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Mehr Atomstrom wagen !

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Bis 2022 soll der letzte deutsche Atommeiler abgeschaltet sein. Auch der Kohleausstieg ist beschlossen. Radikal-Grünen zufolge möglichst schon bis 2025. Derweil explodiert die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) erneut um satte 5,5 Prozent. Dabei zahlt der deutsche Verbraucher schon heute den höchsten Strompreis in Europa und weltweit den zweithöchsten. Zeitgleich stockt der zunehmend umstrittene Ausbau von Windkraftanlagen. Das hat mehrere Gründe, offenbart aber, dass die sogenannte „Energiewende“, im Begriff ist, vor die Wand zu fahren.

Stockender Windkraftausbau

Die ganz große Koalition in Deutschland, parlamentarisch abgebildet in schwarz-rot-rot-grün, setzt in dem Bestreben, unser Land bis 2035 oder spätestens 2050 „klimaneutral“ zu machen und deswegen den CO2-Ausstoß entscheidend zu reduzieren, seit Jahren zuvorderst auf den Ausbau der Windenergie. Nachdem die hochsubventionierte Verspargelung der Landschaft jahrelang voran schritt, ist der weitere Ausbau nun ins Stocken geraten. Windenergieanlagenbauer haben schon Arbeitsplatzabbau angedroht und versuchen so, die Bundesregierung unter Druck zu setzen: Neue Subventionen müssen her !

Die bisherige Subventionierung, in Form garantierter Einspeisungsvergütungen, egal ob der produzierte Windstrom gerade benötigt wird oder nicht und finanziert durch die Milliarden-Umlagen auf die Verbraucher (“Erneuerbare Energien Gesetz”) wird für Neuanlagen in Stufen reduziert. Dadurch rechnen sich Windkraftanlagen für Investoren immer weniger. Jetzt zeigt sich, dass Windkraft ohne staatlich verordnete Stütze gar nicht konkurrenzfähig, weil einfach zu teuer ist.

Ein anderer Grund für das Stocken sind Bürgereinsprüche und jetzt auch Umweltorganisationen. Bürger verschaffen sich immer mehr Gehör. Teils gerichtlich, teils politisch wegen der Umweltbelastungen, die von Windrädern ausgehen: Zunehmende Zerstörung intakter Landschaften. Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Infraschall in zu großer Nähe zu Wohngebieten. Und auch, zum Teil im Verbund mit Umwelt- und Tierschutzverbänden, wegen der immer größer werdenden Schäden, welche die rotierenden Windflügel unter den Fledermaus- und Greifvogelpolpulationen anrichten und, neueren Erkenntnissen zufolge, auch eine bisher verkannte Rolle beim Insektensterben spielen.

Atomkraft weltweit im Ausbau

Über den deutschen Sonderweg in der Energiepolitik wundern sich in anderen Ländern Viele und nicht Wenige lachen sich schlapp. Durchaus auch aus Schadenfreude: die viertgrößte Industrienation und damit ein Hauptkonkurrent im weltweiten Wettbewerb sägt an dem Ast sicherer Energieversorgung, auf dem das Land und seine Industrie sitzen.

Nirgend sonst geht die Regierung eines Landes einen vergleichbar abenteuerlichen Weg wie hierzulande: Zeitgleich Abschalten der sichersten Kernkraftwerke der Welt, raus aus der Kohleverstromung – und Speicherkapazität für den unzuverlässigen Zappelstrom aus den „Erneuerbaren“ auf absehbare Zeit technologisch nicht verfügbar.

Weltweit geht man, um politisch verkündete oder beschlossene „Klimaziele“ – was immer das auch sein soll – zu erreichen und das angeblich böse CO2 zu reduzieren, einen anderen Weg. Verteilt über den ganzen Globus sind derzeit 141 Atomkraftwerke in 18 Ländern im Bau oder in Planung. Davon allein in China 43, Russland 24, Indien 14. Und jüngst berichtete Le Monde von einer Initiative der französischen Umweltministerin und dem französischen Wirtschaftsminister, wonach auch in Frankreich sechs neue Atomkraftwerke errichtet werden sollen. Dabei muss man wissen, dass Frankreich schon heute über 70 Prozent seines Strombedarfs aus Kernkraft gewinnt (10 Prozent aus Wasserkraft und nur knapp sechs Prozent aus Windkraft und Fotovoltaik). Angesichts neuer Technologien, die auch eine Lösung der Endlagerproblematik mit einschließen, teilt man allgemein die spezifische German Angst vor Atomstrom nämlich nicht oder hat diese Angst in dem Ausmaß auch früher schon kaum geteilt.

Auch Schweden ist schlauer

Und selbst in einem weiteren deutschen Nachbarland, in Schweden, dem einstmaligen Vorreiter im Atomausstieg, hat man sich eines Besseren besonnen: Schweden gewinnt 40 Prozent seines Strombedarfs aus Atomkraftwerken. Den einst für das Jahr 2000 beschlossenen Komplettausstieg aus der Kernkraft hatte die rot-grüne (!) Landesregierung erst auf das Jahr 2010 verschoben, um dann endgültig den Ausstieg aus dem Ausstieg zu verfügen. Und just in diesem Jahr beschloss dieselbe rot-grüne Regierung, dass 10 alte Reaktorblöcke durch neue ersetzt werden sollen.

1000 Milliarden: Der deutsche Wahnsinn

Ein weiterer Irrsinn à la deutsche Energiewende: Um den in der Nordsee offshore produzierten Windstrom nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren zu können – dort wird er wegen der dann abgeschalteten Atomkraftwerke dringend benötigt – müssen quer durch Deutschland mehrere tausend Kilometer neue Überlandleitungen trassiert werden. Das kostet (laut DIE ZEIT) weitere 52 Milliarden Euro – mindestens. Und die Kosten dafür landen zusätzlich zur EEG-Umlage über das „Netzentgelt“ beim Strompreis, also bei jedem von uns.

Einer Berechnung zufolge soll so der Großhandelspreis für Strom in Deutschland in den kommenden Jahren um weitere 60 Prozent steigen. Einer anderen Berechnung folgend, wird jeder Bundesbürger, vom Kleinkind bis zum Greis bis zum Jahr 2050 sagenhafte 25.000 Euro für diese missratene Energiepolitik bezahlt haben. Seit Beginn der EEG-Umlage im Jahr 2000 wird diese Politik alles in allem wohl 1.000 Milliarden Euro kosten. Das schätzt jedenfalls der Linde-Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle in einem Beitrag für DIE WELT.

Und am Ende zahlt alles der deutsche Michel. Das ist der Wahnsinn.

Kommentare oder Anmerkungen an dietrich.kantel@rantlos.de