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NOx – Deutschland im Gaga-Status

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Stickoxid (NO2 oder NOx) ist böse. Es tötet. Kein Wunder: Stickoxid klingt auch schon so richtig fies. Laut Umweltbundesamt fallen dem Gas in Deutschland angeblich 6.000 Menschen zum Opfer. Jedes Jahr. Denn Stickoxide verursachen Herzkreislaufkrankheiten, Asthma und Allergien. Und Angst. Schreckliche Angst. Jedenfalls in Deutschland. Und unter sogenannten Umweltverbänden. Und unter deutschen Richtern. Wo anders ist man gelassener. Aber in Deutschland regiert mal wieder die Angst. German Angst.

Auch Schweinemett tötet

Mit Substanzen ist das immer so eine Sache. Stoffe, die eigentlich nützlich, gesund oder normalerweise unschädlich sind, wirken ab bestimmten Mengen oder Konzentrationen schädlich oder gar toxisch. Wir kennen das vom Alkohol: Ein Glas Rotwein oder Bier am Abend mit Bedacht genossen fördert das allgemeine Wohlbefinden und kann so durchaus die Gesundheit befördern. Auf dem Standpunkt stehen viele Mediziner. 10 Glas am Abend sind auf Dauer schädlich und 10 Flaschen allabendlich sind mittelfristig tödlich.

Nehmen wir Speisesalz, „Salz des Lebens“ wie man sagt. Denn: Salz ist lebensnotwendig für den menschlichen Organismus. Ohne Salz stirbt der Mensch. Etwa drei bis fünf Gramm am Tag sind im Normalfall nötig. Zuviel Salz dagegen ist tödlich. Der Schiffbrüchige, der (nur) Meerwasser trinkt, stirbt. Und 100 – 150 Gramm Salz an einem Tag zugeführt, wirkt für eine erwachsene Person absolut tödlich.

Oder Beispiel Schweinemett: zwar existieren keine bekannten wissenschaftlichen Untersuchungen über dessen Toxizität im Allgemeinen oder im Speziellen. Jedoch kann als gesichert gelten, dass der Genuss von mehreren Kilogramm Mett täglich der Gesundheit nicht nur abträglich ist, sondern dauerhaft auch zum Tode führen dürfte.

Nichts ist klar

Und jetzt Stickoxid. Wie viel ist da eigentlich schädlich ? Die Grenzwerte sind in der EU-Richtlinie 2008/50/EG festgelegt. Dabei gilt im Freien eine Obergrenze von 40µ (Mikrogramm, d.h. 40 Millionstel Gramm) pro m³ (Kubikmeter) Luft. Als Jahresmittelwert. Als Stundenmittelwert, der nicht mehr als 18 mal im Jahr überschritten werden darf, gilt eine Obergrenze von 200µ/m³. Und weil in wohl mindestens 15 Städten diese 40µ/m³ im Jahresmittel überschritten wurden – jedenfalls nach sehr zweifelhaften Messungen u.a. durch den Abmahnverein „Deutsche Umwelthilfe“ (DHU)- hagelt es jetzt gerichtliche Dieselfahrverbote. In Deutschland.

Grillkohleverbote könnte man auch verhängen. Oder – gerade zur Advent- und Weihnachtszeit – Kerzenverbote. Feuerwerksverbote zu Sylvester täten es auch oder Schifffahrtsverbote im Hamburger Hafen und in Köln auf dem Rhein. Oder Kamin- oder Lagerfeuerverbote. Denn: überall, wo etwas verbrannt wird, entstehen Stickoxide. Aber die klagewütige DHU hat sich als bekennend Individualverkehr feindliche Organisation etwas besonders Spektakuläres herausgepickt. Das funzt dann so richtig im Spendensäckel dieses – noch – gemeinnützigen Vereins: Es müssen Dieselfahrverbote her. Damit man die gemeinen unvernünftigen Bürger mal so richtig Mores lehren kann.

Die europäischen Grenzwerte müssen durchaus erstaunen, gilt in Deutschland doch ein Grenzwert für Arbeitsplätze allgemein von 950µ/m³ ! Und für Büroarbeitsplätze, also in geschlossenen Räumen, gelten 60µ – dauerhaft. Definiert sind diese Grenzwerte „als die höchstzulässige Konzentration … in der Luft am Arbeitsplatz, bei dem im Allgemeinen die Gesundheit des Arbeitnehmers auch bei wiederholter und langfristiger (in der Regel achtstündiger) Exposition und einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden nicht beeinträchtigt wird.“ (Bundesgesundheitsblatt).

Bei der Recherche, wie der 40er-Grenzwert begründet wurde, stößt man auf ein erschreckendes Ergebnis: Der Grenzwert ist wissenschaftlich weder untersucht noch begründet. „Die Politik“ wollte es so. Irgendwann hatte wohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diesen Wert „empfohlen“. Selber hat sie das wissenschaftlich auch niemals untersuchen oder herleiten lassen. Irgendwie soll dieser Wert einmal von irgendjemandem „errechnet“ worden sein. Und damit hat es sich. Im Zweifel hat die WHO immer Recht. Meinte man dann wohl ganz einfach „in Europa“. Da muss man dann nicht so viel begründen.

Keine signifikanten Effekte

Was sagen Experten dazu ?

Alexander Kekulé, Professor für Mikrobiologie und Virologie an der Universität Halle-Wittenberg: „Aus medizinischer Sicht ist der Stickstoffdioxid-Grenzwert von 40µ/m³ völliger Unsinn. Asthmatiker reagieren bei Werten oberhalb von 180µ mit einer leichten Schleimhautreizung. Bei Gesunden hingegen gibt es bis 1000µ keinen messbaren Effekt.“ Die Menge des Stickoxids in unserer Luft sei weder giftig noch krebserregend, so Kekulé. Die EU habe den 40er-Grenzwert von der WHO übernommen, doch der tauge nicht, ihn auf den Straßenverkehr zu übertragen. Und die WHO räume selber ein, dass es keine besonderen Studien zu diesem Grenzwert gebe.

Prof. Dieter Köhler, Lungenspezialist, vormals Uni Freiburg und Uni Marburg: Selbst bei höheren NOx-Konzentrationen als den hier bisher zitierten Grenzwerten, seien bis heute keine gesundheitlichen Schäden nachgewiesen worden. In den USA gälten die vergleichbaren Grenzwerte: 100µ (Verkehr) und sogar 9500µ (Arbeitsplatz). Auch dort gebe es keine wissenschaftlichen Nachweise für gesundheitliche Schäden, geschweige denn für Todesfälle.

Auch der Toxikologe Professor Helmut Greim von der TU-München bestreitet jede wissenschaftliche Grundlage für einen 40µ-Grenzwert im Freien.

6000 Un-Tote

Und wie verhält es sich mit den angeblich 6.000 Stickoxid-Toten, von denen das Umweltbundesamt in Person von deren Präsidentin, der naturwissenschaftlich unbeleckten Soziologin Maria Krautzenberger schwafelte („Wir müssen den Individualverkehr zivilisieren“) ?

Professor Walter Krämer, Ökonom an der Technischen Universität Dortmund, Fachgebiet Wirtschafts- und Sozialstatistik, hält die Zahlen über die vom Umweltbundesamt behaupteten Todesfälle für unseriös. Auf die Frage, wie sich solche Werte denn statistisch ermitteln ließen, antwortete Statistiker Krämer in den STUTTGARTER NACHRICHTEN: „Gar nicht, jedenfalls nicht auf seriöse Weise.“

Dann gibt es da noch den Abschlussbericht des 5. Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages zur Diesel-Problematik. Der Bericht kommt zu folgender Schlussfolgerung: „Epidemiologisch ist ein Zusammenhang zwischen Todesfällen und bestimmten NOx-Expositionen einer adäquaten Kausalität nicht erwiesen.“

Angst essen Seele auf

Derweil suhlen sich in Deutschland Umweltschützer, öko-ideologisierte Politiker und leider auch Verwaltungsrichter in der Besorgnis um den vermeintlich drohenden Todeskampf der Bürger in deutschen Großstädten durch Stickoxide und lassen dabei jedes Gespür für Verhältnismäßigkeit vermissen. Eine große Koalition von Angstbürgern, Angstpolitikern und Angstrichtern sägt so selbstvergessen an einem der tragenden Äste der deutschen Wirtschaft, der Autoindustrie: Dieselverbote über alles – über alles in der Welt. Oder frei nach Rainer Werner Fassbender: „Angst essen Seele auf“.

Und in der Welt sonst so ? NOx-Panik ? Massensterben? Dieselfahrverbote ?

Fehlanzeige.