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Mittelalter hautnah erleben

Der Bauplan der Mönche aus dem 9. Jahrhundert

von Sepp Spiegl

Im Mai 2010 hatte Bürgermeister Arne Zwick den alten Kloster-Bauplan auf seinem Schreibtisch liegen und wusste nicht recht was er davon halten sollte. Der Plan wurde vor über 1.200 Jahren auf der Insel Reichenau am Bodensee gezeichnet, aber nie in die Tat umgesetzt. Er liegt bis heute in der Stiftsbibliothek St. Gallen. Bis die Schweizerin Verena Scondo und der Deutsche Bert Geurten kamen und fanden: Wir setzen diesen Plan jetzt hier in die Realität um, das erste Mal überhaupt. Hier, das heißt in Meßkirch, einer Kleinstadt in Baden-Württemberg.
Gebaut sollte ein Kloster werden mit nichts als Menschenkraft und ein paar Ochsen. Mit Mitarbeitern, die allesamt in Leinenkutten herumlaufen und aus Tonkrügen trinken. Die Zahl 40 stand in dem Zeitplan. 40 Jahre, bis alles stehen soll. Der Bürgermeister sah eine Chance. Er griff zu.

In der Schreinerei werden Holznägel hergestellt

Handwerker arbeiten seit fast 5 Jahren daran, ein mittelalterliches Kloster zu bauen, wie es Mönche im 9. Jahrhundert auf der Insel Reichenau gezeichnet und beschrieben haben: ein große Abteikirche, Wohnräume, Werkstätten, Stallungen und Gärten. Auf der Mittelalterbaustelle „Campus Galli“ bei Meßkirch soll im Laufe der kommenden Jahre eine ganze Stadt im Wald entstehen!
Doch wie baute man vor 1200 Jahren? Wie spaltete man Schindeln, schmiedete eine Axt oder färbte die Wolle? Welche Getreide wuchsen auf den Äckern und welche Heilkräuter in den Gärten? Die Mittelalterbaustelle ist gleichermaßen ein Forschungsprojekt wie ein Freilichtmuseum, die Besucher tauchen in eine Welt ein, in der es keine Maschinen gibt, jeder Arbeitsschritt von Hand gemacht werden muss, mühsam, bei Wind und Wetter.
Bäume werden gefällt und mit der Axt zu Balken behauen, Gewänder genäht, der Acker bestellt. Beim Schreiner riecht es nach frischem Holz und die Glut der Schmiedewerkstatt pulsiert hell im Takt der Blasebälge, während der Schäfer die Tiere zur Weide führt. Der Besucher erlebt bei „Campus Galli“ all die Dinge, die auch den Alltag der Menschen im Mittelalter bestimmten. Jeder Tag ein wenig anders, je nach Jahreszeit, je nach Baufortschritt.

Blick in die Töpferei

Es wurden zahlreiche Werkstätten errichtet und eine Kirche aus Holz gebaut. Ab 2018 wird intensiv an einer großen Scheune gebaut, in der die Mönche früher ihre Garben eingelagert und das Korn gedroschen hätten. Daneben wird an einem Obst- und einem Gemüsegarten gearbeitet, dessen Zaun und Mauer die Hühner und Ziegen aussperren soll. Um die 30 festangestellte Leute arbeiten hier auf der Baustelle, viele von ihnen waren früher Langzeitarbeitslose. Sie stiegen bei Campus Galli als Ein-Euro-Jobber ein, das verheimlicht hier keiner. Für viele war Campus Galli die Rettung, ein Neuanfang. Viele Menschen sehnen sich nach mehr Ruhe, nach Sinn. Wohl deshalb kommen jedes Jahr Hunderte Freiwillige auf die Baustelle. Sie werden dringend benötigt, arbeiten gratis und über Wochen hier, müssen für die Unterkunft noch draufzahlen.
Die großen Klöster wie St.Gallen und Reichenau entstanden durch die Hand von Steinmetzen, Zimmermännern, Schmieden und vielen weiteren Handwerkern. Die Klöster waren Orte des Wissens und des Glaubens und damit wichtige Pfeiler, auf denen die mittelalterliche Gesellschaft ruhte.  

Heute zieht die Baustelle Campus Galli geschätzt 60.000 Besucher im Jahr an. Das Ziel sind 120.000 Gäste jährlich, dann würde sich dieses Unterfangen selbst finanzieren. Es ist ein realistisches Ziel. Denn Campus Galli scheint ein Bedürfnis zu erfüllen: Je weiter die Moderne fortschreitet mit ihren Überforderungen, desto mehr Menschen sehnen sich nach Ruhe, nach Schlichtheit, nach dem wahren Leben.

Anschrift: D-88605 Meßkirch: Die eigentliche Mittelalter-Baustelle, unser Campus Galli, befindet sich ca. sechs Kilometer außerhalb von Meßkirch, im Dreieck Rohrdorf-Langenhart-Engelswies, direkt an der Bundesstraße B 313, Abzweigung Langenhart.

 

HIER GEHT ES ZUR FOTOSTRECKE CAMPUS GALLI:

 

Öffnungszeiten

Saison ist vom 24.März bis 04.November

10:00 – 18:00 Uhr

  • Montag: Ruhetag (außer an Feiertagen in Baden-Württemberg)

  • Dienstag: 10:00 – 18:00 Uhr

  • Mittwoch: 10:00 – 18:00 Uhr

  • Donnerstag: 10:00 – 18:00 Uhr

  • Freitag: 10:00 – 18:00 Uhr

  • Samstag: 10:00 – 18:00 Uhr

  • Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr

  • ACHTUNG während der Winterzeit (ab 28.Oktober) schließen wir bereits um 17:00 Uhr!

Preise-Einzelbesucher

          € 9 Erwachsene

  • 7 € – Schüler ab 16 Jahren, Studenten, Schwerbehinderte mit Ausweis, Mitglieder Freundeskreis, Meßkircher Bürger, sonstige Rabattaktionen
  • 6 € – Kinder unter 16 Jahre
  • Kinder unter 6 Jahre Eintritt frei
  • 21,50 € – Familien mit eigenen Kindern von 6-15 Jahren
  • 5 € – Feierabendticket ab 16:30 Uhr (ab dem 28. Oktober bereits um 15:30 Uhr)