--- Anzeige ---
Homepage-Baukasten von Host Europe

Reeperbahn-Festival: Millionen vom Steuerzahler

Von Dietrich Kantel

Reeperbahn Fedstival & Sequencer Tour SXSW 2019 © Hitesh-Mulani


Das Reeperbahn-Festival findet in Hamburg seit 2006 alljährlich über vier Tage im September statt. Nach Eigendarstellung der Veranstalter handelt es sich um „Europas größtes Clubfestival“. Zunächst als reines Musikfestival gestartet zähle es inzwischen zu den wichtigsten Treffpunkten der Musikwirtschaft weltweit. Aus Steuergeldern soll jetzt ein Füllhorn über diese kommerzielle Vier-Tage-Party ausgegossen werden: Über 31 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren.

Indie, Pop, Rock. Folk, Singer-Songwriter, Electronic, Hip Hop…

Die ganze Bandbreite der kommerzielle Musikindustrie wird in diesem Festival abgebildet. Newcomer erhalten hier eine Chance vor mehr oder weniger internationalem Publikum, vorzugsweise in Clubs. Der ein oder andere gestandene Musiker tritt auch auf. Z.B. wenn er dem Festival seine persönliche Karriere zu verdanken hat. Professionelle Talentscouts kommen und sichten. So mancher Musiker hat von hier aus auch seinen Manager oder ein Musiklabel gefunden.

Top-Erfolgsmusiker der Unterhaltsungsbranche haben hier begonnen, wie etwa Bon Iver aus den USA, aus Deutschland Cro oder auch aus Europa/Deutschland Ed Sheeran. Was zu Beginn im Jahr 2006 über vier Tage zunächst 9000 Besucher anlockte, hat sich bis zum Jahr 2017 auf immerhin 40.000 Besucher gemausert (Angaben der Veranstalter). Jedoch: Andere Festivals in Deutschland ziehen weitaus mehr Besucher an. Ohne Subventionen.

In seiner „Aktion Frühjahrsputz“ hat der Bund der Steuerzahler nunmehr aufgedeckt, dass auf dieses Musik-Party-Club-Festival nunmehr Millionen Euro aus Steuergeldern ausgegossen werden sollen. Konkret: 31,3 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren.

31,3 Millionen Euro

Anfangs subventionierte der Bund das Festival aus dem Etat der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit 200.000 Euro im Jahr. Der Stadtstaat Hamburg gab 460.000 Euro dazu. Angesichts übersprudelnder Steuereinnahmen beim Bund soll nunmehr aber geklotzt werden, wie der Steuerzahlerbund herausfand.

Nachdem die Bundesregierung ihren Zuschuss 2017 von 200.000 Euro bereits auf zwei Millionen Euro angehoben und damit verzehnfacht hatte, sollen es für die kommenden fünf Jahre insgesamt 28 Millionen aus dem Bundessäckel werden. Pro Jahr dann also 5,3 Millionen Euro. Hinzu kommen jährlich die 460.000 Euro aus dem Hamburger Haushalt. Der wird wohl geschont: eine weitere Anhebung ist nicht ersichtlich.  Außerdem soll jetzt – „wegen der Internationalität“ – auch der Bundesaußenminister einen Beitrag leisten. Im Gespräch seien 200.000 Euro – jährlich, „mindestens“.

Je Festival-Besucher: 156 Euro Steuergeld

Ed Sheeran © kisspng

Der Subventions-Etat für das Festival aus Steuergeldern summiert sich so auf mindestens 31,3 Millionen Euro auf fünf Jahre. Macht jedes Jahr eine Subvention von 6,26 Millionen Euro. Verteilt auf zuletzt 40.000 Besucher wird also jeder Festivalbesucher, der in Clubs „eine gute Mucke“ hören und viel Spaß erleben möchte mit 156,50 Euro bezuschusst. Einschließlich der professionellen Besucher von Musikmanagement, Eventveranstaltern, Plattenverlagen und Musikern. Diese können dort dann gute Geschäfte auf die Zukunft abschließen. Fraglich dürfte sein, was davon an den deutschen Steuerzahler als Dividende zurückfließt. Den Ertrag streichen schließlich nur die Musikschaffenden ein. Etwa Ed Sheeran (auch Schmusesänger genannt): er verdient seither Millionen. Die versteuert der Brite allerdings anderenorts als in Deutschland.

Der Steuerzahlerbund kritisiert: „Die üppig sprudelnden Steuerquellen lenken die Hamburger Vertreter im Bundestags-Haushaltsausschuss geschickt in Richtung Hansestadt, um Kulturprojekte dort mit Bundesmitteln zu päppeln. Aus Sicht des Steuerzahlers ist zwar eine Bundesförderung des Reeperbahn-Festivals diskutabel, aber bitte mit einem vernünftigen Augenmaß – ohne Überbelastung der Steuerzahler.“

Diese Kritik kommt eher höflich und zurückhaltend daher. Wohl seiner Überparteilichkeit geschuldet spricht der Steuerzahlerbund eine offensichtliche parteipolitische Verquickung nicht konkret an: Der amtierende Bundesfinanzminister ist Olaf Scholz (SPD). Zuvor war er Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg. Derzeit ist der Erste Bürgermeister der Hansestadt Scholz´ SPD-Parteigenosse Peter Tschentscher. Der „wegen der Internationalität“ jetzt auch mit mindestens 200.000 Euro eingebundene Bundesaußenminister ist Heiko Maas (SPD).