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Maß und Wirkung

Umkehr der Wahrnehmungspyramide

Dieter Buchholtz

Autor Dieter Buchholtz

Leben in der Pandemie. Das haben wir 2020 gelernt und erlitten. Auguren versprechen uns, dass es in den ersten drei Monaten im neuen Jahr 2021 am schlimmsten wird. Das ist der Stoff, aus dem kollektive Depression modelliert wird. Andere favoritisieren dagegen einen Blick in den Tunnel, der am Ende schon das hellere Licht einer massenweisen Impfung erkennen lässt. Erflehte Herdenimmunität ist offensichtlich der perspektivische Weg zum pandemielosen Zustand, wie er vor diesem Viruskrieg war.

Derart makroskopische Feststellungen schaffen uns Menschen durchaus Mengengerüste für mehr Übersichtlichkeit. Oft verliert sich dabei aber systembedingt der Blick für den menschlichen Mikrokosmos media creation tool für windows 10 herunterladen. Hier ereignet sich, statistisch eben kaum greifbar, das gesamte Spektrum zwischen Erleiden, Erdulden, Hoffnung und Befreiung. Es ist oft die Szenerie, in der sich die Wahrnehmungspyramide schlicht umkehrt. Ganz oben nimmt dann das vermeintlich Kleine den größten Raum ein.

Leben unter der Abschirmfolie

Ein kleines Indiz dafür sind Worte. Sie entstehen als Begleiter oder Markierungen von Ereignissen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass uns so etwas wie der globale und damit gigantische Corona-Angriff Worte und Wortverbindungen förmlich entgegen schleudert. Etwa 1000 wurden im vergangenen Jahr gefunden oder neu gebildet. Diese epidemisch geschaffenen Wörter sind Spiegelbild dessen, was uns als ansteckende Katastrophe überfallen hat music from mixcloud.

Greifen wir nur einen Aspekt heraus: Wer kennt sie nicht, die Verschwörungstheoretiker. Sie basteln sich ihre eigene Welt – auch zu Corona. Hierzu gibt es die Neuerfindung Alu-Hut. Auch bei diesem pandemischen Neologismus könnte das weitestgehend eingeübte Abstandsgebot angeraten sein. Anders ausgedrückt: Kleine Abschirmfolie auf dem Kopf, große negative Wirkung für Politik und Gesellschaft.

Minister als Raser

Dass kleine Dinge durchaus auch große Wirkung in Medien und Gesellschaft haben, ereignete sich u.a im Dezember 2020. Unterwegs war ein Raser. Er ist Befürworter des generellen Tempolimits von 130 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen, fuhr aber sebst 57 km pro Stunde schneller als auf seiner Strecke erlaubt waren (120 km/h) sky ticket episoden herunterladen. Es ist der Umweltminister von Baden Württemberg. Der war, wie er selber sagt „unterwegs zu seiner Familie und hatte es eilig“. Und „die Straßenlage hat es erlaubt, schnell zu fahren.“

Soweit Franz Untersteller von den Grünen. Einen Rüffel kassierte er von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Rücktrittsforderungen kamen prompt von FDP und Junger Union. Soweit, so schlecht. Natürlich ist es vor dem Hintergrund großpolitisch bedeutsamer Ereignisse eine Lapalie, wenn ein Bürger das vorgeschriebene Tempo überschreitet. Wenn dies aber so krass ist, dann endet der Spaß. Weil hier Leben im nicht vertretbaren Übermaß gefährdet wird. Wenn jemand ein hohes Staatsamt hat und dann noch Mitglied einer Partei ist, die ein generelles Tempolimit – auch aus Umweltschutzgründen – fordert, dann sollte der sich als Repäsentant und Vorbild besonders streng an die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung halten recuva herunterladen kostenlos. Und es geht schon gar nicht, wenn sich jeder die rechtlichen Vorgaben so zu recht legt, wie es ihm gerade gefällt. Wie heißt es so schön: „Vorbild erzieht“ und „wehret den Anfängen“. Und das gilt eben auch in der kleinen Welt der Autofahrer.

China und Nepal messen gemeinsam

Dann hat 2020 die kleine Zahl 86  Furore in den Schlagzeilen gemacht. Schauplatz ist der Himalaya. Hier ringen nicht nur unzählige Bergsteiger um eine der höchsten Anstrengungen der Welt: Die Besteigung des Mount Everest. Der so herausragende Himmelskönig wurde endlich im vergangenen Jahr neu vermessen. Der alte Stand war 8848 Meter in der Höhe. Erinnert sei  daran, dass Reinhold Messner 1978 diesen Bergriesen als Erster ohne Atemmaske, aber noch mit der alten Höhenvorgabe bezwungen hat ton von youtube videos downloaden.

Wenn man nun wollte, so könnte man es schon als Sensation bezeichnen, dass sich zum Ende des vergangenen Jahres China und Nepal geeinigt haben: Der Berg ist jetzt 8848,86 (!) Meter hoch und gebiert damit eine Zentimeter-Maus. Na, wer sagt es denn: Geht doch – und ganz friedlich. Immerhin hatten die so unterschiedlichen Staaten gemeinsame (!) Messungen und Berechnungen durchgeführt. Die Karawanen von Bergsteigern werden es wohl kaum merken und den Mount Everest wird es auch nicht jucken.

Ist das noch verhältnismäßig?

Ebenfalls hat die Zahl 86 hat es im verflossenen Jahr einen Shitstorm gebracht. Hier ging es nicht um Zentimeter, sondern um Cent. Was war geschehen? Für die meisten Haushalte in Deutschland sollte der Rundfunkbeitrag ab 1. Januar 2021 um genau 86 Cent teurer werden Download apps on samsung tv. Sachsen-Anhalt stellte sich quer. Die Sender werden nun wohl vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Wie immer verbergen sich hinter solchen Machtkämpfen zumeist bereits tiefe Gräben unterschiedlicher Sichtweisen. Gespaltene Lager tun sich auf, so auch in diesem Fall. In einem Zwischenresümee kann man es wohl auf diesen Punkt bringen: Die Verantwortlichen lassen es zu, dass wegen knapp eines Euros die Arbeit der Öffentlich-Rechtlichen beschädigt wird. Vor dem Hintergrund der Milliarden-Stützungsgelder in der Corona-Krise darf man bei solchen eher unverantwortlichen Spielereien schon mal nach der Verhältnismäßigkeit fragen.

Reparatur mit Teebeutel im All

Gut, nun könnte man sagen: Das sind irdische Probleme. Ein Blick in das Weltall belehrt uns aber eines Besseren onedrive mehrere fotos herunterladen. Im Oktober 2020 fand die Besatzung der ISS in einem Übergangsteil des „Swesda“ – Moduls einen Riss. In dieser hochtechnisierten Kapsel war dann, man staune, ein ordinärer kleiner Teebeutel die Lösung. Er flog in der Schwerelosigkeit schnurstracks auf die relativ winzige 4,5 Zentimeter lange Öffnung zu – und verstopfte sie. Auch diese mikrokosmische Begebenheit belegt wieder die These, dass oft winzige Lösungen weitreichende Wirkung bei großen und komplexen Systemen erzeugen können. Nun wirkte der Teebeutel aber leider nicht nachhaltig. Denn das Modul mickerte schon seit August mit Luftaustritt und Druckabfall herum. Da ist so ein Beutel wohl auch schlicht überfordert. Die Lösung für rentenreife Module in der ISS: Im Februar 2021 fliegt ein „Progress“-Raumfrachter mit Sauerstoffvorräten ins All.

Zuversichtlicher Blick auf 2021

Den Blick vom Menschen unten nach oben hinein in statistische Zusammenhänge liefern die Institute der Meinungsforschung download geogebra file. Demoskopen fragen nach den Befindlichkeiten von Bürgern und Bürgerinnen. Und bei Jahreswechseln schauen wir besonders interessiert darauf, was die Menschen vom kommenden Jahr erwarten. Das sieht beim ersten Blick gar nicht mal so pessimistisch aus. Wir hätten das nicht erwarten können angesichts des globalen Corona-Schicksals.

Eine aktuelle Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco (BAT) belegt neben vielen anderen Aspekten: Die Erwachsenen in Deutschland blicken mit Zuversicht auf das Jahr 2021. Erstaunlich: 2015 verzeichnete man nur 44 Prozent mit dieser Zukunftserwartung gegenüber 51 Prozent jetzt. Sehr hoffnungsvoll sind die über 65-Jährigen (59 %). Deutlich skeptischer sehen das die mittleren Altersgruppen (36 %). Am meisten sorgen sich die Deutschen um die Spaltung der Gesellschaft und den Klimawandel bullet theorie cd downloaden. Besorgniserregend findet der Leiter des Instituts, Professor Ulrich Reinhardt, die zunehmende Skepsis gegenüber Politik und Medien.

Gefährliche Verdrossenheit

Auch hier: Nur kleine Zahlen? Nein, es sind überprüfte Meinungsbilder, die in der Zusammenschau ein Stimmungsbild von unserer Gesamtgesellschaft liefern. Und so können sich hinter den Mini-Zahlen massive Veränderungen verstecken. In solchen Anstiegsbereichen befindet sich auch die Angst, dass der Egoismus weiter steigt, oder die Zweiklassengesellschaft weiter wächst. Ein Dauerbrenner seit vielen Jahren ist weiterhin die Politikverdrossenheit.

Was uns aber in diesen Monaten und vermutlich über das gesamte neue Jahr schwer beschäftigen wird, ist Corona. Erstaunlich allerdings: Der Prozentsatz zur Angst vor Seuchen und Epidimien ist gar nicht so hoch: 37 Prozent abton live free full version. Das mag ein Indiz dafür sein, dass sich die Meinungsprofile in unserer Gesellschaft nicht schnell verändern. Wir sollten aber gesamtgesellschaftlich darauf achten, dass bestimmte Themen nicht immer wieder nur auf Wiedervorlage kommen. Dann nämlich entsteht in der Bürgergesellschaft eine gefährliche Verdrossenheit, die sich in immer mehr Aspekten einnistet. Das vergiftet unsere Demokratie, gefährdet ihren Bestand. Und genau dieser wird bereits heute immer mehr in Frage gestellt. Ein aktueller Blick auf die kürzliche Capitol-Stürmung von Trump-Anhängern in Washington D.C. zeigt uns die Gefährlichkeit einer überkochenden Politikverdrossenheit.

Zeichen setzen

Apell: Wir haben genug zu tun mit allen Aspekten der Pandemie. Entbehrliche Zusatzecken für ständiges Abmeckern brauchen wir nicht. Vielleicht könnte 2021 ein Jahr konstruktiver Weiterentwicklung unserer demokratischen Grundsätze werden. Denn 2021 ist ja – daran sei erinnert – ein umfängliches Wahljahr. Die an die Urnen Gerufenen können ganz aktuell Zeichen setzen, wie sie die Zukunft politisch gestaltet wissen wollen. Auch das ist ein kleiner Akt von wenigen Minuten, enthält aber die Chance, die Demokratie handelnd auf freiheitliche Spur zu halten. Ein immerwährendes großes Ziel. Wir sollten da nicht locker lassen.