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Suche nach verlorenem Sohn

Katholikin mit Schuldgefühlen

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Judi Dench und Steve Coogan

50 Jahre hat Philomena (Judi Dench) die Existenz ihres ersten Sohnes geheim gehalten, doch nun platzt es aus ihr heraus: dass sie als junge Frau ungewollt schwanger wurde, dass sie das Kind unter großen Schmerzen in einem Nonnenkloster zur Welt brachte und auch, dass sie den Jungen seit seiner Adoption nicht mehr gesehen hat. Die fromme Philomena plagt sich mit Schuldgefühlen und hegt keinerlei Groll gegen die Nonnen, die ihr das Kind entrissen haben. Dennoch möchte sie ihren verlorenen Sohn wiedersehen. Gemeinsam mit dem Journalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan) macht sie sich auf die Suche.

Der Film „Philomena“, der auf einer wahren Begebenheit beruht, bringt zwei ungleiche Charaktere zusammen. Die fromme und in gewisser Weise naive Hauptfigur und den sarkastischen Martin Sixsmith, der mit dem Thema Religion wenig anzufangen weiß und den Nonnen von vornherein feindlich gesonnen ist. Der Regisseur Stephen Frears zieht aus dem Kontrast zwischen diesen beiden Figuren den Humor, der dem Film Leichtigkeit verleiht. Philomenas Geschichte und die unerwarteten Enthüllungen, die sich aus der Suche nach ihrem Kind ergeben, sind tragisch.

Kein Rührstück

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Judi Dench

Es wäre ohne Weiteres möglich gewesen, diesen Film auch als Drama oder Rührstück zu inszenieren, doch es ist gerade die Mischung aus starken Emotionen und Witz, die „Philomena“ Charme verleiht. Judi Dench spielt ihren Part mit viel Herz, so dass wir die alte Frau umgehend ins Herz schließen. Auch Martin, der durch seinen Sarkasmus deutlich zwiespältiger wirkt, überzeugt als komplexe Figur, die im Laufe des Films eine Entwicklung vollzieht. Philomenas Schicksal fesselt uns und ihre Ängste und Sorgen spiegeln unsere eigenen Fragen. Wird sie ihren Sohn finden? Und wenn ja: Was für ein Mann ist aus dem kleinen Jungen geworden? Der Film kann die Spannung, die sich aus der Suche nach den Antworten ergibt, über die gesamte Laufzeit aufrechterhalten. Aus jedem Teilerfolg der Recherche ergeben sich neue Rätsel, so dass Philomenas Geschichte niemals langweilig wird. Es ist jedoch vor allem unsere große Sympathie für die Titelheldin, die uns stets mitfiebern lässt und emotional involviert.

„Philomena“ ist ein anrührender Film, der sich jedoch seiner emotionalen Wirkung stets bewusst ist und diese mit großer Ironie betrachtet. So befindet sich Journalist Sixsmith im steten Austausch mit seiner Chefredakteurin über die neusten Entwicklungen. Das Motto lautet: je schrecklicher die Geschichte, desto besser lässt sie sich verkaufen. Und auch Philomena selbst, obwohl skeptisch gegenüber der medialen Ausschlachtung ihres eigenen Lebens, liest mit großer Begeisterung gefühlsbetonte Groschenromane, an deren Trivialität der Film keinen Zweifel aufkommen lässt. Dennoch bleibt diese Selbstironie schließlich ein Paradox. Im Grunde nämlich lebt auch Stephen Frears Werk vom Leid der wahren Philomena Lee.

Im Gegensatz zu seichtem Gefühlskino jedoch verzichtet„Philomena“ auf eine klare Trennung von Gut und Böse. Auch die Frage der Schuld wird schließlich offengelassen. In ihrer schier übermenschlichen Fähigkeit zu vergeben, wirkt die Hauptfigur am Ende vielleicht etwas zu heilig, doch in ihrer Überzeugung, sich von Wut leiten zu lassen, bildet die Heldin auch ein wichtiges Gegenstück zur Scheinheiligkeit der Nonnen.

„Philomena“ überzeugt nicht nur mit einer anrührenden Geschichte, sondern vor allem mit der Tiefe seiner Charaktere und der Weigerung, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu finden.

Judi Dench – eine Schauspielerin von Format

Kaum zu glauben, aber Judi Dench wird bald 80 Jahre alt. Für sie ist das aber noch lange kein Grund, an die Rente zu denken. Mit ihrem aktuellen Film „Philomena“ ist die Schauspielerin zum siebten Mal für den Oscar nominiert.

In Ihrer Karriere hat sie so viel erreicht, wie kaum eine andere Schauspielerin. Die 1934 geborene Britin, die sich seit dem Ritterschlag der Queen 1988 „Dame Commander of the Order of thePHI.PL_A3_RZ.indd Britisch Empire“ nennen darf, spielte auch schon selbst das Oberhaupt der britischen Royals: Für ihre Darbietung als Königin Elizabeth I. erhielt sie 1998 in „Shakespeare in Love“ den Oscar als beste Nebendarstellerin. Auch für ihren aktuellen Film „Philomena“ winkt der Darstellerin eine Auszeichnung bei Amerikas wichtigster Filmpreisverleihung. Im Interview mit „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ spricht sie über das Drama und ihren bisherigen Lebensweg.

In „Philomena“ spielt sie eine pensionierte Krankenschwester, die einst als junge Frau im streng katholischen Irland einen unehelichen Sohn zur Welt brachte, der zur Zwangsversteigerung freigegeben wurde. Für Dench war diese Rolle eine echte Herausforderung: „Ich wollte die echte Philomena kennenlernen und habe mich kurz vor den Dreharbeiten mit ihr und ihrer Tochter getroffen. Mir war einfach wichtig, ein Gefühl für sie zu bekommen, ihren Kern zu erfassen.“

Sie selbst erlebte das Jahr 1952, in dem der Film beginnt, komplett anders als die Hauptfigur: „1952 ging ich noch zur Schule, und zwei Jahre später fing ich mit meiner Schauspielausbildung an. Am Theater fühlte ich mich freier. Das war schon sehr von der beginnenden Rock’n’Roll-Ära geprägt. Ich war ja auf einem Quäker-Internat – wobei ich mich auch da als junge Frau nicht unterdrückt gefühlt habe.“

Wie so viele Schauspieler gehört auch Dench zu denjenigen, die nicht sonderlich erpicht darauf sind, sich selbst auf der Leinwand zu sehen: „Ich muss meine Filme nicht unbedingt anschauen. Ich habe zum Beispiel noch nie meinen Film ‘Zimmer mit Aussicht’  gesehen. Und das ist ja nun schon eine Weile her.“ Der Grund hierfür liegt für sie auf der Hand: „Ich habe ein ganz anderes Bild von mir im Kopf. Wenn ich meine Filme sehe, dann entdecke ich einfach nirgends diese tolle, schlanke, große 45 Jahre alte Blondine“, scherzt die Schauspielerin.

Natürlich wird auch das Thema „James Bond“  angerissen, schließlich spielte Dench darin als erste Frau überhaupt „M“, die Chefin des Doppelnull-Agenten. Über ihre Rolle sagt sie: „Ich fand es damals eine tolle Idee, ‘M’ mit einer Frau zu besetzen, nachdem diese Rolle so viele Männer gespielt hatten. Trotzdem habe ich nicht verstanden, warum sie ausgerechnet mich gefragt haben. Und mir war auch nicht klar, wie viel Verantwortung mit so einer ikonographischen Figur verbunden ist und was es im Grunde für eine Revolution im Bond-Universum war.“

Judi Dench ist mit ihren fast 80 Jahren eine außergewöhnliche Frau und Schauspielerin, die in der Rolle der „Titelheldin“ Philomena wieder einmal zur Höchstform aufläuft.

Ursa Kaumans

Philomena  – GB 2013

Filmstart: 27.02.2014


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