Schattenmann und Zeitenwende

 Von Gisbert Kuhn

Autor Gisbert Kuhn

Auf der politischen Leinwand unseres Landes liefen in den vergangenen Tagen zwei höchst unterschiedliche Filme. Einer, dessen Drehbuch von Rosamunde Pilcher hätte stammen können; er strahlte scheinbare Harmonie aus, spiegelte Geschlossenheit, Freundschaft, menschliche Nähe und neue gestalterische Offenheit wider – aber versetzte gerade deshalb das bundesdeutsche Wählerpublikum in geradezu atemloses Staunen. Und ein anderer, der mit seinem finalen “shootdown” mitunter wie eine schlechte Kopie des Western-Klassikers „Zwölf Uhr mittags“ wirkte – was wiederum bei Heerscharen anderer Zuschauer erst Erstaunen, dann Wut und Entsetzen auslöste, schließlich Viele in Ratlosigkeit zurückließ, bei anderen allerdings durchaus auch zu Trotz und einem „Jetzt gerade!“ führte.  

Ende des Wortspiels. Die Beispiele zielen natürlich auf die von keinerlei vernehmbaren, öffentlichen Misstönen vollzogenen Personalentscheidung bei den Grünen mit einer dem Auftritt eines Gentlemans entsprechenden Präsentation der 40-jährigen Annalena Baerbock als Spitzenkandidatin beim Rennen um das Berliner Kanzleramt bullet theorie cd downloaden. Und andererseit auf den erbitterten Machtkampf zwischen den Chefs der beiden Unionsparteien, Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU). Was die Angelegenheit für die staunenden Beobachter besonders spannend machte, war die zeitliche Parallelität der beiden Darbietungen – sowohl das meisterhaft (weil so gar nicht zu der ansonsten doch gern rebellisch auftretenden Anhängerschaft passend) inszenierte, wohlklingende Kammerspiel der einstigen Sonnenblumenfreunde, als auch das tosende, zwischenzeitlich beinahe wagnerianisch anmutende Drama bei der CDU/CSU.

Wir befinden uns aber nicht im Kino, sondern im einem Superwahljahr. Zwei Kommunal-, sechs Landtagswahlen (von denen zwei bereits gelaufen sind) und als krönender Höhepunkt die Entscheidung über den nächsten Bundestag am 26. September – sie alle müssen in den kommenden fünfeinhalb Monaten bewältigt werden. Und im Bund geht es auch nicht um ein einen x-beliebigen Urnengang, sondern um die Frage, wer in die Fußstapfen von Angela Merkel treten wird. Also in die Spur also der, die 16 Jahre lang dieses Land als Kanzlerin geführt hat. Und zwar, allen Nörglern, Kritikastern und Hassversprühern zum Trotz, mit ihrer Ruhe, Abwägungsfähigkeit und absoluten Uneitelkeit alles in allem ziemlich gut und erfolgreich abton live free full version. Die sprichwörtliche Herkulesaufgabe erscheint deswegen wie ein Kinderspiel im Vergleich zu dem, was Armin Laschet, dem Sieger des Kandidatenduells mit Markus Söder, in dem nicht einmal mehr halben verbleibenden Jahr bevorsteht. Zumal seit langem schon Landtags-, ja sogar Kommunalwahlen von Parteien, Meinungsforschern und Medien gern zu „Tests“ für den nächsten Bundestag stilisiert werden.

Nach Lage der Dinge (mit Stand heute) wird der Kampf um das Berliner Kanzleramt  im Herbst hauptsächlich zwischen CDU/CSU auf der einen und den Grünen auf der anderen Seite entschieden. Wer hätte sich das noch vor relativ kurzer Zeit vorstellen können? Gewiss, die vor 41 Jahren mit handgestrickten Pullovern, vertrockneten Blumen und – mitunter – sogar auch Säuglingen vor der Brust ins Bonner Bundeshaus eingezogene, von den seinerzeit etablierten politischen Kräften wie Schmuddelkinder betrachtete Chaotentruppe hat sich längst den geltenden Politregeln angeglichen, ist mittlerweile in 11 von 16 Landesregierungen vertreten und stellt mit Winfried Kretschmann in Stuttgart nun bereits 10 Jahre lang den Ministerpräsidenten systemsoftware ps4 herunterladen nicht möglich. Und, nicht zu vergessen, mit der über viele Jahrzehnte im Ländle als unschlagbar geltenden CDU im Schlepptau. Kein Wunder, dass der „grüne“ Griff jetzt nach den Berliner Regierungssternen gar nicht mehr so abenteuerlich erscheint.

Vor allem seit Robert Habeck und Annalena Baerbaum vor zwei Jahren an die Parteispitze gewählt wurden, ist es um die und bei den Grünen gesitteter und immer weniger aufmüpfig geworden. Wenigstens nach außen hin. Auslöser oder Folge dieser Sittsamkeit – die ehemals praktisch ständig lärmenden Öko-Paxe schwimmen jedenfalls seit langen Monaten schon auf einer Woge von Zustimmung und Zuneigung. Wenigstens bei einem Großteil der Medien, aber auch in der Breite der (vor allem gut situierten) Gesellschaft. Das geht inzwischen sogar so weit, dass überhaupt nirgendwo die Frage auftaucht, wer in dieser bislang doch so basisdemokratisch agierenden Partei die beiden ermächtigt hat, die Führungfrage ganz allein und quasi im Vorübergehen zu klären herunterladen. Ein bislang nicht vorstellbarer Vorgang!

Weil das Spitzenduo es außerdem geschafft hat, die traditionell streitlustige Partei seit nunmehr tatsächlich schon geraumer Zeit weitgehend aus den negativen Schlagzeilen herauszuhalten, können die trotzdem noch verbliebenen Krawallmacher tun, was sie wollen. Es wird von der Öffentlichkeit und Ver-Öffentlichkeit praktisch nicht wahrgenommen. Und zwar egal, ob die grüne Jugend nach wie vor die Weltrevolution ausruft oder eine namhafte Berliner Stadtpolitikerin sich devot dafür entschuldigt, dass sie als Kind gern Indianer gespielt und folglich damit eine „verfolgte indigene Minderheit“ diskriminiert habe. Auch Teilnahmen an praktisch jeder „linken“ Demonstration (mit und ohne Gewalt) – wen kümmert das?

Sind das die Vorboten einer Zeitenwende in Deutschland? Diese Frage müssen sich auch Armin Laschet und die CDU/CSU stellen. Denn die Antwort und das politische Reagieren darauf könnten entscheidend nicht nur für die Zukunft und den Fortbestand der Union als letzter verbliebener wirklicher Volkspartei sein, sondern generll für den Weg, den die heutige und künftige bundesdeutsche Gesellschaft zu gehen entschlossen ist herunterladen. Auf der Parteienskala hat diese Zeitenwende längst eingesetzt. Tragischstes Beispiel dafür ist die SPD. Die älteste deutsche Partei, ruhmreich im Kampf gegen Bismarcks Sozialistengesetze, geknechtet wie keine andere sowohl von den Nazis als nach dem Krieg auch von den Kommunisten in der DDR, traditionelle Kraft an der Seite der Arbeiterschaft, mit Willy Brandt Wegbereiter der Ostpolitik und damit im Grundsatz auch der Wiedervereinigung – diese Partei hat sich aktuell in den Bedeutungslosigkeit verabschiedet. Nicht nur selbst verschuldet. Aber auch. Eine Katastrophe!

Die sich auf der äußerten Rechten des Parteienspektrums bewegende „Alternativ für Deutschland“ (AfD) ist – keine Frage – ein großes Ärgernis, weil über viele Jahrzehnte nach dem Krieg über die Parteigrenzen hinweg eine gemeinsame Überzeugung und Entschlossenheit existierte, dass es Nationalismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland nie mehr geben dürfe und auch nicht werde. Das war ein peinlicher Irrtum. Andererseits stellt die AfD – noch – keine wirkliche Gefahr für das demokratische Miteinander dar. Wachsamkeit und stetes Eintreten für Freiheit und Liberalität sind indes dennoch in einem Maße gefordert wie selten davor. Denn Zeitenwechsel kann ja auch bedeuten, dass der Ruf nach dem „Starken Mann“ an der Spitze des Staates immer lauter wird. Beispiele dafür gibt es schließlich schon zuhauf – Polen, Ungarn, von Russland und der Türkei gar nicht zu reden video cutting program for free. Was in den östlichen EU-Mitgliedsländern vor sich geht, ist jedenfalls wahrhaftig nicht das, wovon man bei der Gründung des sich vereinigenden Europas, ja selbst noch in den 90-er Jahren geträumt hatte.

Und was bedeutet Zeitenwende für Deutschlands Christdemokraten und -soziale? Es gibt keine Garantie dafür, dass sie – so wie in den meisten Jahren der Nachkriegszeit – die Dinge und Abläufe des Landes prägend auch in Zukunft bestimmen. Nachgewachsene Generationen bedienen schon heute wichtige Schalthebel und werden das in Zukunft noch viel mehr tun. Sie haben völlig andere Lebenserfahrungen als ihre Eltern und Großeltern. Entbehrung, gar Hunger, Krieg und Flucht sind für sie kaum mehr als abstrakte Begriffe. Stattdessen sind Wohlstand, Grenzenlosigkeit, Bildung, Einkommen und soziale wie medizinische Absicherung alltäglich und normal Download piano music for free. Das ist kein Vorwurf. Denn dafür sind ihre Sinne für anderes geschärft: Schutz und Erhaltung von Schöpfung, Natur und Umwelt, Erderwärmung mit Klimawandel.

Das Parteiprogramm der Grünen ist voller solcher Stichworte, Wünsche und Forderungen. Was dagegen fehlt, sind positive Aussagen etwa zur äußeren Sicherheit, zur Landes- und Bündnisverteidigung, zur gewachsenen Rolle Deutschlands in der Welt und damit auch der Wahrscheinlichkeit von weiteren Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Bis weit in die 80-er und 90-er Jahre des vorigen Jahrhunderts galt der vor rund einem Jahrhundert geprägte Satz des großen liberalen Politikwissenschaftlers Max Weber als Handlungsmaxime: „Was nützt die beste Sozialpolitik, wenn die Kosaken kommen“. In diesen Zeiten bringen nicht einmal mehr riesige russische Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine den Bundestag dazu, über Sicherheit auch nur zu debattieren azure vm.

Sind vor diesem Hintergrund und einem damit einhergehenden Zeitgeist also Parteien wie die Grünen „online“ und „Konservative“ auf einem absteigenden Weg? Wenn das der Fall wäre, dann allerdings könnte man dem sich soeben gerade noch über die Ziellinie der Kanzlerkandidatur geretteten Armin Laschet (etwas abgewandelt) den Satz mitgeben, den fast auf den Tag genau vor 500 Jahren der Landsknechtführer Georg von Frundsberg auf dem Reichstag von Worms dem „Mönchlein“ Martin Luther zugerufen haben soll: „Armin, Armin, du gehst einen schweren Gang“. Freilich, es ist ja nicht so, als ob an den Unionsparteien die Zeit und ihre Herausforderungen vorüber gegangen wären. Klimaschutz, Treibhausgase, Bewahrung der Schöpfung – all das hat längst auch schon Eingang gefunden nicht nur in die Gedankenwelt der konservativen (aber halt auch immer allem Neuen aufgeschlossenen) Volkspartei, sondern in deren angewandte Politik.

Als Markus Söder die Schlacht mit dem CDU-Vorsitzenden um die Kanzlerkandidatur beendete, tat er dies mit einer rhetorisch wie taktischen Meisterleistung bilder aus internet herunterladen mac. „Ohne Groll und uneingeschränkt“ werde er mit seiner CSU im Bundestagswahlkampf an der Seite des Mannes aus Aachen dafür kämpfen, dass die beiden Unions-„Schwestern“ (wie zumeist in der deutschen Nachkriegsgeschichte) die Mehrheit des Wahlvolks hinter sich vereinen, damit gegen und schon gar nicht ohne sie in Berlin keine Regierung gebildet werden kann. Das wäre natürlich nicht mehr als vernünftig und auch gut, wenn man es ihm abnehmen könnte.

Mehr noch, es wäre doch für ihn selber nur von Vorteil, würde sich der Franke nicht dem Vorwurf aussetzen, den Ex-Konkurrenten im Regen stehen zu lassen oder ihn gar austricksen zu wollen. Schließlich wäre ein Sieg der Union Ende September ja auch sein Triumph. Doch wachsen die Zweifel an einem solchen Verhalten. Es sieht eher so aus, als brächten er und die CSU diese Größe (oder wenigstens Klugheit) nicht auf. Seine mit zerstörerischer Streumunition gespickten Inerview-Salven – z. B. in der Süddeutschen Zeitung – und das offene Werben der CSU um online-Mitglieder aus der großen Unions-Schwester lassen seine Ankündigung mehr als fragwürdig erscheinen, sich “ohne Groll” mit voller Macht in den gemeinsamen Wahlkampf zu werfen amazon prime video download mac.

Andererseits hat im Verfolg der zurückliegenden, innerparteilichen Auseinandersetzungen jeder auch nur einigermaßen politisch interessierte Zeitgenosse mitbekommen, dass Laschets eigene Partei – die CDU – in weiten Teilen unsicher ist, ob ihr (erst im Januar gewählter) Vorsitzender wirklich das überzeugend-kraftvolle Zugpferd sei. Es war erkennbar, dass die Zahl der Laschet-Anhänger mit jedem Tag mehr bröckelte. Und hätte er nicht, sozusagen in einem letzten Kraftakt, durchgesetzt, dass im CDU-Vorstand am 19. April endgültig abgestimmt werde, wären mit Sicherheit weitere CDU-Granden wie Domino-Steine in Richtung Söder gefallen.

Damit ist Markus Söder praktisch permanent der Schattenmann im Hintergrund von Armin Laschet. So wenig er sich dem Vorwurf mangelnder Unterstützung aussetzen wird, so steht er doch permanent bereit als personifizierter Vorwurf für den Fall einer Niederlage: „Seht Ihr, ich habe es ja gesagt, er kann es nicht!“