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“Leto”

Filipp Avdeyev und Teo Yoo

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ‘n’ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband “Kino” fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. Eine kluge Hymne auf die ungestüme Kraft von Musik, Liebe und Freundschaft.

„Leto“ — Hintergründe

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikov („Der die Zeichen liest“) hat „Leto“ ein atmosphärisches, mitreißendes und melancholisches Biopic über Viktor Tsoi, den Sänger der Band Kino, geschaffen. In den ehemaligen Ostblockstaaten wird Tsoi, der im Alter von 28 Jahren durch Unfall starb, auch heute noch als Rock-Ikone verehrt. Sein Tod kam wie ein Schock. Klar ist aber auch, dass „Leto“ als Kommentar auf das heutige Russland zu sehen ist.

Irina Starshenbaum und Roman Bilyk

Die Geschichte von „Leto“ (das russische Wort für „Sommer“) basiert auf den Erinnerungen von Mike Naumenkos Frau Natalia – schließlich kam Viktor Tsoi bereits 1990 im Alter von nur 28 Jahren bei einem Autounfall ums Leben, während Mike Naumenko nur ein Jahr später mit 36 an einer Hirnblutung verstarb, die er sich bei einem Unfall in seinem Apartment zugezogen hatte. Ihren Werdegang auf die Leinwand zu bringen, war nach der Verhaftung von Regisseur und Putin-Kritiker Kirill Serebrennikov, der im August 2017 wegen angeblicher Veruntreuung von Staatsgeldern unter Hausarrest gestellt wurde, gar nicht so einfach. Trotzdem gelang es Serebrennikov, Anweisungen für Nachdrehs zu geben und den Film fertigzustellen, ohne sich den Haftauflagen zu widersetzen.

Der Regisseur schafft von Beginn an eine dichte Atmosphäre, die besonders durch die eleganten Schwarz-Weiß-Bilder von Vladislav Opelyants geprägt wird. Die erste Begegnung von Viktor Tsoi und Mike Naumenko bei einer relaxten Strandparty ist dann zugleich auch ein emotionaler Erweckungsmoment. Viktor spricht bescheiden und demütig, aber auch absolut cool als Fan vor und sobald er die ersten Töne anstimmt, öffnet sich eine neue Dimension, weil sein Talent einfach unbestreitbar ist.

Roman Bilyk (Sänger der Band Animals) verbreitet bei seinem Kinodebüt als Mike Naumenko eine faszinierende melancholisch-zurückhaltende Aura. Sein Mike ist alles andere als ein impulsiver Rockstar, sondern ein stiller Denker und Grübler. Und so fliegen auch in der sich anbahnenden Dreiecksbeziehung nicht die leidenschaftlichen Fetzen. Stattdessen geht Mike auch an diese Situation mit Vernunft heran und erlaubt seiner Frau Natalie sogar, es mal für eine Nacht mit Viktor zu probieren (wie mit den Zensoren arrangiert er sich auch mit den Gefühlen seiner Frau). Ein ähnliches Understatement findet sich auch in der Performance des in Köln geborenen und aufgewachsenen Teo Yoo („Equals – Euch gehört die Zukunft“), der Viktor Tsoi als coolen, reflektierten Slacker spielt. In einer Szene sagt Viktor, dass er durch die Annäherung an Natalia die Freundschaft mit Mike nicht gefährden will, weil ihm dessen Meinungen zur Musik immer noch sehr wichtig seien – ein bemerkenswerter Moment von gezügelter und unterdrückter Emotion.

 

Russland, Frankreich 2018, 128 min
Regie: Kirill Serebrennikow
Drehbuch: Mikhail Idov, Lily Idova, Kirill Serebrennikow
Kamera: Vladislav Opelyants
Schnitt: Yury Karikh
Musik: Roman Bilyk
Produktion: Hype Film, Kinovista
Darsteller: Roma Zver, Irina Starshenbaum, Teo Yoo
FSK: 12
Kinostart: 08.11.2018