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Im Land meiner Kinder

Wollen Sie Deutscher werden?

Der Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, lädt Dario ein, Deutscher zu werden

Migranten in Deutschland. Sicher: Eine statistische Größe. Aber auch eine Herausforderung für das Gastland. In erster Linie ist es ein tiefer Einschnitt in Biographien von Menschen, die zu uns kommen. Der aktuell anlaufende Film „Im Land meiner Kinder“ zeigt uns gefühlvoll und mit liebevoller Ironie ein solches Beispiel.

Dario war wegen Stephanie aus Ecuador nach Deutschland gekommen. Vom ersten Tag an gehörten Behörden zu ihrer Beziehung. In 15 Jahren wurden ihm insgesamt zehn Visa ausgestellt. Eine lange Spur aus Papieren, Stempeln, Genehmigungen und Einschränkungen verband Dario mit Deutschland. Und genau dies hielt ihn aber immer wieder auf Abstand. Viele Stolpersteine lagen auf seinem Weg zur Integration. Und dann das: Der Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, lädt Dario ein, Deutscher zu werden. Eine Liebeserklärung? Darío beantwortet sie mit einem zart-ironischen Roadmovie, das seinen verschlungenen Weg vom Land seiner Väter in das Land seiner Kinder nachzeichnet.

Es bleiben Fragen unbehandelt

Die Filmbewertung-Jury verleiht dem Dokumentationsfilm das Prädikat „wertvoll“. Im Begründungtext heißt es u.a.: „ Der Regisseur und Protagonist Dario berichtet in animierten Rückblenden von seiner Ankunft in Deutschland, seiner anfänglichen Fremdheit, seinen Versuchen, als Performance-Künstler Fuß zu fassen. Beeindruckend sind die Gespräche mit den Schwiegereltern, die rückblickend sehr offen darüber sprechen können, wie befremdet sie anfangs von der Partnerwahl ihrer Tochter Steffi waren.“

In diesen Gesprächen mit den Schwiegereltern im sächsischen Zittau erfährt der Zuschauer auch etwas über Fremdheitserfahrungen und damalige Konfliktursachen. Die Jury hebt hervor, dass in einem großen Teil des Films der Zuschauer Zeuge bei Behördengängen, beim Ausfüllen von Formularbergen und bei dem mühsamen Einholen von Eckdaten der Verwandtschaft aus Ecuador wird. Aber die Jury balanciert ihre Beweretung mit auch einigen Kritikpunkten aus: „Der Regisseur fokussiert stark auf seine – an einigen Stellen wirklich lustige, an wenigen Stellen ein wenig überzogene – Bürokratiekritik. Bedauerlicherweise gibt er nach Ansicht der Jury so einigen interessanten Fragen nicht genug Raum. So z. B. ob Integration in die deutsche Gesellschaft zwangsläufig Anpassung bedeuten muss oder wie es Dario gelingt, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.“

Story einer erfolgreichen Einwanderung

Fazit der Jury: „Was aber bleibt, ist eine mit augenzwinkerndem Humor und viel Herzblut durchsetzte Dokumentation einer erfolgreichen Einwanderung, die nicht nur als solche beeindruckt, sondern auch in einzelnen Sequenzen überaus berührt, wie beispielsweise während der Einbürgerungszeremonie im prächtigen Hamburger Rathaus. Die FBW-Jury zeichnet den Dokumentarfilm von Dario Aguirre aufgrund der aufgeführten Qualitäten, seines spannenden Themas und seines sympathischen Protagonisten mit dem Prädikat „wertvoll“ aus.“

Der Film ist eine subtile Reise über 14.000 Kilometer vom „Land der Eltern“ in das „Land der Kinder“. Als filmisches Ergebnis bringt jetzt der 40jährige Künstler und Filmemacher Aguirre  seine Jahre in Deutschland auf einen Punkt: „Ich lebe ein permanentes Doppelleben“. Wir sagen: unbedingt sehenswert!

bu

Filminfos

Gattung: Dokumentarfilm
Regie: Dario Aguirre
Drehbuch: Dario Aguirre
Kamera: Helena Wittmann, Dario Aguirre
Schnitt: Ulrike Tortora, Dario Aguirre
Musik: Sven Kacirek
Webseite: imlandmeinerkinder.de
Länge: 89 Minuten
Kinostart: 04.04.2019
Verleih: peripher Filmverleih
Produktion: Büchner Filmproduktion GbR, RECK Filmproduktion; NDR; Arte;
FSK: 0
Förderer: BKM, FFHSH, Filmstiftung Zürich, Film- und Medienstiftung NRW, Bundesamt für Kultur Schweiz