Solidarität und Plündern – deutsche Normalität?

Von Gisbert Kuhn

Autor Gisbert Kuhn

Um das Ausmaß der Apokalypse, die in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli vor allem über das Ahrtal sowie Teile des Rheinlands und Westfalens hereinbrach, in Worte zu fassen, reicht die Sprache nicht aus. Sie reicht nicht aus, um die wirtschaftliche Katastrophe zu umfassen. Und es ist schon ganz und gar unmöglich, in Sätzen darzulegen, was die Wasserfluten mit den Menschen gemacht, was sie an ihnen verübt haben. Nicht nur wegen der aktuellen Schäden, sondern für die Bewältigung ihres weiteren Lebens. Mehr als 150 Tote wurden bisher allein auf der kurzen Strecke von Altenahr bis zur Mündung des Flusses in den Rhein bei Remagen geborgen. Mehr als die Hälfte konnte bisher noch nicht einmal identifiziert werden download rakuten film.

Viele Bewohner des für seine idyllische Lage, seine romantischen Dörfchen, hervorragenden Weine und traumhaften Wanderrouten beliebten Engtals haben in knapp zehn Minuten alles verloren. Ihre Häuser und Wohnungen, Geschäfte, Cafés, Hotels – kurz: ihre kompletten Existenzen. Aber zu diesen materiellen Verlusten kommen noch die anderen, nicht mit noch so hohen finanziellen Zuwendungen zu ersetzenden Dinge: Erbstücke, Fotoalben, Erinnerungsartikel an die persönliche Kindheit oder die des eigenen Nachwuchses. Gegenstände also, die zum täglichen, seelischen Gleichgewicht eines jeden von uns gehören. Von denen wir sagen: „Das ist mein Leben“.

Alles weg. Einfach fort. Nur ein paar kurze Minuten brauchte die Flutwelle, um zu vernichten, was oft in Generationen geschaffen worden war. Es bedarf keiner großen Fantasie, um sich vorzustellen, dass jemand, der solches erfahren hat, bis zum Ende seines Lebens damit nicht fertig wird herunterladen. Mancheiner hat das hierzulande schon einmal erlebt – als jemand im Millionenheer der Flüchtlinge und Vertriebenen, die nach dem Krieg aus dem Osten kamen. Die einen hatten bei der Flucht vor der Roten Armee ebenfalls nur ganz kurze Zeit, um ein paar Habseligkeiten zusammenzuraffen. Anderen war eine Frist von 24 Stunden gesetzt worden. Die Erkenntnis und das Wissen, dass für das erlittene Unrecht der von Deutschland ausgelöste Krieg die Ursache war, hat den meisten Betroffenen bei der Aufarbeitung der Traumata nicht viel geholfen. Aber es gab – objektiv – wenigstens einen Grund. Und zwar einen von Menschen zu verantwortenden.

Doch jetzt? Erwartungsgemäß quellen die Kommentarspalten in den unsäglichen (un)sozialen Netzen über herunterladen. Nicht nur mit bloßen Fragen nach Ursache, Verantwortung, Schuld oder Versagen. Viel schlimmer sind die Heere der Alles- und Allesbesserwisser, der Allesvorausseher und wer sich sonst noch in diesen Medien herumtreibt. Ja, es ist wahr, dass der Deutsche Wetterdienst schon Tage vor der Katastrophe vor „Starkregen im Westen“ gewarnt, der auch zu Hochwasser führen könne. Es ist auch richtig, dass die Voraussagen dann immer präziser wurden. Aber der Bürgermeister muss noch gebacken werden, der sich traut, allein aufgrund solcher Daten sicherheitshalber die Anweisung zur Evakuierung seines Dorfes oder der Stadt zu geben. Die Reaktionen der Öffentlichkeit, zuvorderst der Medien, mag man sich gar nicht vorstellen, wenn die befürchteten Naturgewalten gar nicht (oder auch nur nicht genau dort) gewütet hätten elster zum downloaden.

Warum war nicht mehr Vorsorge getroffen, besser gegen Hochwasser gebaut worden? Die Sintflutwelle der Ahr in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli war mit über 8 Metern mehr als doppelt so hoch wie sämtliche Höchstmarkierungen der dortigen Pegel in der Vergangenheit. Dieser Wucht hätte keine auch noch so hohe Mauer standgehalten. Weshalb haben die Warnvorrichtungen nicht funktioniert? Das ist nun eine (wenigstens zum Teil) berechtigte Frage. Gegen diese Wassermassen war der Mensch sicherlich machtlos. Aber auch sie brauchten eine gewisse Zeit, um vorm oberen Flusslauf bis zur Mündung in den Rhein zu gelangen. Also: Warum wurden, beispielsweise, die Einwohner in Sinzig nicht gewarnt, als Altenahr bereits in der Flut versank? Dann hätten zumindest die zwölf Insassen eines Behindertenwohnheims gerettet werden können herunterladen.

Und dann die Moralisten. Stets mit dem Fallbeil in der Hand, um tatsächliches oder auch nur angebliches Fehlverhalten anderer zu ahnden. Vor allem solcher Mitmenschen, die im öffentlichen Rampenlicht stehen. Zuvorderst: die Politiker. Die Tragödien an Ahr, Erft, Wupper und Lenne – was für ein herrliches, weites Schussfeld für die Pflichtgefühls-Kanoniere mit ihren Verdammnisböllern. Politiker, so das Verdikt, wollten sich sowieso immer nur „darstellen“ und hätten daher an den zerstörten Elendsorte nichts zu suchen, weil sie dort nur störten!

Dass es momentan den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet am härtesten trifft, hat er sich (wenigstens zu einem erheblichen Teil) natürlich selber zuzuschreiben how can I teams. Der CDU-Bewerber um die Nachfolge von Angela Merkel im Bundeskanzleramt war von einer Kamera erwischt worden, als er bei einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Flutopfern und -helfern lachte. Im Hintergrund und nur ein paar Sekunden lang. Das allerdings reicht, um seitdem im „Netz“ die charakterliche Fähigkeit abgesprochen zu bekommen, noch irgendeine führende Position hierzulande einzunehmen.

Laschet hat sich dämlich benommen. Gar keine Frage. Er hatte für einen läppisch kurzen Moment seine Züge nicht im Griff. Da kann er sich hinterher noch so oft entschuldigen – das „Kreuziget ihn!“ seiner Scharfrichtet kriegt er mit Sicherheit bis zum Wahltag am 23. September (und wohl auch darüber hinaus) nicht mehr weg. A propos Wahltag. Ja, in wenigen Wochen wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Aber dem Hochwasser an der Ahr und anderswo ist das Ende von 16 Jahren Kanzlerschaft Angela Merkel total egal gewesen gekaufte amazon prime videos herunterladen. Und genau wie die sozialdemokratische Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, sich selbstverständlich ein eigenes Bild von den Verwüstungen in ihrem Land machen muss, gilt das auch für Armin Laschet. Ihrer beider  Landesregierungen müssen schließlich über die Hilfsmillionen entscheiden, damit die um Alles gebrachten Menschen wenigstens einen Neustart für Leben unternehmen können.

Und nicht nur das. Politische Führung heißt auch, Mut machen, Trost spenden, Mitfühlen und das den Menschen zeigen. Wer das nicht kann, dem (oder der) würde allerdings eine ganz wichtige Fähigkeit fehlen, um an der Spitze eines Landes oder gar des Staates zu stehen. Hat also eine politische Persönlichkeit in diesem Land und in Zeiten wie diesen wirklich nur die Wahl zwischen Essig und Säure? Will sagen, die Wahl zwischen „ich gehe natürlich in die Katastrophengebiete, informiere mich und spreche mit den dortigen Menschen“ oder „ich halte mich fern, tue so als wollte ich nicht stören und entscheide vom Schreibtisch über Art und Höhe von Hilfen?“ Nein, eine solche Wahl gibt es nicht herunterladen! Die Pflicht ruft: „Vor Ort!“

Es bedarf (zum Glück) nicht unbedingt Katastrophen wie dieser, um zu erkennen, wie nahe Freude und berechtigte Wut beieinander liegen. Da ist zum einen das geradezu unglaubliche Ausmaß von gegenseitiger Hilfe, Opferbereitschaft und Solidarität – Tugenden, von denen man schon glaubte, sie seien in dieser individualisierten Gesellschaft längst in den Schubläden der Geschichte verschwunden. Und da sind – auf der anderen Seite – die Meldungen über Plünderer, die bar jeglicher Scham, noch versuchen, sich an dem Wenigen zu bereichern, was die Fluten übriggelassen haben. Man möchte zerbersten vor Ärger. Andererseits, was sagt uns das? So ist nun mal das Leben. So sind die Menschen. Aber ist das wirklich deutsche Normalität – selbst in äußersten Ausnahmesituationen samsung apps auf sd karte herunterladen?                                                                                               +

Nein, das ist es natürlich nicht. Die Schreier und Hetzer in Netz, die Miesmacher und (ohne Verantortung zu tragen) Besserwisser – diese und auch die Plünderer sind die Minderheit in unserer Gesellschaft. Man muss sich das zwischendurch nur immer mal wieder bewusst machen. Sie und ihr Tun bestimmen halt die Schlagzeilen. Aber was sind diese Schäbigkeiten im Vergleich zu jenen ungezählten Mitbürgern, die ohne zu zögern aus der gesamten Republik als Helfer angereist kamen? Teilweise, um auf diese Weise Dank abzustatten für Hilfen, die sie vor Jahren selbst erfuhren, als sie von einer ähnlichen Katastrophe übererrollt worden waren tschechische tastatur herunterladen. Teils aber auch, weil Viele ganz einfach ihrem Gefühl von Mitmenschlichkeit folgten. Und, nicht zu vergessen, die unglaubliche Spendenbereitschaft. Nein, Lautstärke und Aggressivität sind – zum Glück – nicht Ausdruck der Wirklichkeit. Die Realität – das ist (vor allem in Stunden der Not) eher das stillere Füreinander. Da freut es einen dann doch wieder, in einem Land wie diesem leben zu dürfen.