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Zwischen Jackpot und Glückspilzen

Warum denn sind die Finnen so glücklich?

Autor Dieter Buchholtz

Stell´ dir vor: Es ist Weltglückstag – und du hast Pech. Pech deshalb, weil du gar nichts davon wusstest. Keine Ahnung hast, dass die UN-Hauptversammlung diesen herrlichen und damit besonderen Tag am 28. Juni 2012 mal beschlossen hatte. Je nach dem, wann du diese Zeilen liest: Du kannst das Glück haben, zu wissen, dass der internationale Tag des Glücks jedes Jahr am 20. März gefeiert/begangen/veranstaltet wird. Pech aber dann, wenn du diese Zeilen erst nach dem Termin liest. Na, ja. Wird wohl nicht so tragisch sein. Stimmt, wenn man gelassen bleibt.

Ich hatte bereits früher zufällig von diesem wundersamen Tag gehört. Und immer, wenn man auf eine solche Art sensibilisiert ist, fallen einem ja bekanntlich die Zufälle vor die Füße. So geschehen an einem Freitag. Für mich also mal wieder Lottotag. Beim Überlegen, was denn diesmal die Glückszahlen für den riesigen Gewinn sind, greife ich mir – ein Stück des außergewöhnlich schönen Zufalls – das kostenlose Magazin von WestLotto. 

Warnung an den Jackpot-Gewinner

Unter dem viel verheißenden Titel „Glück“ erfahre ich schon auf der ersten Seite, dass ein Berliner den 42-Millionen-Jackpot geknackt hat. Der Glückspilz hat die Zahlen getippt, die im finnischen Helsinki gezogen worden sind. Und sogleich folgt die Warnung aus dem „Glück“-Magazin: „Auf keinen Fall sollte dieser Riesengewinn an die große Glocke gehängt werden.“ Das sind schon die ersten Einschränkungen, wenn man ein solch wirklich unverschämtes Glück hat.

Nun habe ich in meinem Leben immer wieder erleben dürfen oder auch müssen, dass es keine Zufälle gibt. So muss es auch in diesem Fall sein. Denn im WestLotto-Magazin ist zu lesen, dass der vorherige Eurojackpot am 9. Februar von einer fünfköpfigen Tippgemeinschaft aus Finnland geknackt wurde. Irgendwie scheint in diesem nordischen Land einfach das Glück zu Hause zu sein. Denn zeitgleich mit dem Erscheinen von WestLotto-„Glück“ wird im Vatikan der Weltglücksreport der UN vorgestellt. 

Enttäuschender Platz 15 für Deutschland

Noch etwas angeheizt durch deutsche Medaillen bei der kürzlichen Winterolympiade in Pyeongchang google ich mich sogleich hinein in die Welthitliste von 158 Ländern. Deutschland hat aufgeholt – von Platz 16 im letzten Jahr auf Platz 15 in diesem Jahr. Immerhin, reagiere ich schon etwas erstaunt, wenn man sich fast täglich im goldenen Meckerland wähnt.

Ein Blick auf Gold, Silber und Bronze ist dann für uns als auch immer wieder tituliertes Wunderland schon ernüchternd. Dänemark auf Platz drei, Norwegen auf Platz zwei. Gold geht an Finnland. Schon wieder Finnland! Woran liegt das? Was machen die Finnen richtig, was wir falsch machen? Mit etwas Glück lässt sich vielleicht herausfinden, was die Punkte sind, mit denen die so erfolgreichen Nordländer auftrumpfen.

Mit Natur kann man punkten

Vielleicht liegt es an der Natur? Es stimmt: 80 Prozent des Landes bedecken Seen und Wälder. Also Dauererholung pur!? In dieser Kategorie können wir Deutschen überhaupt nicht mithalten. Bei uns zwischen Alpen und Ostsee sind nur ein Drittel der Landfläche mit Wald bedeckt. Und in den letzten Jahren ist dieser Anteil um 0,4 Prozent (!) gewachsen. Das macht den Kohl dann auch nicht so richtig fett. Lassen wir also die Vermutung im Raume stehen, dass hier Finnland mit seiner satten Natur punkten kann – und damit vielleicht bei vielen Menschen handfeste Glücksgefühle erzeugt.

Möglicherweise verschafft sich Finnland aber auch weitere Vorteile durch einen höheren Kindersegen.Ich werde fündig: In Finnland sind statistisch 1,71 Geburten pro Frau zu verbuchen, in Deutschland nur 1,5. Während bei uns die Geburten verhältnismäßig gleich über das Jahr verteilt sind, kommen in Finnland die meisten Kinder neun Monate nach Sonnenwendfeier auf diese Welt. Leider kennen wir diesen weißen Nächte nicht. Also Nachteil für made in Germany?

Hohe Steuern und kein Murren

Na klar. Denn wir sind ja doch so richtige Schwarzseher vor dem Herren. Unser Vertrauen in Politik, Wirtschaft und all die da oben ist zumeist sehr eingeschränkt. Wir sind mit Leib und Seele Skeptiker. Dagegen zeichnet die Finnen ein ausgeprägtes Vertrauen aus. Gerade winden sie sich aus einem Wirtschaftstief heraus. Anstatt Trübsal zu blasen, sind sie sicher, dass andere schon das Richtige machen. Das können sie wohl auch, weil sie im Bereich der sozialen Sicherheit, Bildung und des Gesundheitswesens auf hohem Niveau leben. Ohne Murren sind sie dafür auch bereit, hohe Steuern zu zahlen. Selbst jetzt, wo sie sich gerade aus einem tiefen Wirtschaftsloch herauswinden. Immerhin haben sie das geringste Armutsrisiko in der EU. Ja, da kann man sich schon glücklich fühlen. Oder? 

Kommen wir doch endlich auch zur Sauna. Hier muss nun endlich ein wesentlicher Baustein für das Glücksgebäude der Finnen liegen. Denn immerhin besitzen von den insgesamt 5,5 Millionen Finnen runde drei Millionen eine Sauna. Und das Schwitzen für mehr Glück ist in Finnland ein fest verankertes Lebensgefühl. Aber auch bei diesem Klassiker landen wir nicht auf den vorderen Rängen. Denn für die knapp 83 Millionen Deutschen stehen zwar 30 Millionen Saunen zur Verfügung. Sehr schön. Und es macht sicherlich viele auch glücklich. Prozentual jedoch müssen wir auch dieses Indiz für massenweises Glücksempfinden weit abgeschlagen an die Nordleute abgeben.

Glückloses Aufputschen durch Kaffee 

Vielleicht aber können wir nun endlich beim mengenweisen Kaffeekonsum punkten. Immerhin verbrauchen wir – so haben Statistiker penibel abgewogen – pro Person 7,2 Kilogramm Rohkaffee pro Jahr. Wohl nicht schlecht für aufputschende und koffeeinhaltige Glücksgefühle. Wir könnten uns doch wohl locker mit dieser Zahl an die Finnen heranpirschen – immer hellwach natürlich. Aber auch hier – trotz oder gerade wegen der langen und dunklen Winternächte – sind die Finnen uns mit 12,2 Kilogramm unaufholbar voraus. 

Vielleicht ist es aber auch die Fähigkeit der Finnen mit dem Alleinsein so gut zurecht zukommen. Sie genießen das wohl in vollen Zügen. Und bleiben dabei lieber zu Hause anstatt auszugehen. Ohne große Untersuchungen kann wohl festgehalten werden, dass wir Deutschen hier völlig entgegengesetzt gepolt sind. Hier wird das Allein-sein schon eher als Leiden, als so eine Art psychische Folter gewertet. 

Zufrieden an der Sucht vorbei

Und so könnte ich nun endlos weitermachen. Vermutlich werde ich das wirkliche Geheimnis der glücklichen Finnen niemals aufschlüsseln. Schade! Aber vielleicht gilt auch hier: Es gibt eben keine Zufälle. Und deshalb sollten wir diese Unterschiede einfach annehmen – und das Glück genießen, das uns zur Verfügung steht. Denn, um nochmals das WestLotto-„Glück“-Magazin, diesmal von der Rückseite zu zitieren: „Glücksspiel kann süchtig machen.“ Oft ist es – so meine ich – schon ein großes Glück, einfach nur bescheiden zu sein. 

In diesem Sinne „Glück auf“

Ihr

Dieter Buchholtz


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