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Mirakel um Merkel

Von Gisbert Kuhn

Autor Gisbert Kuhn

Es mag ja nicht Jedem so gehen. Aber ich merke fast jedes Mal, wenn ich über einen längeren Zeitraum durch die so genannten „Sozialen Medien spaziert bin, dass ich mich dort ganz offensichtlich in einer ganz anderen Welt bewegt habe. Und zwar geistig, gedanklich, kommunikativ, verhaltenskulturell im Sinne von Höflichkeit, Anstand, Toleranz und so manchem mehr. Es dauert meistens gar nicht lang, bis sich bei einem der – in der Regel unangenehme – Eindruck verfestigt, dass man mit seiner eigenen Denk-, Handlungs- und Umgangsweise anscheinend nicht mehr Teil unserer Mehrheitsgesellschaft ist, sondern nur noch ein Minderheitendasein fristet augenbrauen schablonen zumen.

Das mag nach Wehleidigkeit klingen. Und tatsächlich kommt mitunter ein bisschen davon  auf. Doch das verfliegt rasch, sobald man wieder aus der digitalen Scheinwelt auftaucht. Einmal kräftig den Kopf geschüttelt, und das Koordinatensystem der Wahrnehmungen stimmt wieder. Nein, signalisiert es, die Mehrheit im Lande tickt, denkt und bewertet das tägliche Geschehen zum Glück meistens doch anders, als es so viele Netz-Aktivisten mit ihren Jüngern im Gefolge so lautstark glauben machen möchten.  Wobei – manches ist dabei ja auch richtig lustig, weil es an Vorgänge erinnert, die zwar längst schon Geschichte sind, aber dennoch gar nicht so lange zurück liegen.

Zum Beispiel: Als der „Spiegel“ (bis in die 90-er Jahre) tatsächlich noch  d a s  tonangebende Nachrichtenmagazin der Republik war, machte seine Redaktion überhaupt kein Hehl aus ihrem Anspruch, selbstverständlich die letzte Entscheidung über die Besetzung der Bonner Kabinettsposten bis hinauf zum Bundeskanzler zu treffen error when downloading windows updates. Geflügelter Satz: „Kanzler werden in Hamburg gemacht und entlassen“. Umso ärgerlicher (ja geradezu unbotmäßig) empfanden es „die Hamburger“, dass ausgerechnet der (aus hanseatischer Sicht) „pfälzische Provinzler“ Helmut Kohl den Abschuss-Vorgaben von der Elbe überhaupt nicht zu folgen gedachte. Mit der Zeit nahmen es wenigstens die Mitglieder des Bonner „Spiegel“-Büros sportlich und feierten den 5., 10., 15. Fehlversuch des Cäsarensturzes mit fröhlichen Festen. Dass es letztlich die Wähler waren (also das Volk), die den scheinbar ewigen Kanzler vom Podest holten, sprach und spricht für das Funktionieren des politischen Systems im Lande harry potter filmen.

Warum diese Reminiszenz? Ganz einfach. Wer im „Netz“ verfolgt, auf welche Weise, mit welchen Methoden und nicht selten auch mit welchen Sprachformen und Ausdrücken sich wütende Gruppen zum Teil schon seit Jahren sowohl an der Politik als auch – oft genug alles andere als „zivilisiert“ – der Person der Bundeskanzlerin abarbeiten, kommt an den Parallelen zu damals gar nicht vorbei. „Merkel muss weg!“ – lautet die zentrale Forderung, geradezu bestechend in ihrer logisch-kritischen Rationalität. Ja, und dann? Dann kommt in aller Regel nichts. Warum auch: „Merkel muss weg“, das reicht doch. Oder etwa nicht? Gut, man kann ja noch etwas verballhornend an ihrem Namen herumspielen – Merkel, Murksel design programme kostenlosen. Das ist zwar nicht sonderlich originell, mag aber dem einen oder der anderen lustig erscheinen.

Nun hat jedoch die Dame schon seit Längerem wissen lassen, dass sie sowieso nur noch bis zum Ende dieser Wahlperiode amtieren, also nicht noch einmal antreten werde. Eigentlich sollte sich das doch mittlerweile im Land herumgesprochen haben. Also auch bis zur den „Merkel-muss-weg“-Aktivisten. Dort hat das von der Regierungschefin aus der Uckermark angekündigte politische Karriereende erstaunlicherweise nicht den doch eigentlich zu erwartenden Jubel ausgelöst. Auch von (siehe oben „Spiegel“) Sieges- oder wenigstens Erfolgsfeiern war bislang nichts im Netz zu lesen.  Im Gegenteil machen dort inzwischen neue Verschwörungstheorien in Verbindung mit Angela Merkel die Runde download five friends listengame. Und dies ausgerechnet im Zusammenhang mit den Bemühungen zur Eindämmung der Corona-Krise. Genauer: Mit den von der Berliner Koalition und den Bundesländern beschlossenen Einschränkungen des wirtschaftlichen, kulturellen und (nicht zuletzt) privaten Lebens. Ausgerechnet am 20. April hatte die Kanzlerin dazu eine mahnende Rede gehalten. An Hitlers Geburtstag! Ein Schelm, dem da nicht sofort bewusst wird, dass hier – sozusagen über Nacht – dem Land, der Nation, mithin uns allen ein undemokratisches Ermächtigungsregime übergestülpt werden soll! Aufgepasst, schallt die Schar der „Follower“ zurück, „1933 steht wieder vor der Tür“!

Lassen wir jetzt mal beiseite, bei wie vielen unserer bekanntlich historisch im Übermaß kundigen Mitbürger die Jahreszahl 1933 die Alarmglocken auslöst – wirklich interessant sind stattdessen die Reaktionen und das Verhalten der absoluten Mehrheitsgesellschaft mit Bezug auf Merkel und die gesamte Regierungspolitik während dieser in der Tat allumfassenden Krisenzeit contract takeover telekom formular. Vor noch knapp einem halben Jahr hätte doch kaum mehr jemand einen Pfifferling für den Fortbestand der Koalition an der Spree gegeben. Auch Merkels persönliche Popularitätswerte krauchten nur noch irgendwo bei 30 Prozent herum, die SPD war praktisch ins Nichts gestürzt, die Grünen saßen der CDU/CSU bei etwas über 20 Prozent im Nacken, dicht gefolgt von den Rechtsaußen der AfD. Und jetzt? Offensichtlich haben die Menschen im Land eine völlig andere Wahrnehmung als die Schwarzseher, Büchsenspanner und Spökenkieker im „Merkel-muss-weg“-Lager. Merkels persönliche Zustimmungswerte schießen beinahe durch die Decke, die Unionsparteien stehen bei schier unglaublichen 40 Prozent, die SPD profitiert leider nur minimal, dafür sacken die AfD-Zahlen signifikant download music for free from youtube mp3. Ein Mirakel um Merkel. Ein Wunder.

Nun sind, man weiß das, Stimmungen noch lange keine Stimmen in den Wahlurnen. Und Stimmungen, auch das kennt man, können leicht kippen. Ein kluger Kommentator hat vor wenigen Tagen die momentane Gefühlslage der Mehrheitsbevölkerung gegenüber Angela Merkel wie folgt zusammengefasst: Sie habe das „Image der Verlässlichkeit, wie Schwarzbrot und Mercedes. Irgendwie langweilig, dafür aber beruhigend und zuverlässig. So eine Mischung aus Gouvernante und Krankenschwester“. Wirklich, keine schlechte Beschreibung Age of empires play for free without download. Vielleicht hat zu dieser positiven Einordnung auch beigetragen, dass in den vergangenen, schwierigen Wochen (nicht zuletzt in ihren ersten beiden mahnenden TV-Ansprachen an die Bevölkerung) bei dieser normalerweise doch so extrem kontrollierten, distanzierten Politikerin mit einem Mal eine bis dahin unbekannte Seite erkennbar wurde – die einer Sorgenden. Einer Person also, die mit aller Macht vermeiden will, dass durch Leichtsinn und mangelnder Standhaftigkeit die mühsam gemeinsam errungenen Gesundheitserfolge wieder zunichte gemacht werden.

Freilich, noch stehen der Bundeskanzlerin  (und nicht allein ihr) drückende Aufgaben bevor. Selbst wenn davon auch nur ein kleiner Teil davon bewältigt werden soll, müssen sie jetzt angepackt werden fortnite xbox 360 herunterladen. Also, solange Merkel und diese Regierung noch auf dieser öffentlichen Zustimmungswelle schwimmen. Es gilt, die Bevölkerung auf die Kosten und Folgen der Krise sowie der bereits getroffenen und noch folgenden staatlichen Hilfen einzustimmen. Und zwar absolut ungeschminkt sowie mit Hinweis darauf, dass bei solchen gewaltigen Maßnahmen auch viele Fehler begangen wurden und (angesichts der – ohne Frage im Einzelnen zumeist berechtigten – Erwartungen, Forderungen und Wünsche) solche auch künftig wohl nicht vermieden werden.  Je ehrlicher und offener, desto besser. Und dann „muss“ Merkel nicht weg. Sondern dann geht sie von allein. Wer immer danach folgen mag.

p.s.: Der Autor hat Zeit seiner über vier Jahrzehnte dauernden Journalistentätigkeit sechs Bundeskanzler und eine Bundeskanzlerin ziemlich nahe erlebt und es immer als extrem wichtig empfunden, professionelle Distanz zu wahren herunterladen. Dies zu betonen, kann vielleicht wichtig sein. Muss es aber nicht. Nur so.

Anmerkungen und Kommentare bitte direkt an gisbert.kuhn@rantlos.de