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Warum Trolle das Internet erobern

Die Anonymität des Internets hat auch ihre Schattenseiten.

Wir leben in aufregenden Zeiten. Das Internet hat unser Dasein so weit vereinfacht, dass es fast ausnahmslos online funktioniert. Abgesehen von Stoffwechsel und Nahrungsaufnahme greifen wir umgehend zur Technik, wenn wir mit unseren Freunden kommunizieren, die neusten Alben herunterladen oder Serien schauen möchten. Ein Griff zum Smartphone genügt, schon sind Langeweile und Monotonie vom Tisch.

Die Anonymität hat auch ihre Schattenseiten. So hat die Gesprächs- und Debattenkultur im Internet stark an Qualität eingebüßt. Statt Diskussionen bestimmen knallige Einzeiler – stets auf der Jagd nach möglichst vielen „Likes“. Der Diskurs wird unter anderem von Trollen bestimmt, die sich im Kollektiv vernetzen und auf ihre Gegner einschießen.

Moral und Tugend sind von gestern

Heutzutage hat jeder Mensch eine Meinung – und er kann sie unkompliziert äußern! Was im Freundeskreis nicht funktionieren kann, klappt online umso besser. Wer schlecht gelaunt ist, nutzt das erstbeste Ventil, suhlt sich im Schutz der Anonymität und schlägt um sich.

Die Opfer lauern an jeder Ecke des World Wide Webs. Es kann sich um die gescheiterte Liebe handeln, einen Andersdenkenden oder den Fan eines anderen Vereins. Auch Promis werden regelmäßig von Trollen heimgesucht, förmlich von ihnen belästigt. Jeder Internetnutzer läuft Gefahr, ins Visier zu geraten. Er selbst jedoch kann entscheiden, den Trollen ins Messer zu laufen – oder sie gar nicht erst in die Offensive kommen zu lassen.

Wie es nicht geht

In Deutschland sorgt der Fall des „Drachenlords“ immer wieder für Aufmerksamkeit. Der YouTuber ist im deutschsprachigen Raum für seine horrende Menge an Trollen bekannt, die mittlerweile sogar vor seinem Haus erscheinen und das in Franken gelegene Emskirchen terrorisieren. Die Schuld ist allerdings nicht ausschließlich bei den Übeltätern selbst zu suchen. Der „Drachenlord“ präsentiert sich online von seiner schlechtesten Seite, pöbelt seine Zuschauer im Live-Stream an und droht Kritikern mit Schlägen. Die Trollkultur ist ein Nehmen und Geben, selten so einseitig, wie sie von den Medien dargestellt wird.

Trollen den Nährboden entziehen

Bei Trollen automatisch von gelangweilten Hochschülern auszugehen, ist zu kurz gedacht. Sie stammen aus jeder Klientel, vom bitteren Arbeitslosen bis hin zum Vielverdiener mit Managerposten. Eben deshalb lohnt es sich gar nicht, ihnen den Kampf anzusagen oder sämtliche Social-Media-Kanäle zu löschen. Jeder Künstler wird für seine Ideen kritisiert – ob berechtigt oder nicht. Geschmäcker sind verschieden. Im Internet werden sie schlichtweg auf anonyme, angriffslustige Art geäußert. Promis wie Privatpersonen sind gut beraten, die Trolle zu ignorieren. Letztendlich sehnen sie sich nach Aufmerksamkeit. Wird sie ihnen verwehrt, suchen sie sich das nächste Opfer.

Sepp Spiegl