Des Königs vergessene Unterhosen

Bayern verdankt den “Freistaat” einem linken Revolutionär

Von Jörg Bischoff

Kurt Eisner ©wiki

Dass Bayern ein „Freistaat“ ist, verdankt das Land keineswegs der CSU. Das Synonym für Republik ist vielmehr einem Angehörigen der linksradikalen, von den Sozialdemokraten abgespaltenen, USPD, nämlich Kurt Eisner, zu verdanken, der am 8. November 1918, also Tage vor der Berliner Revolution, den „Freistaat Bayern“ ausrief und gleichzeitig verkündete, „die Wittelsbacher sind abgesetzt“ videos aus zdf mediathek herunterladen. In den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts sollte für diesen Kurt Eisner sogar einmal ein Denkmal als dem Schöpfer des Freistaates errichtet werden. Aber die CSU war dagegen.

Journalist aus bürgerlichem Haus
Eisner war ein Journalist mit eher bürgerlichem linken Hintergrund. Jahrelang hatte er die SPD-Zeitung „Vorwärts“ verantwortet und war gegen Ende des Ersten Weltkriegs zum Pazifisten geworden. Er organsierte in München riesige Demonstationen und einen Sturm der Arbeiter, Soldaten und Bauern auf die Münchner Kasernen instrumentals for free. Vom Arbeiter- Bauern- und Soldatenrat wurde er als Begründer der Münchner Räterepublik zum vorläufigen Ministerpräsidenten berufen, aber am 21. Februar 1919 auf dem Gang zum Landtag von einem rechtsradikalen Studenten und Leutnant namens Graf Anton von Arco erschossen, nachdem seine eigene Partei die von ihm bewirkte Landtagswahl mit 2,5 Prozent verloren hatte. Dort, im bayerischen Parlament wollte er jetzt eigentlich seinen Rücktritt bekanntgeben.
Eisners “Opfer” war der letzte bayerische König, Ludwig III., der 1912 als Sohn des Prinzregenten Luitpold durch Verfassungsänderung vom Landtag in die Thronfolge berufen wurde. Damals war er 67 Jahre alt, seine Frau Marie Therese von Este 34. Alle Einwände der Königin, die Berufung nicht anzunehmen, weil er an die im Volk umstrittene Absetzung des beliebten “Märchen”-Königs Ludwig II herunterladen. und an dessen Stelle die Installation des Prinzregenten Luitpold für 36 Jahre denken müsse, fruchteten nichts. Er setzte sich – im Gegenteil – dafür ein, dem Landtag mehr Rechte gegenüber der Regierung zu verschaffen; eine Reform, die allerdings zu spät kam, um die Revolution noch zu verhindern.

Kurt Eisner (Mitte, mit seiner Frau und Minister Hans Unterleitner, r.) kurz vor seiner Ermordung: Der Ministerpräsident wollte am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt erklären, wurde jedoch auf der Straße erschossen.

“Millibauer” und “Topfenreserl”
Zuvor hatte Ludiwg III software für tiptoi herunterladen. in Leutstetten am Starnberger See ein Gut gekauft und zum landwirtschaftlichen Musterbetrieb ausgebaut, weshalb er im Volk als „Millibauer“ (Milchbauer) und seine Frau Marie Therese als „Topfenresel“ (Quark-Therese) belächelt wurden. Die Revolution überkam ihn völlig überraschend. Bei einem seiner gewöhnlichen Spaziergänge im Englischen Garten wurde er von einem Passanten angesprochen, er solle doch lieber nach Hause gehen.
Als ihn sein Ministerpräsident Otto von Dandl in der Begleitung des Innenministers aufsuchte und ihm mitteilte, dass es keine Truppen und keine Polizei mehr in München gebe, welche die Monarchie verteidigen könnten, entschloss sich der gestürzte König zur Flucht chip.de free download adobe reader. Zunächst ging es im Auto in das von seiner Frau in die Ehe eingebrachte Schloss Wildenwart am Chiemsee, dann nach Anif im Salzburger Land. Und dies, obwohl Eisner verkündet hatte, dass sich der ehemalige Monarch ohne weiteres in Bayern aufhalten könne, falls er nur nicht zur Widerherstellung der Monarchie aufrufe.
Die Flucht ging so überhastet vonstatten, dass Ludwig in der Eile nur ein Kistchen Zigarren mitnehmen konnte, was ihn später zum witzigen Gegenstand von Karikaturen machte.

König Ludwig III italienische nationalhymne herunterladen. und Königin Maria Therese von Bayern

An nichts gedacht
Während sich die Kammerfrau Franziska Scheidl um die schwerkranke Königin kümmerte und deren Kleider, Schmuck, Briefe, Geld und die Arzneien verpackte, waren des Königs bisherige Helfer entweder zu den Revolutionären übergelaufen oder hatten an nichts gedacht. Frau Scheidl rief aus: „Gott bewahre! Nicht ein übriges Taschentuch, gar nichts, rein gar nichts hat er bei sich!“ Der Leibjäger hatte am Abend frei und der zweite verfügbare Diener sagte, es sei ihm nichts „angeschafft“ worden. Offenbar dachte der König, jederzeit wieder in seine Residenz oder wenigstens in sein Privatquartier, das Wittelsbach-Palais, zurückkehren zu können download homepage templates for free.
So kam es, dass nach einem Bericht von Eisners Privatsekretär Felix Fechenbach Mitte November 1918, in Eisners Vorzimmer sich eine „Dame vom Hofstaat des letzten Bayernkönigs“ anmeldete. Die Dame, vermutlich eine Wäscheschließerin. teilte mit, dass Ludwig III. München so schnell habe verlassen müssen, dass nicht einmal Zeit gewesen sei, auch nur die nötigste Leibwäsche mitzunehmen. Sie war nun erschienen, um zu fragen, ob es nicht möglich wäre, „für seine Majestät einige Leibwäschen” aus dem Wittelsbacher Palais abzuholen „Kurt Eisner war kein Unmensch” , fuhr Fechenbach fort, “und der abgesetzte Wittelsbacher durfte seine königlichen Unterhosen abholen lassen“ netflix filmeen wie lange. Ein ehemaliger Ministerialbote Ludwigs III. kommentierte den Vorgang: „Ja mei, unser Kini, der hat auch Angst ausstehen müssen. Da glaub ich schon, dass der a neue Unterhosen braucht“.

das Wittelsbach-Palais

Zigarren und Lebensmittel
Der Journalist Victor Naumann berichtet, dass er sogar Zigarren und Lebensmittel für den „Kini“ zu besorgen hatte. Der Grenzoffizier Berchtesgaden habe mitgeteilt, dass Ludwig einen Mangel an Lebensmitteln und Zigarren habe. Er, Naumann, solle dies besorgen, ohne allerdings mitzuteilen, wo sich der König aufhalte playstation plus games. Einige Herren, so Naumann, „scheuten sich aus vielleicht begreiflichen Gründen, mir beizustehen.“ Beim inzwischen Installierten sozialdemokratischen Innenminister Erhard Auer hatte der Journalist dagegen mehr Glück. Denn Auer sagte: „Selbstverständlich darf der Alte Herr keinen Mangel leiden. Ich werde Sie in jeder Weise unterstützen“.
In Anif unterzeichnete Ludwig III. auch seine Erklärung, die Beamte und Soldaten von ihrem Treueeid gegenüber dem König entpflichtete. Eisner wertete die Erklärung und verkündete sie am 13 digital photo professional kostenlos. November 1918 als Thronverzicht. Ludwig III. hatte sich allerdings zeit seines Lebens der Abdankung widersetzt.

Titelfoto: König Ludwig III. und Königin Maria Therese von Bayern

Jörg Bischoff ist Journalist, war jahrelang Bonner Korrespondent der Stuttgarter Zeitung sowie anschließend Chefredakteur des Schwarzwälder Boten und der Südwestpresse.