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Frieda

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Dagmar Fohl: Frieda

Dagmar Fohl © W. Heinrich

 

Die Autorin hat vorliegende Biografien über die Malerin Elfriede Lohse-Wächtler in Tagebuchform extrahiert und versucht die schwierige Balance, die Gedankenwelt einer psychisch Kranken wiederzugeben. Die Form bedingt, dass nichts unmittelbar passiert, sondern Handlung knapp beschrieben wird und Dialoge fehlen. Auch Daten sind weggelassen. Entsprechend sparsam sind die Mittel, mit denen die Autorin eine bedrückende Atmosphäre aus der Zeit der Weimarer Republik transportiert.

Als aufmüpfige 17-jährige Tochter verlässt Elfriede während des Ersten Weltkriegs ein beklemmendes, einfaches Elternhaus mit aggressivem Vater und studiert an der Kunstgewerbeschule Dresden. Sie heiratet 1921 einen Opernsänger, der sie ausnutzt und von dem sie hörig erscheint. Die Beziehung endet nach einer Fehlgeburt im Desaster und führt zu einem Nervenzusammenbruch, als sie ihrem Ehemann nach Hamburg folgt und der mit einer anderen Frau Kinder bekommt. Während eines Klinikaufenthalts entstehen Porträts. Sie lebt in bitterster Armut und vereinsamt.

Als letzte Rettung sieht sie ihr Elternhaus an und vor allem ihren Bruder, der seinerseits der Armut in USA entfliehen will. Erfolglos kehrt er zurück. 1931 trifft sie wieder in Dresden ein. Im folgenden Jahr beginnt sie Stimmen zu hören und verliert den Bezug zur Realität. In der Landes-Heil-und Pflegeanstalt Arnsdorf bei Pirna, wohin sie der Vater einweist, wird 1932 Schizophrenie diagnostiziert. Zwar ist sie noch drei Jahre lang kreativ, aber die endgültige Scheidungsurkunde von ihrem Ehemann bescheinigt ihr unheilbare Geisteskrankheit. Von den Nationalsozialisten wird sie schließlich zwangssterilisiert, entmündigt und 1940 vergast. Ihr Bruder hat zeitlebens ihren Nachlass gehütet und durch seine Zeugenaussagen in der Nachkriegszeit zur Verurteilung der Täter beigetragen. Das Anliegen von Dagmar Fohl, den in psychiatrischen Anstalten Ermordeten ein Denkmal zu setzen, ist gelungen.

 

Dagmar Fohl absolvierte ein Studium der Geschichte und Romanistik in Hamburg und arbeitete als Historikerin und Kulturmanagerin. Heute lebt sie als freie Autorin in Hamburg und schreibt Romane über Menschen in Grenzsituationen. Psychologisch fundiert zeichnet sie Seelenzustände ihrer Protagonisten mit ihren Lebens- und Gewissenskonflikten, und beleuchtet gleichzeitig die gesellschaftlichen Verhältnisse und Probleme der jeweiligen Epoche, in der ihre Protagonisten agieren.

 

 

Gmeiner-Verlag GmbH

“Frieda”

Roman

246 S. / 12 x 20 cm / Gebunden mit Lesebändchen
August 2019
ISBN 978-3-8392-2473-1