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Bunte Bewunderung für Beethoven

Bonner Galerist bereitet besonderes Geschenk zum 250. Geburtstag des Komponisten vor

Von Gisbert Kuhn

Ludwig van Beethoven von Otto gemalt

Bonn tut sich schwer, einen würdigen Rahmen für den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens zu schaffen – für immerhin den größten Sohn der Stadt, wie diese nicht müde wird, zu betonen. Das vor einigen Jahren von Post und Telekom unterbreitete Angebot, den Bau eines repräsentativen, zeitgemäßen Festspielhauses zu finanzieren, haben die kommunalen Politiker ausgeschlagen. Die Sanierung der 1959 fertiggestellten und mit der Zeit marode gewordenen Beethovenhalle (damalige Kosten: 9,5 Millionen DM!) entwickelte sich indessen mehr und mehr zu einem – auch finanziellen – Fiasko. Mittlerweile wird die Reparatur des Alt/Neubaus bereits auf mehr als 100 Millionen Euro hochgerechnet. Zudem steht momentan nur eines ganz sicher fest: Bis zu den Feierlichkeiten im kommenden Jahr wird die Halle nie und nimmer fertig.

Das sieht bei Peter Wierny ganz anders aus. Allerdings ist der 67-jährige Bonner Galerist als Einzelkämpfer auch nur für die Verwirklichung seiner eigenen Ideen verantwortlich. Wierny beteiligt sich nämlich ebenfalls mit einem Beitrag am Gelingen des Jubiläumsjahrs. Er arbeitet an einem speziellen Projekt namens „Roll over Beethoven“. Das heißt im Klartext: Er überredet – mit Erfolg – prominente Künstler aus dem In- und Ausland, ihre ganz eigene Vorstellung von dem Komponisten bildhaft umzusetzen. Die Ergebnisse sollen dann 2020 (möglicherweise in der Oper) ausgestellt und anschließend zugunsten eines Kinderhilfswerks versteigert werden.

Grenzenlos breite „Szene“

Wer Wierny in dem eleganten Gründerzeithaus im Bonner Süden aufsucht, bekommt schnell staunende Augen angesichts der bereits  angesammelten Schätze. Wenn Kunst und Künstler gern zur „Szene“  stilisiert werden, dann ist die hier vertretene „Szene“ tatsächlich schier grenzenlos. Wer hätte vermutet, dass etwa der friesische Blödelbarde Otto sich grafisch an Beethoven versuchen würde? Oder gar der jenseits seiner Lieder die Unterlippe zu nuschelnden Höchstleistungen antreibende Udo Lindenberg? Oder der geniale Direktor des nicht selten ins Märchenhafte hinüber gleitende Zirkus „Roncalli“, Bernhard Paul? Gut, Otto und seine Ottifanten sind weithin bekannt. Aber was hat der clowneske Ostfriesensänger mit dem in Bonn geborenen und in Wien gestorbenen musikalischen Olympioniken Beethoven am Hut?

Ludwig van Beethoven von Udo Lindenberg

Ja, richtig gelesen, am Hut. Tatsächlich hat Otto Waalkes ein veritables Gemälde abgeliefert, das den (noch etwas jugendlich wirkenden) Komponisten   mit Bleistift und Notenheft zeigt – in gewohnt grüblerischer Pose und ganz offensichtlich heftig überlegend, wem er wohl das gerade fertiggestellte Stück widmen solle. Anke und Doris sind bereits durchgestrichen. Dann hat der Meister die Dame gefunden: „Für Elise“. Klar, für wen denn auch sonst? Wer anders als diese Elise hätte schließlich Generationen von Piano-Eleven und –innen an die Kunst des Klavierspielens heranführen sollen? Und der Hut? Na gut, einen solchen hätte Ottos auf seiner feinen Zeichnung wahrscheinlich wirklich nie auf Beethovens Haupt gezaubert. Wohl aber eine Baseballmütze – selbstverständlich mit zwei sich küssenden „Ottifanten“ an der Stirnseite.

Zweimal Beethoven mit Kopfhörern

Mit Roncalli-Direktor Bernhard Paul verbindet Wierny schon eine jahrelange Freundschaft. Logisch, dass der studierte Grafiker Paul sich nicht lange bitten ließ und eine pik-feine Bleistiftzeichnung beisteuerte. Irgendetwas in Bernhard Pauls Vorstellung von seines Beethovens Gemütslage muss da freilich nicht ganz fröhlich gewesen. Möglicherweise, weil ihm die Musik gerade nicht zusagte. Denn der akkurate Bleistiftstrich von Bernhard Paul hat dem Großmeister des Komponierens doch tatsächlich Kopfhörer über die Ohren gestülpt. Moderne Technik auf historischen Locken! Indessen, wer beschreibt das Erstaunen, als Peter Wierny schmunzelnd eine zweite Radierung herauszieht – erkennbar das gleiche Motiv, der junge Beethoven mit bekannt wirrem Haar und … ebenfalls Kopfhörern auf den Ohren! Ausführender: Roger Grover, Bassist von Deep Purple. Ergebnisse eines Zeichenwettbewerbs? Nein, sagt Peter Wierny und schwört heilige Eide, die Beiden hätten sich nicht abgesprochen.

Peter Wierny und Chuck Berry

Wiernys Idee hat die Rock und Pop und sonstige kreative Szene ganz offensichtlich sehr begeistert. Udo Lindenberg ist natürlich auch mit dabei. Ihm hat es anscheinend Beethovens Klavierlehrerin mehr angetan als deren später weltberühmter, ehemaliger Schüler. Sich selbst hat der Panikrocker selbstverständlich auf dem Bild auch nicht vergessen. Mit einem Cocktailglas in der Hand prostet er der (logisch: tätowierten) Lehrerin zu. Von Jörg Immendorf hat der Galerist noch einen, signierten, Druck, der 1997 für die Beethovengesellschaft entworfen worden war. Campino, Frontmann der „Toten Hosen“, steuerte eine handsignierte Schallplatte bei. Und, bloß nicht zu vergessen, das wegen seiner Gesichtslänge ungewöhnliche Beethoven-Porträt des amerikanischen Musikers, der Woodstock-Legende Graham Nash.

Juwel aus Kalifornien

Was den Reisenden und Jäger in Sachen Ludwig van Beethoven seit geraumer Zeit freilich besonders bewegt, trägt den Namen John Van Hamersveld. Seinetwegen war Wierny unlängst sogar bis Kalifornien gereist. Zur Biografie: Van Hamersveld wurde 1941 in Baltimore geboren. Amerikanischer Grafiker und Illustrator. Großvater Berliner, Großmutter Holländerin. Seit vielen Jahren lebt er mit seiner Frau südlich von Los Angeles. Das sind nüchterne Zahlen und Daten und werden vielleicht den Wenigsten etwas sagen. Wohl aber dürften bei dem folgenden Hinweis Filmliebhaber schnell glänzende Augen bekommen. Denn Van Hamersveld ist der Schöpfer des legendären Filmplakats zu Bruce Browns Streifen von 1964, The Endless Summer, der längst Kultstatus unter Surfern genießt. Es ist jenes Bild mit dem blutroten Hintergrund und den drei schemenhaften Surfern, die ihre Bretter so tragen als wären sie stolze Massai.

Dieses Plakat brachte den Durchbruch. Mittlerweile hängen Bilder von Van Hamersveld im Smithsonian Institute in Washington/DC, im New Yorker Museum of Modern Art, in der Rock and Roll Hall of Fame und, und, und. Aber wo ist die Brücke zwischen Kalifornien und Bonn? Hier verbindet sich ganz einfach Neugier mit Internetsuche und Dusel. Das Surferplakat brachte Wierny eines Tages dazu, nach Van Hamersveld zu googeln. Und dabei entdeckte er, dass der Künstler tatsächlich auch ein Beethoven-Bild entworfen hatte. Der Bonner schrieb eine mail nach Kalifornien, der Kalifornier rief kurze Zeit später in Bonn an, man redete ungefähr anderthalb Stunden zusammen und vereinbarte, ein gemeinsames Projekt zu machen. Was dabei herauskam, befindet sich inzwischen in Peter Wiernys Sammlung und wird wohl – keine Frage – zu den Höhepunkten der Beethoven-Ausstellung im nächsten Jahr zählen.

Peter Wierny (re) und John Van Hamersveld und dem Beethoven-Poster

Van Hamervelds „Ludwig“ erinnert ein wenig an Jimmy Hendrix, die rot-gelbe Mähne lodert wie Feuer. Beethoven schaut ernst aus dem Bild, aber nicht grimmig oder gar unfreundlich. Der Künstler hatte es ursprünglich für das New West Symphony Orchestra in Los Angeles entworfen. Aber wieso überhaupt Klassik? Wieder so eine Story von Zufall, Familiengeschichte und Geistesblitz. Peter Wierny hat sie auf Band aufgezeichnet. „Es begann mit Mozart“, erzählt dort Van Hamersvelds Frau Alida Post. „Wir fuhren durch Kanada, und da lief im Radio ein Stück zu Mozarts 250. Geburtstag. Ich dachte, damit müsse man doch etwas machen. Schließlich kommt mein Vater aus der Klassik, und Johns Großmutter war klassische Pianistin“. So kam eine Idee in die Welt, deren künstlerischer Ausfluss im kommenden Jahr zum 250. Geburtstag des großen Musikmeisters zu bewundern sein wird. Und ersteigert werden kann. Zu einem sehr guten Zweck.

  Zuschriften und Kommentare an: gisbert.kuhn@rantlos.de

 

HIER GEHTS ZUR FOTOSTRECKE VAN HAMERVELDS: