--- Anzeige ---
Homepage-Baukasten von Host Europe

Deutschstunde

Stumme Antwort auf „Freuden der Pflicht“

Tom Gronau © WILD BUNCH GERMANY GmbH

Der am 3. Oktober 2019 in den Kinos gestartete Film von Christian Schwochow ist die kongeniale Umsetzung der berühmten Romanvorlage (Bestseller 1968) von Siegfried Lenz. Das von „Deutsche Film- und Medienbewertung“ mit dem „Prädikat besonders wertvoll“ ausgezeichnete Stück erzählt auf eindringliche Weise von Deutschland in der NS-Zeit. Im Mittelpunkt steht, welche Rolle die bedingungslose Pflichterfüllung darin spielte.

Deutschland, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Der als schwer erziehbar geltende Siggi Jepsen ist in einer Besserungsanstalt untergebracht. Doch auch hier trotzt er den Lehrern. Als er zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ keinen Aufsatz verfassen kann, wird er in Einzelverwahrung gesteckt, bis die Aufgabe erledigt ist.

Der Sohn im Gewissenskonflikt

Und so schreibt Siggi von seiner Kindheit in Schleswig-Holstein während der Kriegsjahre. Er berichtet von seinem Vater, der streng war und dem NS-Regime in treuem Gehorsam folgte. Und von seinem Patenonkel, dem Maler Max Nansen, der eines Tages nicht mehr malen durfte, weil seine Kunst von denen in Berlin als „krank“ bezeichnet wurde. Als Siggis Vater seinen Sohn benutzen will, um den Maler auszuspionieren, gerät der Junge in einen Gewissenskonflikt.

Levi Eisenblätter und Ulrich Noethen © WILD BUNCH GERMANY GmbH

Vor über 50 Jahren erschien mit DEUTSCHSTUNDE einer der berühmtesten Romane von Siegfried Lenz – der sich darin nicht nur mit der NS-Zeit, sondern auch mit deren Aufarbeitung im Nachkriegsdeutschland auseinandersetzte. Regisseur Christian Schwochow und der Drehbuchautorin Heide Schwochow ist es gelungen, die dichte Atmosphäre der Vorlage eindringlich auf die Kinoleinwand zu bannen.

Raue Landschaft – Enge Gesellschaft

In von kalten Grautönen beherrschten, großen Bildern zeigen sie die Weite der rauen Landschaft und die Enge der Gesellschaft gleichermaßen, in der die Figuren gefangen sind und in der das Leben von Zwang und Pflicht beherrscht wird. Den inneren Konflikt des Siggi Jepsen, der von seinem pflichtbesessenen Vater als Spitzel eingesetzt wird und sich irgendwann widersetzt, macht der Film ebenso greifbar wie die Situation des Malers, der seine künstlerische Freiheit über das Malverbot stellt.

Unterschwellige Bedrohung

Dialoge und Gesten sind reduziert, das große Drama geschieht unterschwellig und ist doch als konstante Bedrohung spürbar, was auch an der großartigen Ensembleleistung liegt, allen voran Tom Gronau und Levi Eisenblätter, die Siggi als Jungen und jungen Erwachsenen verkörpern. Ulrich Noethen stellt mit großer Intensität die Strenge und Dominanz des Vaters dar. Und Tobias Moretti spielt den Trotz und die Verzweiflung des Malers voll aus.

Ein Kamerakonzept, das von langen, gleitenden Einstellungen dominiert ist, und ein passendes Sounddesign, in dem Sturm und Regen ebenso symbolträchtig sind wie das leise Ticken der Wanduhr und die Stille eines verlassenen Hauses: Sie alle schaffen eine perfekte filmische Umsetzung einer literarischen Vorlage, die als Geschichte auch heute ihre Bedeutung nicht verloren hat.

 

Fazit in der Jury-Begründung von „Deutsche Film- und Medienbewertung“

„So ist DEUTSCHSTUNDE ein in jeder Hinsicht überzeugender und wichtiger Film, der auch 50 Jahre nach Erscheinen des Romans in eindringlicher Weise die Frage nach den Grenzen der Pflicht und der individuellen Verantwortung stellt.“

 

 

Filminfos

Gattung: Drama; Spielfilm
Regie: Christian Schwochow
Darsteller: Tom Gronau; Levi Eisenblätter; Tobias Moretti; Ulrich Noethen; Maria Dragus; Louis Hofmann; Sonja Richter; Johanna Wokalek
Drehbuch: Heide Schwochow
Buchvorlage: Siegfried Lenz
Kamera: Frank Lamm
Schnitt: Jens Klüber
Musik: Lorenz Dangel
   
Länge: 125 Minuten
Kinostart: 03.10.2019
Verleih: Wild Bunch Germany
Produktion: Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co.KG, Senator Film Köln; ZDF;
FSK: 12
Förderer: FFA; BKM; DFFF; FFHSH; Film- und Medienstiftung NRW