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Und der Zukunft zugewandt

Schwere Schatten über den Idealen

Gerade haben wir erlebt, wie schwer es zu verstehen ist, dass bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen die AFD so gut abgeschnitten hat. Im Westen von Nachkriegsdeutschland haben wir viel daran gearbeitet, die Katastrophe Drittes Reich mit Holocaust und Zweitem Weltkrieg aufzuarbeiten. Auch mit dem klaren Ziel, dass sich die genannten Katastrophen nicht wiederholen. In Ostdeutschland ist dies – zeitgleich und unter Einbeziehung von Verbrechen der Sowjetunion – sowohl in der DDR als auch nach Übertritt in die BRD – nicht geschehen. Möglicherweise sind in dieser bis heute fehlenden Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen des Ostblocks und der DDR auch Gründe dafür zu suchen, dass eine deutlich rechts ausgerichtete Partei und Politik im ehemals kommunistisch orientierten Herrschaftsgebiet ein gegenläufiges Wahlverhalten zeigen und beinahe eine Mehrheit erreichte.

Es ist daher immer noch die Ausnahme, dass in Breite und Tiefe Themen aufgegriffen werden, die als kommunistische Staatsverbrechen bis zurück in die 1930er Jahre reichen. Dazu gehören auch die Schauprozesse in der Sowjetunion. Hier setzt der Film „Und der Zukunft zugewandt“ an. Unter der Hand des ostsozialisierten Regisseurs Bernd Böhlich ist eine Story entstanden, die deutlich macht, wie schwer es ist, einerseits ein System zu stützen und gleichermaßen an den Missständen zu ersticken. Denn die Schattenseiten des kommunistischen Systems durften nicht thematisiert, geschweige öffentlich gemacht werden.

Staatsräson deckelt Verbrechen

Und der Zukunft zugewandt : Bild Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober

Und der Zukunft zugewandt : Bild Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober
Copyright Neue Visionen Filmverleih

Jahrelang wurde Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) in einem sowjetischen Gulag in Sibirien gefangen gehalten. Sie wird 1952 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. In Fürstenberg beginnt für Mutter und Tochter ein neues Leben. Der sozialistische Kreisleiter Silberstein (Stefan Kurt) sorgt dafür, dass Antonia einen Führungsposten im Haus der Kultur erhält, eine Wohnung wird zur Verfügung gestellt, im Krankenhaus wird Lydia dank der Behandlung mit Penicillin schnell wieder gesund. Dort lernt Antonia auch den Arzt Konrad (Robert Stadlober) kennen, der um ihre Liebe wirbt. Doch so richtig fühlt sie sich in der DDR nie heimisch. Sie leidet darunter, dass ihr das vom sowjetischen Brudervolk zugefügte Unrecht wegen der Staatsräson verheimlicht werden muss.

Nicht reif für die Wahrheit

Die biographische Erzählung ließe sich beliebig wiederholen, weil es vielen Männern und Frauen genauso ergangen ist. Die Verfolgungen und Bestrafungen durch den paranoiden Stalin und seine Helfershelfer geschahen mehr oder minder willkürlich, weil man glaubte Feinde des Kommunismus ausgemacht zu haben. Im Fall von Antonia Berger ist das nicht der Fall. Sie ist überzeugte Kommunistin. Zu erklären sind diese Schicksale nur über einen Schlüsselsatz von einem Parteifunktionär: „Wahrheit ist das, was uns nützt!“

Im weiteren Verlauf des Films zeigt sich, dass es ein unhaltbares Versprechen der Funktionäre war, dass Wahrheiten erst später ausgesprochen werden dürfen, weil die Bürger im frühen Sozialismus dafür noch nicht reif seien. Dabei blieb es dann bekanntlich auch. Das System scheiterte mit Öffnung der Mauer 1989. Die verhärmte Antonia Berger hat sich zwischen Idealen und mörderischen Staatsverbrechen verbraucht.

Fazit von filmstarts.de: Spätestens mit Andreas Dresens „Gundermann“ wurde ein neues Kapitel in der Auseinandersetzung des Kinos mit der DDR aufgeschlagen. Der altbackene „Und der Zukunft zugewandt“ fällt nun allerdings wieder in die überholt geglaubten Erzählmuster zurück.

Der Trailer zum Film:


 

Akteure (Auswahl)

Hanna Sydow Jenny Langner

und der Zukunft zugewandt PlakatFriedrich Zeidler Hark Bohm

Wilhelm Pieck Peer Jäger

Artur Pieck Alexander Khuon

Vernehmer Peter Kurth

Waltraut Kessler Swetlana Schönfeld

Waltrauts Mann Jochen Nickel

Alois Hoecker Jürgen Tarrach

Werner Schuck Bernd Stegemann

Grete Hoecker Frauke Poolmann

 

Drehbuch: Bernd Böhlich