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Nun mal im Ernst…

Vor der Haustür beginnt das Elend

Autor Dieter Buchholtz

Der Blick zurück auf das Jahr 2019 – eine Katastrophe. Es fallen einem zig Beispiele ein, was alles Fürchterliches in den vergangenen knapp zwölf Monaten passierte. Ich kann und will sie hier gar nicht listen. Denn das Elend fängt ja schon vor der Haustür an: Vermüllung, Mord und Totschlag, Clan-Kriminelle und um uns herum lauter Umweltsünder. Also die mit den Plastiktüten, den SUV´s oder so…

Dann gibt es noch Leute, die nach wie vor behaupten, Atomkraftwerke seien besonders umweltfreundlich. Frankreich beispielsweise bezog 2018 etwas über 70 Prozent seines Strombedarfs aus der Atomenergie. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn der französische Staatspräsident Emmanuel Macron fordert, dass jeder den Übergangsprozess zur Klimaneutralität in der EU bis 2050 so gestalten darf, wie er will. Na bravo! Und als hätten wir hier auf unserem geschundenen Globus nicht genug zu tun, müssen wir uns ja auch noch mit den Geschossen im Weltall ernsthaft beschäftigen. Hier rast unser Raumfahrtschrott mit 40.000 Kilometern pro Stunde aufeinander los. Gefordert wird, dass diese Teile entweder in der Erdatmosphäre verglühen oder automatisch zurückkommen. Auch in den unendlichen Weiten um uns herum stimmt also wieder einmal das Motto: Wo der Mensch ist, ist auch Vermüllung. Vielleicht brauchen wir jetzt eine grenzenlose Weltraum-Leid-Kultur!?

Blockieren, Verschieben, Vertagen

Diese und andere sehr ernst zu nehmenden globalen Probleme wurden auch in 2019 von sich wiederholenden Ritualen begleitet. Genährt werden diese von Versagen oder zumindest von Versagensängsten. Es gilt immer wieder, massive und jahrelange Untätigkeiten zu kaschieren. Konkret wurde uns das vorgeführt am Klimapaket der deutschen Bundesregierung oder – noch stärker – am kürzlichen Klimagipfel in Madrid. Dort herrschte wohl die eigentlich unverzeihliche Leitlinie Minimalkonsens mit Appell-Charakter. Und das offensichtlich mit dem diskreten Motto: Blockieren,Verschieben, Vertagen. Dieses globale Versagen verschafft der Klimakatastrophe weiteren Raum. Hierfür gibt es eigentlich keine Rechtfertigung.

Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang ist das Green Deal-Papier der EU. Es ist so etwas wie ein Aufruf für eine bessere Zukunft – irgendwann mal… Ein irrer Aufwand. Ergebnis: Fast nichts. Kaum eines der Ziele wurde deutlich und damit vertretbar erreicht. Dafür werden aber neue Ziele ohne Unterlass weiter hinein ins Leere formuliert. Was bleibt ist, dass Im Vordergrund seit Jahren der Papierwille steht, es zukünftig doch noch besser zu machen. Na schön!. Aber was passiert an wirklich Greifbarem? Dieses permanente Null-Summen-Spiel frustiert alle – Bürger, Politiker und Administrationen sowie auch die Arbeitsplätze garantierende Wirtschaft. Man muss schon geduldigen Humor haben, wenn man die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hört: „Wir wollen der Welt zeigen, wie man nachhaltig und wettbewerbsfähig ist.“ Dann lassen wir uns mal grün-europäisch überraschen.

Nun mal im Spaß…

…unter keinen Umständen will ich das sicherlich in vielen Fällen ehrliche Bemühen um Besserungen in Grund und Boden reden oder eben schreiben. Aber irgendwie fällt doch auf, dass man sich oft in lächerlich kleinen Ersatzhandlungen verhakelt. Ein Beispiel dafür ist die Reisetätigkeit der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg. Ihr Foto auf Twitter zwischen Koffern auf der Reise durch Deutschland produzierte einen kleinen Shitstorm mit u.a. den Akteuren Deutsche Bahn und Bundesfamilienminsterin Franziska Giffey. Natürlich lassen sich hier Vorbehalte von Greta-Kritikern, Vorurteile von Bahnfeinden festmachen. Mühsam muss Greta das wieder vom Hypepodest holen nach dem Motto: Ich habe mich doch gar nicht beschwert. Sie hat  nur einen kleinen Spaß gemacht. Ganz offensichtlich verfolgen auch nicht wenige Politiker solche Spielarten mit oft sehr ernstem Hintergrund. Ein Schelm, wer hier an Boris Johnson in Great Britain oder Donald Trump in Great-America denkt.

Was also lernen wir daraus? So ein richtiger Meinungskrieg lässt sich doch wohl am besten im Klein-Klein ausfechten. Da macht die Schlacht mit dem Anderdenkenden doch deutlich mehr Spaß. Und produziert zuweilen auch durchaus verwertbare Erkenntnisse. So äußert Ministerin Giffey im Zusammenhang mit ihrer Kritik an der bahnfahrenden Greta Thunberg, dass diese zwar ein „Stück weit Selbstinszenierung“ betreibe. Aber sie findet „es sehr beachtllich, wie man in so einem jungen Alter Dinge, von denen man zutiefst überzeugt ist, bewegen kann.“ Also man kann wohl von der Jugend eine Menge lernen. Manchmal sind dann eben auch Bahnfahrten für Denkfortschritte förderlich.

Nun noch ein Versuch – mit etwas Humor…

…wir sollten uns die unbestreitbar bestehenden großen Probleme in diesem Global Village unter keinen Umständen kleinreden lassen. Wer könnte uns dabei besser helfen als die Comedian-Szene. Sie hat sich in den letzten Jahren enorm etabliert. Früher waren es bekanntlich die Hofnarren, die den Mächtigen auch die Leviten lesen durften. Heute sind Satiriker Nutznießer der Demokratie. Sie dürfen und sollen frei reden dürfen. Das tut auch Dieter Nuhr. Er geht folgerichtig auch nicht zwangsweise zimperlich mit der Umwelt-Greta um – wie auch mit vielen anderen Personen und Ausformungen unserer Gesellschaft. Sehr gut so!

Es muss somit auch nicht verwundern, dass uns der Spötter Nuhr erklärt, woran es unserere Gesellschaft krankt. Der ernste Humorist kritisiert die fehlende Debattenkultur. Zum Kampf gegen die Klimakatastrophe stellt er fest, dass „hier Einzelne versuchen, die Deutungshoheit zu erringen, und man hört sowohl von Klimakativisten als auch von der AfD beunruhigende Demokratierelativierungen. Wehret den Anfängen.“ Hier kann man „nuhr“ zustimmen. Der Blick an das neue Jahr sollte uns Ansporn sein, genau eine solche gefährliche Etnwicklung massiv einzubremsen.

Und noch ein Beispiel zur Transformation von unserer grobalen Problemwelt hinein ins eher überschaubare Klein-Klein: Die FDP wollte vom Agrarministerium wissen, wieviele Pferde inzwischen von wachsenden Wolfsrudeln getötet worden sind. Die Ministeriellen lieferten: 2015 traf es drei, 2017 zwei und 2018 fünf Pferde. Haben wir denn nicht eine so wichtige und gleichwohl unkontrollierbare Wolfspopulation gewollt? Dürfen wir uns jetzt, oder müssen wir uns sogar nun tierisch darüber aufregen, dass der Wolf seinen Trieben nachgeht? Das Ministerium hat penibel gelistet: 23 Wolfsübergriffe sind bis jetzt bekannt. Wow! Das sind doch nun mal belastbare Zahlen in „erschreckender“ Dimension. Sonst noch Probleme als gewissermaßen Ablenkung von den großen?

Ja, haben wir. Da ist noch die Sache mit der kommenden Bonpflicht beim Kauf von Brötchen, Eis usw. Wirtschaftsminister Peter Altmeier ist dagegen. Finanzminister Olaf Scholz dafür. Toll diese Groko. Rechnerisch hat REWE die Bons mal aneindergeheftet und kommt in den eigenen Läden auf 140.000 Kilometer giftiger (Bisphenol A) Bons. Das Kölner EHI-Institut des deutschen Handels rechnet insgesamt mit zwei Millionen Kilometern mehr Kassenzettelpapier. Pro Stunde muss dann eine Fichte dran glauben. Damit sind auch Umweltschützer und Gesundheitsexperten auf den Plan gerufen. Das ist also zum Jahresabschluss ein herrlicher Bon-Bon.

Halleluja, gebt doch dem real existierenden Verwaltungsmonster einfach die Sporen, damit es weiter wachsen kann. Schlussendlich zahlt – in alter Sitte – der Verbraucher, der Bürger, der Steuerzahler eben. Allein schon deshalb, weil er andauernd das giftige Thermopapier anfassen muss. Der Weg zur Regelung dieses Unsinns hat schlappe drei Jahre gedauert. Immerhin: Solche Dinge schaffen wir – trotz vieler Bedenken. Sollten wir uns über so etwas freuen?

Nun aber mal ganz entspannt…

…wir von rantlos.de möchten auch im kommenden Jahr Entwicklungen bei uns im Lande wie auch darüber hinaus ein wenig begleiten. Wir machen das mit viel Freude – auch wenn die Themen nicht immer nur Spaß machen. Deshalb möchten wir ganz besonders in dieser Rubrik anmerken, dass auch wir in der Redaktion die Festtage locker angehen und einfach weniger Text und Bild produzieren.

Und wir möchten – durchaus augenzwinkernd – dieses Jahr versöhnlich mit folgender demoskopisch gefestigten Erkenntnis ausklingen lassen: 83 Prozent der Bürger und Unternehmen sind mit den Dienstleistungen der Ämter insgesamt zufrieden. Wer hätte das bei notorischen Meckerern und Wutbürgern gedacht? Besonders die freuen sich wohl riesig über einen eigentlich kleinen Wehrmutstropfen: Viele Bürgerinnen und Bürger stören sich am Behördendeutsch.

Und? Wieder alles im Lot?