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Dream Away (2018)

Filmemacher Marouan Omara

Den kulturellen Zusammenprall zwischen arabischer und westlicher Welt zeigen Johanna Domke und Marouan Omara in “Dream Away”. In Sharm El Sheikh, der surrealen Touristenhochburg, wird das Dilemma junger Ägypterinnen und Ägypter besonders deutlich.

Es ist noch nicht lange her, dass viele und vor allem auch reiche Touristen aus der ganzen Welt in die Luxushotels von Sharm El Sheikh kamen. Aber der Arabische Frühling und die chaotischen Zustände der postrevolutionären Periode raubten der Südspitze der Sinai-Halbinsel einen großen Teil ihres Reizes als beliebter Urlaubsort. Der ägyptische Filmemacher Marouan Omara und die bildende Künstlerin Johanna Domke aus Deutschland begleiten in ihrem Dokumentarfilm die Bewohner der einst so schimmernden Stadt. Dazu gehören beispielsweise auch die Mitarbeiter der Resorts, die zwischen den immer häufiger leerstehenden Hoteltürmen vom früheren Leben schwärmen. Außerdem thematisieren die Filmemacher, wie schwer es vielen Menschen fällt, ihren traditionellen Lebensstil mit dem ungezügelten Liberalismus in Einklang zu bringen, den der Tourismus an diesen Ort gebracht hat.

Im Film drehen sich die Fragen  um die jetzige Situation der Angestellten und um ihre Sorgen und Träume. Viele der Angestellten hatte die wirtschaftliche Not in die damalige Tourismusgoldgrube am Roten Meer getrieben. Doch nicht immer war es das Geld: Rami, der jetzt als Darsteller unter einer künstlichen Goldhaut für Fotos posiert, erzählt, dass er vor den Strafaktionen seines strengen Vaters nach Sharm El Sheik floh.

Und auch für andere junge Leute scheint das Touristenghetto ein Zufluchtsort vor den rigiden Anforderungen der ägyptischen Gesellschaft gewesen zu sein. Das klare Bekenntnis etwa der Zimmerfrau Yousra gegen eine Mutterschaft (»Ich mag Kinder, solange sie nicht meine sind«) dürfte für eine junge Frau in Ägypten ein mutiges, aber in soziale Isolation treibendes Statement sein. Im Resort reden die Männer viel und meist abfällig über ihre – ­abwesenden – Frauen. Doch zu sagen haben sie hier nichts. Und weil ein Ausweg aus der aktuellen Krise für niemanden in Sicht ist, macht sich eine Melange aus Melancholie und Zynismus breit.