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Glühbirne und Gülle

Trügerischer Glanz

Die Zeichen für Klimakatastrophen werden deutlicher. Nach dem aktuell drittheißesten Sommer innerhalb von fast 140 Jahren zeigt die Natur uns unübersehbar die Folgen: Dürre. Die Forstwirtschaft spricht von Milliardenschäden.

Dieter Buchholtz

Dieter Buchholtz

Angesichts der konkret alarmistischen Situation spricht die Politik aber nach wie vor gerne und cool verharmlosend vom Klimawandel. Seit Jahren erleben Bürgerinnen und Bürger in unserem Land, aber auch im EU-Europa, wie Politik durch Untätigkeit hinein in das Bewusstsein der Menschen glänzen will. Motto: Bloß nicht dran rühren. Dann kann sich ja vermeintlich auch keiner aufregen. Dieser trügerische Glanz aber wird derzeit rasend schnell stumpf. Indizien dafür sind unter anderem die EU-Wahl, die beiden kürzlichen Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen sowie der Kampf der Jugend mit Greta Thunberg als Gallionsfigur für die Rettung unserer Umwelt sind Protest-Marken gegen exakt diese politische Gleichgültigkeit.

Resümierend ist festzuhalten: Wir sind im Umfeld der genannten Wahlen gerade noch an einer Demokratie-Katastrophe vorbeigeschrammt. Für das Klima gilt: Es ist bereits knapp vor zwölf.

Es braut sich was zusammen

Wir brauchen vielleicht so etwas wie eine kombinierte System- und Unwetterwarnung. Denn es braut sich massiv etwas zusammen. Es ist nicht mehr zu übersehen: Die Angst der Bürger wächst. Und dann ist sehr schnell nicht mehr auszumachen, was der eigentliche Treiber für dieses diffuse, aber hoch ansteckende Gefühl ist. Und genau eine so verschreckte Allgemein-Wahrnehmung, das wissen wir, ist nie ein guter Berater, um komplexe Problemstellungen zu lösen. Hier öffnen sich Einfallstore für Populismus. Es ist ja schon sehr schwierig, eine Unzahl von kleinen und großen Problemen auf nationaler Ebene zu lösen. Um wieviel komplizierter ist es, in multinationalen Zusammenhängen mutig nach vorne zu denken – und zu handeln. Die EU ist hierfür ein Beispiel.

Denn wie leicht ist es, aus sicherer nationaler Entfernung immer wieder und für alle möglichen Themen ein EU-Bashing zu inszenieren. Sattsam bekannt ist etwa die belächelte und kritisierte Vermessung von Bananen oder Äpfeln. Ähnliche gemutmaßten Peanuts beschäftigen aber auch den Deutschen Bundestag oder eben die viel zu vielen Landtage in Deutschland. Nur, dies kümmert die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger nicht.

Klares Aus für Energieverschwender

So richtig gemerkt aber haben Verbraucher und Energieverschwender den langen Arm der EU vor zehn Jahren. Damals sollte der vor 130 Jahren von Thomas Alva Edison erfundenen Glühlampe endlich der Strom abgedreht werden. Die EU hatte das mit einer vielfach kritisierten Verordnung beschlossen. Und in relativ kurzer Zeit verschwanden die Energieverschwender aus den Regalen und damit aus den Haushalten.

Mit Hilfe von LED ging in Deutschland der Stromverbrauch in Haushalten um 25 Prozent zurück. Und 2020 ist dann mit den alten Leuchtmitteln endgültig Schluss. Sven Giegold von der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament stellt kurz und knapp fest: “Das Ende der Glühbirne ist ein Lichtblick und ein großer Erfolg der EU.“  Es wurden nahezu 40 Terrawattstunden Strom eingespart, und jährlich bläst die EU 15 Millionen Tonnen weniger CO2 in die Luft. Wenn das kein politischer, kein supranationaler Erfolg ist!

EU-Kritik am deutschen Grundwasser

So richtig für die Tonne ist dagegen wohl, was sich die deutsche Politik zum Thema Gülle seit Jahren leistet. Schlussendlich geht es um die Nitrat-Belastung in den Gewässern. Deutschland hat mehrfach die rote Karte bekommen. Kürzlich gab es eine erneute Mahnung vom EU-Umweltkommissar Karmenu Vella: „Die Qualität des Grundwassers in Deutschland gehört zu den schlechtesten in der EU.“ Sind wir zum EU-Drittland abgetaucht?

Jetzt mussten die Ministerinnen Svenja Schulze (Umwelt) und Julia Klöckner (Landwirtschaft) in Brüssel zum Rapport antreten. Und sie blitzten wieder mit ihren von der EU als mangelhaft bewerteten Plänen ab. Sie müssen massiv nacharbeiten. Die EU bleibt hart. Wenn Deutschland nicht zügig mit konkreten und wirksamen Maßnahmen rüber kommt, dann wird der Sachverhalt eventuell vor dem Europäischen Gerichtshof verhandelt. Und es könnte passieren, dass wir danach mehr als 850 000 Euro pro Tag als Bußgeld an die EU abdrücken müssen.

Willkommen im Kreislauf

Als wesentlicher Verursacher für diese Katastrophe ist die Landwirtschaft ausgemacht. Die wehrt sich nach Kräften gegen strengere Einschränkungen. Diesem Wirtschaftszweig aber das Desaster alleine in die Schuhe zu schieben, wäre zu kurz gesprungen. Denn auch wir als Verbraucher*innen tragen ein gehöriges Stück dazu bei, dass wir diese Art von massiver und gesundheitsgefährdender Belastung in unseren Böden und Gewässern haben. Und genau zu uns kommt dann eine finanzielle Mehrbelastung wie ein Bumerang zurück. Denn für die Wasserwerke braucht es großflächig neue Technik. Um das aber etatmäßig zu stemmen, muss der Wasserpreis vermutlich massiv erhöht werden. Willkommen im Kreislauf.

Es kann nicht sein, dass Politik, Lobby und Verbraucher so lange warten, bis saftige Strafen seitens der EU drohen, bis die Angst vor Gesundheitsgefährdung unkalkulierbar wächst, bis erneut etwas im Raume steht, das den Vorwurf rechtfertigt, die Politik hätte mal wieder versagt. Vielleicht ist auch hier eine Maßnahme ähnlich wie bei der Glühbirne erforderlich, die unmissverständlich in der EU einen Schlussstrich zieht, damit so Verweigerer-Nationen wie Deutschland endlich auf klimafreundlichen Trab gebracht werden.

Dieter Buchholtz

Für Kommentare: dieter.buchholtz@rantlos.de