--- Anzeige ---
Homepage-Baukasten von Host Europe

Wiederentdeckung der Romantik

von D. Bernd Kregel

Eine Flusskreuzfahrt mit Tiefgang

Bravourös offenbart die „Katharina von Bora“ den Zauber nördlicher Küstengewässer entlang der Oder.

Skulptur C.D.Friedrich in Greifswald

Einst bewegte eine „Blaue Blume“ die Gemüter. Als Sinnbild der Romantik verzehrten sich die Künstler einer ganzen Epoche nach ihr, doch stets ohne Erfolg. Denn kaum hatten sie sich ihr in ihrem inneren Empfinden angenähert, entzog sie sich wie von Geisterhand gelenkt ihrem Zugriff. So blieb sie gleich einer ungreifbaren Fata Morgana auch weiterhin nur das imaginäre Symbol unerfüllter Träume und Sehnsüchte.

Doch auch jenseits der „Blauen Blume“ gab es im Zeitalter der Romantik Orte, vor deren spezieller Lichtkulisse sich bei sensiblen Menschen Gefühle verfestigten. Und dabei zum Anlass wurden, über sich selbst und seine Winzigkeit im riesigen Universum nachzudenken. Die Uferlandschaften von Ostsee und Oder gehören sicherlich dazu. Denn mit etwas Glück entdeckt man hier bis heute während einer Romantik-Kreuzfahrt die Spuren Caspar David Friedrichs, der hier, angeregt vom Lichterlebnis des Nordens, ein einfühlsames bis tiefgründiges Werk hinterlassen hat.

Meeresweite und Sternenzelt

Besonders waren es die Kreidefelsen von Rügen, die die Fantasie des Künstlers anregten. Zwar sind die von ihm zum Weltruhm gelangten „Wissower Klinken“ unlängst dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen.

Doch bestätigt dieser bedauerliche Anlass nur seine Bildaussage, die Schönheit und Lebenszeit in ihrer Vorläufigkeit darstellt. Auch heute vermag nicht einmal der Blick auf den mächtigen Königsstuhl über diese pessimistische Grundstimmung hinwegzutäuschen.

Wissower Klinken von C.D. Friedrich

Damit wird deutlich, wie der Künstler stets von der Oberfläche der Naturerscheinung vordringt zum Wesentlichen, das sich dahinter verbirgt. Zu Herzen geht dabei die Verlorenheit der Menschen vor weiten Meereslandschaften oder angesichts der Unendlichkeit des Universums. Und dennoch schimmert stets die Hoffnung durch, dass sich über dem Sternenzelt ein liebendes Wesen verbirgt, das von höherer Warte aus dem menschlichen Leben Sinn verleiht.

Giebel und Fassaden

Doch für weitere Gedanken bleibt vorerst keine Zeit. Denn schon sind an der Anlegestelle in Stralsund die Schiffsmotoren angesprungen, die das Schiff entlang der Südküste Rügens durch den Greifswalder Bodden in Bewegung setzen. Ziel ist nunmehr die alte Hansestadt Greifswald, in der einst Caspar David Friedrich das Licht der Welt erblickte. Noch heute versprüht die Stadt mit ihrer alten Bausubstanz einen unglaublichen Charme.

In unmittelbarer Nähe des Geburtshauses überragt der ehrwürdige Dom die Stadtkulisse, in dem der Künstler einst die Taufe empfing. Als in einem anderen Sinne überragend erweist sich auch der Markt mit seinen kostbaren Giebeln und Fassaden. Vor diesem Hintergrund porträtierte Friedrich einst seine dem Handwerk entstammende Familie. Als unübersehbar von diesem Standort aus erweist sich das „Rote Rathaus“, das mit seiner grellen Farbe die Aufmerksamkeit weckt.

Seebrücken und Bäderarchitektur

Seebrücke in Ahlbeck/Usedom

Weiter südlich von Greifswald verwischen sich die Spuren des Künstlers. Denn hier beginnt mit dem Oderdelta ein unübersichtliches System von Flüssen und Kanälen, in dem man sich gern der Ortskenntnis des Kreuzfahrt-Kapitäns anvertraut. Zunächst bis zur Insel Usedom, wo die weit hinausragenden Seebrücken von Ahlbeck und Heringsdorf versuchen, ihre üppigen Schwestern von Binz und Sellin in den Schatten zu stellen.

Ähnliches tun auch die Monumente der Bäderarchitektur, die seit Kaisers Zeiten liebevoll gepflegt und dem jeweiligen Wohnkomfort angepasst werden. Besonders das Örtchen Heringsdorf steht zu seiner Tradition. Hier wird alljährlich in einem Fest unter großem Publikumsandrang der kaiserlichen Familie gedacht. Wobei auch darüber gemunkelt wird, wie privat die Kaiser in einzelnen Häusern ein- und ausgingen.

Stadt des Aufbruchs

Altes Rathaus in Stettin

Völlig anders präsentiert sich dagegen die polnische Großstadt Stettin, vor deren guter Stube, der monumentaler Hakenterrasse, die „Katharina von Bora“ festmacht. Wie blinkendes Gold leuchten dabei die Sonnenstrahlen von der sich kräuselnden Wasseroberfläche herüber. Aber noch sind die Schäden des Zweiten Weltkrieges unübersehbar. Doch profitiert die Stadt von dem Reichtum, den ihr weit ausgebaute Hafen heute erwirtschaftet.

Insgesamt sind die Ansätze zur traditionellen Prachtentfaltung unverkennbar. So wachsen das Alte Rathaus, das Schloss der Pommerschen Herzöge sowie die ehrwürdige Jakobuskirche ihrer Vollendung entgegen. Ja selbst eine moderne Philharmonie in grellem Weiß schmückt inzwischen mit ihrer riesigen Zackenkrone das Stadtbild. Damit zeigt sich Stettin als eine Stadt des Aufbruchs mit einem überzeugendem Konzept für die Zukunft.

Zisterzienserkloster und Schiffshebewerk

Bei der Weiterfahrt in Richtung Süden über die Hohensathen-Friedrichsthaler Wasserstraße dominiert erneut die vom Ufer ausgehende Romantik. Besonders, wenn sich zum Sonnenuntergang die Baumwipfel und Schilfrohre im Abendwind wiegen. Bis hin zum Oder-Havel-Kanal, in den das Schiff nun in südwestlicher Richtung einbiegt. Hier grüßt das alte Zisterzienserkloster Chorin, das in seinen Anlagen mittelalterlicher Prachtentfaltung gar einen Hauch Romantik um sich zu versprühen scheint.

Doch selbst die Technik-Begeisterung kommt nicht zu kurz. Denn in Niederfinow erhebt sich seit bereits mehr als acht Jahrzehnten ein gigantisches Schiffshebewerk, das die Schiffe in einer riesigen Wanne nach oben befördert und dabei ein traditionelles Schleusensystem vermeidet. Vom geschützten Bug aus lässt sich diese Schiffsreise nach oben genau beobachten. Minutiös erklärt anschließend Hebewerks-Mitarbeiter Helmut Kluge die komplizierten technischen Vorgänge des Hebevorgangs. Doch zurück bleibt die zaghafte Frage, ob man alle Zusammenhänge bei diesem komplizierten Meisterwerk der Ingenieursbaukunst auch vollkommen begriffen hat.

Tegel und Potsdam

Brandenburger Tor in Potsdam

Nun steht dem Berliner Zielort des Schiffes an der Havel nichts mehr entgegen. Viel zu schnell verfliegt nach mehr als 500 Kilometern die restliche Reisezeit bis zum Tegeler See, wo die prächtige Natur an der Anlegestelle erinnert an die romantischen Uferlandschaften. Und wieder beginnt das Grübeln darüber, ob und wo sich das Schiff auf seiner langen Reise der „Blauen Blume“ ein Stück weit angenähert hat. Eine Frage, die sicherlich nur Romantiker zu beantworten wissen.

Wie auch immer die Antwort ausfallen mag, darf doch ein Abstecher in die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam nicht fehlen: von der Glienicker Brücke zum Cecilienhof, vom Park von Sanssouci zum gastlichen Holländerviertel. Und wenn sich schon alle diese Namen als historisch erweisen, dann gehört der Schiffsname der „Katharina von Bora“ sicherlich auch dazu.

HIER GEHTS ZUR FOTOSTRECKE OSTSEE:

Reiseinformationen „Ostsee-Oder“:

Anreise und Einreise

Anreise nach Stralsund mit PKW und Bahn; bei Abreise Berlin auch über Flughafen Tegel; Personalausweis oder Reisepass sind ausreichend.

Reisezeit

Frühjahr bis Herbst sind ideal für eine Flusskreuzfahrt auf der Ostsee – Oder – Havel.

Essen und Trinken

Die „Katharina von Bora“ bietet Vollverpflegung mit drei Mahlzeiten. Bei Landgängen oder Ausflügen ist die rechtzeitige Rückkehr gewährleistet; in Ausnahmefällen Lunchpakete.

Reiseveranstalter und Auskunft

Nicko Cruises Flussreisen GmbH, Mittlerer Pfad 2, 70499 Stuttgart, Tel. 0711-248980-0, info@nicko-cruises.de; www.nicko-cruises.de