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Das Geheimnis des Mondes

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Fatima Belhadj: Das Geheimnis des Mondes (Donata Kinzelbach-Verlag)

Das schmale Bändchen war das Erstlingswerk der marokkanischen Autorin, deren Eltern aus dem Aurès-Gebirge stammen. Sie wurde in Frankreich geboren. Der Text ist von Norbert Becker übersetzt, der auch ein Nachwort verfasst hat. Inzwischen sind von ihr weitere Romane erschienen mit ähnlichem Thema.

Die sechzehnjährige Fatima besucht mit ihrer Mutter zum ersten Mal die Verwandten in Marokko. Die Beschreibung der kulturellen Unterschiede, der Atmosphäre und Landschaft hätte man sich ausführlicher gewünscht. Dem in Europa aufgewachsenen Mädchen fällt wenig auf, obwohl sie teilweise verstört ist. Zunächst benimmt sie sich daneben, verstößt gegen die lokalen Sitten. Aber alle sind trotzdem nachsichtig zu ihr.

Cousine Huria, der sie sich anfangs überlegen fühlt, nimmt sie mit zu einer nächtlichen Veranstaltung. Es bleibt offen, was davon Traum und was Realität ist. Die Geschichte wendet sich ins Märchenhafte. Die zwei Mädchen beobachten aus einem Versteck heraus eine Zeremonie von einigen Frauen. Nach der Entdeckung erzählt eine ihnen ihre Geschichte.

Es ist eine Liebesgeschichte, in der sich die Frau Massylia gegen den von den Eltern erwählten Ehepartner entscheidet. Aus der nachfolgenden Rache des Verlobten wird sie durch Gott gerettet. Sie überlebt, findet aber nur ein sehr eingeschränktes Glück. Alle, die ihr Böses wollten, werden mit Kinderlosigkeit, Scheidung o.ä. bestraft, die Helfer werden belohnt. Merkwürdigerweise sind die Mädchen trotz dieses Endes ermutigt, nach zehn Jahren ihren eigenen Weg zu gehen. Da die Autorin offensichtlich nicht gewagt hat, das Märchenende zu überzeichnen, überwiegt der lehrhafte Charakter der Geschichte.

Nach der Übersetzung lässt sich nicht beurteilen, ob der Redestil der Mädchen authentisch wiedergegeben ist, z.B. mehr blumig und verklausuliert die Berbersprache und flapsig-lässig das moderne Französische. Hat der Übersetzer das unterlassen, herauszuarbeiten oder gibt es tatsächlich keinen Unterschied auch zu Massylia, die so gar keine Ähnlichkeit mit Schehezerade hat. Becker erkennt in Belhadjs Vermischung von berberischen und modernen Elementen einen Erneuerungswillen literarischer maghrebinischer Traditionen.

Fatima Belhadj wurde 1967 in Nevers (Departement Nièvre) geboren. Ihre Eltern stammen aus dem algerischen Aurèsgebirge.

 

Verlag Donata Kinzelbach

ISBN: 978-3-94290-3-82
96 Seiten, Euro 18.00
Roman
mit Zeichnungen von Nicola Koch