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Die Acht Lektionen der Wüste

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

www.kreativ-schreibstudio.de

 

Nicholas Jubber: Die Acht Lektionen der Wüste. Mit den Nomaden Nordafrikas nach Timbuktu

Der zu Recht für seine Reiseberichte ausgezeichnete Brite Nicholas Jubber hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und reist mit Nomaden von Fez (Marokko) nach Timbuktu (Mali). Das Vorhaben, eine Salzkarawane nach Taoudenni zu begleiten, muss er verschieben. Die Region ist nach dem arabischen Frühling keinesfalls sicherer geworden, auch wenn es andere Gefahren, als die von Leo Africanus im 16. Jahrhundert beschriebenen sind. Dessen und andere historische Reisebeschreibungen und alte arabische Literatur dienen Jubber als Leitfaden und Basis für Vergleiche. Schilderungen von Zeitzeugen fördern nachhaltiger das Einfühlen in die Situation.

Ganz beiläufig entrollt der Autor dabei ein Sittenbild der Wüstengesellschaft und beschreibt mit sehr gelungenen, zeit- und ortsbezogenen Metaphern Land, Leute und Vorfälle. Durch teilnehmende Beobachtung gelingen ihm Einfühlen und Einblicke, die kein sachlicher Entwicklungsreport wiedergeben kann. Auch wenn manche der Zahlen vielleicht mit Vorsicht zu betrachten sind, so lassen sich die Ausbeutung der Meere durch ausländische Großfischer, die Einflüsse von Dshihadisten auf die Nomadenstämme und die Auswirkungen des Klimawandels u.a. doch nicht leugnen. Alles trägt zur Auflösung dieser Lebensweise bei. Dabei ist der kommunikative, nie überheblich urteilende oder romantisch verklärende Autor überzeugt, dass nach einem Weltuntergang ihre Tugenden (auf die bezieht sich der Titel) gerade ihr Überleben garantieren könnten.

Als Jubber nach der Besatzungszeit wieder in Timbuktu eintrifft, in der Hoffnung, die Karawane müsste inzwischen durchführbar sein, packt ihn das Grauen. Seine Freunde haben ihre Kamele und teilweise Verwandte in dem Konflikt verloren. Den Verantwortlichen ist es 2011 gelungen, wenigstens die wertvollen Schriften, für die Timbuktu berühmt war, zu retten, die die Salafisten Ansar ad-Dins in ihrer religiösen Verblendung vernichtet hätten. Das von letzteren verursachte Chaos begünstigt nicht nur ethnische Konflikte, weil die Islamisten oft ausländische Araber sind, sie fördert auch ein Weiterbestehen der Sklaverei (kaum zu vergleichen mit den Verhältnissen in Amerika) trotz eines 1908 (!) erlassenen Verbots. Es bietet den in unterschiedlichem Maße rechtlich Beschnittenen mit minimale Sicherheit.

Das alle Sinne ansprechende (vielleicht etwas zu flott lektorierte: siehe oft Almoradiven statt Almoraviden) Taschenbuch vermittelt dem Leser eine Menge historischer, völkerkundlicher und politischer Fakten, in vergnügliche Gespräche verpackt. Ein Leser, der die Wüste selbst erlebt hat, wird den meisten Gewinn aus der unterhaltsamen Lektüre ziehen, denn der Text überrascht mit vielen Wiedererkennnungsmomenten.

 

DuMont Reiseverlag
344 Seiten
Klappenbroschur mit zahlreichen Fotografien und Karten
Preis: 16,99 (D) / 18,50 (A) / 21,90 CHF
ISBN: 978-3-7701-6680-0