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1918 Die Welt im Fieber

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Laura Spinney, 1918 Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte

Laura Spinney ©Dominique Cabrelli

Die Autorin ist eine preisgekrönte Wissenschaftsjournalistin, die zum Jubiläum einer Epidemie eine spannende Dokumentation penibel recherchiert hat. Akten, Literatur, Archive wurden ausgewertet hinsichtlich der Entstehung von Epidemien im Allgemeinen bis zur Entdeckung des Grippevirus und seiner Mutationen. Hierbei erkennt sie die Schwierigkeit, dass sowohl die Benennung als auch die Beschreibung der Symptome in alten Dokumenten verschieden ist und damit die Zuordnung oft hypothetisch bleiben muss.

Die Seuche raffte in mehreren Wellen weltweit 50-100 Millionen Menschen dahin. Wo die Abwehrkräfte durch Hunger geschwächt waren und keinerlei Immunität durch Vorerkrankungen entwickelt war, traf es die Bevölkerung besonders hart. Manche Ortschaften wurden komplett ausgelöscht. Der Leser versteht am Ende, warum vor ein paar Jahren die Vogelgrippe so einen Hype auslöste. Vögel speziell domestizierte Enten scheinen die Hauptzwischenwirte des Virus zu sein

Interessant stellt die Autorin nicht nur die Fortschritte der Medizin dar sondern auch die Entwicklung der Seuchenbekämpfung: von simplen Hygienemaßnahmen, regionalen Besonderheiten z.B. unzugänglichen Gebieten wie Alaska oder China, Bevölkerungsdichte bis zu den Wohnverhältnissen in Armenvierteln. Aus Aberglauben und Vorurteilen werden Vorbeugungs- bzw. Eindämmungsmaßnahmen boykottiert. Verkehrsanbindung und Truppentransporte führten trotz Quarantänebestimmungen zu einer sprunghaften Ausbreitung. Einer suchte die Schuld beim anderen. Die Entstehung ist bis heute unklar und die Benennung bloße Übereinkunft, denn Spanien war nicht der Ausgangspunkt.

Nebenbei berücksichtigt Spinney auch berühmte Kranke. Handelte es sich dabei um Politiker, dann hatte die Krankheit nicht nur Einfluss auf ihre Anordnungen zur Verhütung und Bekämpfung, sondern nach selbst überstandener Infektion prägte die als Nachwirkung beschriebene melancholische Weltsicht womöglich die rigiden Entscheidungen z.B. des Versailler Friedens. Künstler (z.B. Kafka, Munch) verarbeiteten ihre Eindrücke der Seuche in ihrem Schaffen.

Indem Spinney die Spanische Grippe aus geographischen, ernährungswissenschaftlichen, soziologischen, politischen, medizinischen und psychologischen Blickwinkeln beleuchtet, entsteht ein facettenreiches Bild der Zeit.

Sehr empfehlenswerte Lektüre für Geschichtsinteressierte.

Laura Spinney, geboren 1971, ist eine preisgekrönte britische Wissenschaftsjournalistin und Romanautorin. Sie schreibt für den National Geographic, Nature und den Economist. 1996 wurde sie mit dem Margaret Rhondda Award für Journalismus ausgezeichnet. Ihr Buch Rue Centrale (2013) wurde ins Französische übersetzt. Sie lebt in London.

Foto: © Dominique Cabrelli 

 

 

Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte
übersetzt aus dem Englischen von Sabine Hübner

Erscheinungsdatum: 29.01.2018
384 Seiten
Hanser Verlag
Fester Einband
ISBN 978-3-446-25848-8
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-25958-4


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