--- Anzeige ---
Homepage-Baukasten von Host Europe

Streifzüge durch Deutschland

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Mary Shelley: Streifzüge durch Deutschland

Mary Shelley

Die wieder aufgelegten Reiseberichte der englischen Autorin, die durch ihren Schauerroman „Frankenstein“ die größte Bekanntheit erlangt hat, sind aus einem größeren Zusammenhang gerissen, was aber nicht stört. Die auf Deutschland bezüglichen Schilderungen hat Shelley in Briefform in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben, d.h. aber nicht, dass sie an einen bestimmten Adressaten gerichtet sind. Der Stil ist erfrischend, humorvoll.

An ihre erste, damals noch wilde und gefahrenreiche, Reise 1817 durch das Rheintal erinnert sie sich 1842 immer mal wieder. Inzwischen hat der Tourismus mit dem Dampfschiff und der Eisenbahn längst begonnen. Shelley überprüft die Angaben aus ihrem Reiseführer, besonders zur Qualität der Hotels und findet dessen Kriterien meistens bestätigt. So geht sie ein auf Service, Mentalität der Bewohner und touristische Erschließung. Mit Schmunzeln liest man die Beschreibungen der unterschiedlichen Verkehrsmittel, deutschen Landschaften und Städte aus fremdem Blickwinkel. Reisende rufen dem Lokführer zu, er möge langsamer fahren, weil 40 km/h doch allzu atemberaubend seien. Die Sauberkeit ist oft mangelhaft, noch sind die Ursachen von Seuchen nicht erkannt. Die napoleonischen Schlachten liegen erst kurze Zeit zurück. Auf dem Weg nach Dresden durchquert sie die Schlachtfelder.

Sie ist mit ihrem Sohn und dessen Freund nach Italien unterwegs. Eine unprätentiöse Reisende, die sich über versnobte Engländer wundert, in Bad Kissingen eine Trinkkur macht, damals eine beliebte Wellnessform der Herrscherhäuser und gehobenen Stände. In Baden-Baden spaziert sie, im Elbesandsteingebirge entflieht sie einer Hitzewelle und in Gemäldegalerien begeistern sie besonders die Bilder Raffaels. Deutsches Essen erträgt sie klaglos oder schwärmt vom Brot, wenn nicht gerade der Wirt den Schimmel neben dem Tisch abgeklopft hat.

Das schmale Büchlein besticht darüber hinaus durch ein schönes Cover und die Aufmachung mit zahlreichen zeitgenössischen Stichen- ideal zum Verschenken.

 

Morio Verlag, ein Imprint der mdv Mitteldeutscher Verlag GmbH

Mary Shelley
Streifzüge durch Deutschland
Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Michael Klein

200 S., geb., 130 × 200 mm
ISBN 978-3-945424-65-0

 

Autorin
Mary Shelley, (1797–1851) stammte aus einer Schriftstellerfamilie, ihr Vater William Godwin war Autor u. a. des erfolgreichen Romans „Die Abenteuer des Caleb William“. Ihre Mutter, die kurz nach Marys Geburt starb, war die frühe Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft. Mit 16 Jahren verliebte sich Mary Godwin in den verheirateten Dichter Percy Bysshe Shelley und brannte mit ihm durch. Während eines Aufenthalts mit Lord Byron am Genfer See entwickelte sich ein Wettbewerb um Geistergeschichten, aus dem Marys berühmter Science-Fiction-Schauerroman „Frankenstein“ hervorging, der im Januar 1818 erschien. Sie schrieb weitere Romane, Erzählungen, Essays und Biografien, deren Qualitäten z. T. erst in unserer Zeit erkannt wurden, vor allem den Zukunftsroman „Der letzte Mensch“ (1826).