berichtete lässt dem Leser den Atem stocken. Das Sachbuch liest sich streckenweise wie ein Thriller. Sollten sich auch nur einzelne Vorgänge in den laufenden Untersuchungen des US-Sonderermittlers Mueller FBI) als zutreffend erweisen, dürfte der amtierende und überraschend ins Amt gewählte US-Präsident Trump in Schwierigkeiten geraten. Diese könnte man bezeichnen als in Nixonscher Dimension. Watergate lässt grüßen: Demission nicht ausgeschlossen.

Geheime Treffen, schmutziges Geld

„Geheime Treffen, schmutziges Geld und wie Russland Trump ins Weiße Haus brachte“ lautet der Untertitel von Hardings beeindruckende Reportage im Buchformat. Dabei stützt Harding, der von den russischen „Behörden“ wegen offenkundiger Hartnäckigkeit während seiner Tätigkeit für den „Guardian“ des Landes verwiesen wurde, neben seinen eigenen Erkenntnissen maßgeblich auch auf einen Untersuchungsbericht des früheren britschen MI-6-Agenten Christopher Steel. Dieser betreibt eine in der Industrie- und Finanzwelt weltweit stark nachgefragte Auskunftei für Wirtschafts- und Finanzauskünfte, Spezialgebiet: Osteuropa. Nach Weiterleitung seines Untersuchungsberichtes u.a. an das FBI musste Steel monatelang abtauchen.

Harding ist nicht „Irgendwer“. Er gehörte schon dem internationalen Rechercheteam an, aus dem u.a. die „Panama Papers“ erwuchsen und auch der Finanz- und Bestechungsskandal des Weltfußballverbandes FIFA aufgedeckt wurde. Der Mann kann also kurz gesagt als seriöser Rechercheur gelten.

Follow the money, follow the sex

Spannende Details aus dem Harding-Buch sollen an dieser Stelle nicht verraten werden. Denn: Selberlesen lohnt sich für den politisch Interessierten unbedingt. Und damit zurück zu den eingangs zitierten Eröffnungsfragen aus dem Werk. Ex-MI-6-Agent Steel empfahl Harding in einem persönlichen Treffen in London: „Follow the money, follow the sex“. Und deswegen stellt und untersucht Harding auch noch folgende spannende Fragen:

„Warum gab die Deutsche Bank in New York Trump neue Darlehen ( nachdem er eine frühere Restschuld im selben Haus über 300 Millionen US-Dollar einfach nicht mehr bediente; Anm. d.Verf.) und keine amerikanische Bank Trump mehr frisches Geld geben wollte? Warum wurde ausgerechnet Rex Tillersen Trumps Außenminister – Tillersen, der von Putin schon vor der Zeit den russischen „Orden der Freundschaft“ verliehen bekam? Sicherheitsberater? Michael Flynn, der von Moskau Beraterhonorare kassierte und diese dem US-Fiskus verschwieg. Wahlkampfmanager? Paul Manafort, der auf großen Fuß lebende Anwalt und langjährige Vertraute ex-sowjetischer resp. russischer Oligarchen. Außenpolitischer Berater? Der Anwalt Carter Page, der höchstwahrscheinlich geheime Dokumente an Putins Agenten weiterreichte. Handelsminister? Wilbur Ross, Unternehmer, der an Firmen beteiligt war, die Verbindung nach Russland hatten. Persönlicher Anwalt? Michael Cohen, der E-Mails an Putins Pressesprecher schickte. Geschäftspartner? Felix Sater, Sohn eines russisch-amerikanischen Mafiabosses“.

Moskau – New York – Trump Tower

Und: warum fanden Treffen der Trump-Vertrauten immer in Moskau oder aber im Trump-Tower in New York statt? Welche Druckmittel hat der russische Geheimdienst FSB, dessen Chef Putin vormals war, gegen Trump in der Hand. Filmaufnahmen aus der Moskauer Hotelsuite, in der Trump die Gesellschaft zweier (Geheimdiesnt-?)Prostituierten genoss ?

Dem Leser könnte schwindelig werden…

Das Thema ist weiter brisant:
Inzwischen wurde der Trump-Vertraute Manafort von Sonderermittler Mueller verhaftet. Anklage der Staatsanwaltschaft: Steuerhinterziehung, Verschweigen von Bankverbindungen, Geldwäsche. Der Prozess hat soeben begonnen.

Und Trumps “Dauerausputzer” (FAZ) und Leibanwalt Michael Cohen, der für Trump u.a. mit dem Porno-Star Stormy Daniels (und anderen) zu reden hatte: Auch gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren von FBI-Ermittler Mueller…

Wie empfahl Ex-MI-6- Mann Steele: Folgen sie dem Geld, folgen sie dem Sex…

 

Luke Harding
„Verrat“, Verlag Siedler, Dezember 2017, (359 Seiten) ISBN 978-3-8275-0116-5