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Organspende: Spahns Ersatzteillager

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ So bestimmt es Artikel 1 des Grundgesetzes. Und die Würde des Menschen endet auch nicht mit seinem Tod. Das ist allgemeiner gesellschaftliche Konsens in Deutschland – bisher. Diesen Grundkonsens will der Gesundheitsminister – manche nennen ihn einen Jungspunt – nun offenbar knacken.

Nächstenliebe per Gesetz ?

Minister Jens Spahn, CDU, hat angesichts der in Deutschland schwindenden Bereitschaft zur Organspende jetzt eine Änderung der Gesetzeslage ins Spiel gebracht. Organspender soll danach zukünftig nicht mehr sein, wer sich aufgrund eigener Überlegungen dazu ausdrücklich bereit erklärt hat. Nach des Ministers Vorstellung soll Organspender von Gesetzes wegen jeder sein, der nicht ausdrücklich widerspricht. Andere Länder hielten das ja schließlich auch so, lautet eines seiner Argumente. Nun gilt aber auch: andere Länder, andere Sitten. Andere Länder haben andere Rechtstraditionen. Und andere Länder haben auch keine historischen Erfahrungen machen müssen auf dem Gebiet staatlich gewillkürter Eingriffe in die Würde des Menschen und seinen Körper.

„Zur Menschenwürde gehört, dass der lebendige Mensch die Integrität seines Leibes auch über den Tod hinaus, auch wenn er die Kontrolle über seinen Körper verloren hat, als selbstverständlich voraussetzen darf. Man darf den Wunsch eines Menschen, dass sein Körper unangetastet begraben wird, nicht abqualifizieren, indem man ihn gegenüber dem Interesse, ein anderes Leben zu retten, abwertet.“ So formulierte treffend Heribert Prantl jüngst in der SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Thema.

Geschäftsfeld Transplantationsmedizin

Zu bedenken ist auch, dass die Transplantationsmedizin ein korruptionsanfälliges Geschäftsfeld ist. Das zeigen Skandale in (deutschen) Kliniken – auch jüngst – leider immer wieder: da wird auch transplantiert, wo es medizinisch nicht zwingend geboten ist. Oder Anwärterlisten werden manipuliert – gegen Geld natürlich. Nicht nur Beweggründe der Nächstenliebe oder, allgemeiner formuliert, der Humanität entscheiden also ausschließlich über Organentnahmen und deren Übertragung zur Rettung von Leben.

„Spenden“ sind begriffsimanent freiwillig. Für Organspenden darf nichts anderes gelten. Wie schnell könnte bei Änderung der Gesetzeslage a la Spahn gesellschaftlicher Druck entstehen, wie schnell könnten Organspendenverweigerer als Sozialschädlinge stigmatisiert werden, wenn, aus welchen interessierten Kreisen auch immer, erst einmal entsprechend Stimmung gemacht wird?

Alles nur geleast ?

Etwas mulmig scheint es Unions-Jungminister Spahn denn doch alsbald ob seiner eigenen Initiative geworden zu sein: Er wolle keine eigene Gesetzesvorlage präsentieren. Diese solle besser „aus den Reihen des Parlamentes“ kommen.

Noch einmal sei Heribert Prantl zitiert: „Der Mensch hat seinen Körper nicht von einer Handelsgesellschaft geleast, er muss ihn nicht nach dem Ende der Laufzeit zurückgeben.“

Möglicherweise sieht das Minister Spahn ganz anders: Er ist gelernter Bankkaufmann.