Klima, Schulden, Generationenkonflikt

Von Günter Müchler

Autor Günter Müchler

Das Gespenst des Generationenkriegs geht um. Bei der Pandemiebekämpfung sei nur für die Steinalten (Halbtoten?) gesorgt worden, heißt es, während man den Jungen durch Partyverbot und ausfallenden Schulunterricht die Perspektive gestohlen habe siemens logo downloaden. Dass es gute Gründe gab, Senioren bei der Impfung zu priorisieren, dass Impfstoffe erst jetzt aufsichtsrechtlich für Teenager zugelassen werden, dass Parties ohnehin keinen Spaß machen, wenn Oma oder Opa gerade verstorben sind – geht in dem allgemeinen Gemaule unter.

Für Aufsehen gesorgt hat das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Klimapolitik. Eine Reihe jugendlicher Kläger hatte der Bundesregierung vorgeworfen, nur mit Trippelschritten auf das Ziel der Klimaneutralität zuzugehen, wodurch die Freiheitsrechte ihrer Generation verletzt würden fahrrad app kostenlos herunterladen. Die Karlsruher Richter gaben den – teilweise im asiatischen Ausland lebenden – Klägern Recht und forderten die Bundesregierung auf, die Klimaziele zu verschärfen und die damit verbundenen Belastungen nicht einseitig künftigen Generationen aufzubürden.

Das Reden und Schreiben über einen „Clash of generations“ ist nichts Neues. 2004 veröffentlichte Frank Schirrmacher mit „Das Methusalem-Komplott“ einen echten Aufreger herunterladen. In wüsten Sprachbildern prophezeite damals der FAZ-Herausgeber die drohende Kannibalisierung der Alten durch die Jungen, falls erstere nicht bereit seien, sich mit Helm und Schwert in die Schlacht zur Selbsterhaltung zu werfen.

Man kann nicht sagen, dass Schirrmachers Mobilmachung der Stützstrumpf-Geschwader jede Evidenz gefehlt hätte. Lange wurde in der Bundesrepublik die Demographie als eine Art Nazi-Wissenschaft angesehen und folglich ignoriert ard mediatheken android. Als sich die Überalterung der Gesellschaft nicht mehr leugnen ließ, war der Schrecken groß. Wer würde eines Tages für die Rente der (momentan noch) Jungen geradestehen? Schirrmacher diagnostizierte einen „Jugendwahn“, der die Senioren in die Position nutzloser Kostgänger zu bringen drohe.  Ein Nachwuchspolitiker machte damals Schlagzeilen mit der Behauptung, seine Generation schulde den Großeltern keine künstliche Hüfte hörbücher von youtube herunterladen.

2006 kehrte der seinerzeitige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf die Beweislast um. In seinem Buch „Die Ausbeutung der Enkel“ warf er den Regierenden in Berlin Verantwortungslosigkeit vor. Der immer größer werdende Schuldenberg bedeute nichts anderes, als auf Kosten der jungen Generation zu leben. Biedenkopfs Forderung: Jedes Gesetz müsse vor dem Inkrafttreten auf „Enkeltauglichkeit“ überprüft werden pyinstaller herunterladen.

Begründete Biedenkopf die „Enkeltauglichkeit“ noch mit der anschwellenden Staatsverschuldung, so erhält der neue Generationenkonflikt durch die Koppelung mit dem Mega-Topos Klima eine ganz andere Dynamik. Die Berliner Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes tickt seit Jahren nahezu unbemerkt vor sich hin. Momentan zeigt sie eine Schuldenvermehrung von 9000 Euro pro Sekunde an herunterladen. Die Ausgabenvöllerei bei der Pandemiebekämpfung hat das Tempo verschärft. Die Schuldenbremse ist politisch tot.  Wer spricht darüber?

Das Klima ist dagegen omnipräsent. Wer politische Programme schneidert oder auch nur einen Slogan für krude Zahnpastawerbung sucht, setzt auf den Trampolin-Effekt des K-Wortes. Wer an der Macht bleiben will (oder dorthin strebt), tut sich keinen Gefallen, wenn er Zweifel an seiner klimapolitischen Glaubensfestigkeit aufkommen lässt herunterladen. Schneller, weiter, höher ist die Devise. Entsprechend hat das Bundeskabinett auf die Mahnung aus Karlsruhe reagiert. Es brauchte nur wenige Tage, um die bisher gültigen Klimaziele zu kassieren. Deutschland soll schon 2045 klimaneutral sein, nicht mehr erst 2050. Die Treibhausgas-Emissionen sollen 2030 im Vergleich mit 1990 um 65 Prozent gesunken sein herunterladen. Das Amen über die Kohleverstromung soll bereits 2030 gesprochen werden, acht Jahre früher als erst vor wenigen Monaten vereinbart.

Obwohl die Anstrengungen, die Deutschland inzwischen erbracht hat (gegenüber 1990 sind die CO2-Ausstöße immerhin um 40 Prozent zurückgegangen; außerdem hat Berlin mit dem Ausstieg aus der Kernenergie ein wichtiges Steuerungselement aus der Hand gegeben), ist der Druck, den Karlsruhe macht, nicht grundlos. Das Problematische der Entscheidung liegt eher darin, dass der Gesetzgeber sich auf Jahrzehnte binden soll, also für einen Zeitraum, in dem mancherlei geschehen kann, was heute nicht absehbar ist flugsimulator kostenlos herunterladen.

„Cool“ fand Bundesfinanzminister Olaf Scholz den Karlsruher Spruch. Der Kanzlerkandidat der SPD bewegt sich neuerdings auf ganz un-hanseatische Weise durch den politischen Parcours, mit „Wumms“ und „Bazooka“. Dagegen sind die Aktivisten von „Fridays for future“ allerdings noch lange nicht zufrieden, was man ihnen auch nicht übelnehmen kann. Es ist das Privileg von Jugendbewegungen, die ganze Leidenschaft auf ein Ziel zu richten. Dass Ideen gleichermaßen respektabel sein und trotzdem überkreuz geraten können, wollen (und müssen) sie nicht wissen; es nähme dem Kampf den Drive. Deshalb demonstriert „Fridays for future“ vor dem Reichstag oder vor Braunkohlebaggern, nicht aber an der Stundenuhr de Steuerzahlerbundes.

Als Greta Thunberg in New York ihr bitteres „How dare you…“ hervorstieß, antwortete der UN-Generalsekretär mit einem Kniefall: „Meine Generation hat versagt“. In Wahrheit versagte nur er. Er versagte der jungen Frau den Widerspruch, auf den sie Anspruch hatte. Die ältere Generation wird ihrer Rolle nicht gerecht, wenn sie auch Jugendbewegung sein will. Sie macht sich nur lächerlich.