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Ein Virus greift das Hirn an

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Nach allem, was man bisher über das Covid-19-Virus zu wissen meint, soll es sich um eine Variante aus der durchaus bekannten Corona-Viren-Gruppe handeln, welches im weitesten Sinne zu Atemwegserkrankungen führt. Ob damit allerdings die Wirkweise dieses Angreifers schon umfassend geklärt ist, erscheint durchaus fraglich. Es mehren sich die Anzeichen, dass das Virus auch das menschliche Hirn angreift.

Dieser Verdacht drängt sich zunehmend auf. Jedenfalls dann, wenn man in den sozialen Netzwerken aber auch in den „alten“ Medien sichtet, was selbst erwählte Weltenerklärer, aber auch mehr oder weniger prominente Zeitgenossen, im Zusammenhang mit der aktuellen Virus-Krise von sich geben.

So wird die junge Edelaktivistin der deutschen Sektion von Fridays For Future (FFF), die 23-jährige Studentin Luisa Neubauer zitiert mit der unheilschwangeren Erkenntnis: „Die Klimakrise macht Menschen krank“. So geschehen in einem überaus bedeutenden Interview, welches von gleich drei Print-Journalisten mit der jungen Dame geführt wurde und unter anderem im Bonner „Generalanzeiger“ am 14.März und in der „Rheinische Post“ abgedruckt wurde.

Die Erde wehrt sich

Da mochte angesichts der aktuellen Krise ein bedeutender deutscher Philosoph, dem breiten Publikum bisher eher ein Begriff als Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, Joachim „Jogi“ Löw, nicht zurückstehen. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz verkündete der Jogi am 18.März: „Ich habe das Gefühl, dass sich die Welt und vielleicht auch die Erde so ein bischen stemmt und ein bischen sich wehrt auch gegen die Menschen und deren Tun, weil, der Mensch denkt immer, dass er alles irgendwie weiß und alles kann.“ In der soziologischen Fachpresse wie etwa „Kicker“ oder „Focus“ fand Löws Krisenbeitrag beachtliche Resonanz. Und sichtlich bewegt schloss der Neu-Philosoph nach einigen weiteren Stammeleien mit der kassandraesken Erkenntnis: „Krankheiten wie Ebola sind irgendwie stecken geblieben…“

Weniger sachlich geht es da in den sozialen Medien zu. Mit dem Aufstieg von Corona schwingt sich auch die Gemeinde der Verschwörungsspekulanten zu neuen Erkenntnissen empor.

Verschwörung

Da berichtet ein „User“ in Facebook von einem clandestinen Import von Corona-Infizierten. Die würden von der  Bundesregierung nächtens auf dem angeblich stillgelegten Flugplatz Altenburg-Nobitz in Sachsen mit Regierungsflugzeugen aus dem Hochrisikoland Iran nach Deutschland geholt. Fast ausschließlich Männer zwischen 18 und 30 Jahren, so der „Bericht“, verließen auf dem Rollfeld die Maschinen und würden in große weiße Zeltunterkünfte verbracht. Früher oder später würden sie dann im Schutze der Dunkelheit an unbekannte Orte in Deutschland weiterverteilt. Ein Foto dieser vermeintlichen Zeltunterkünfte war dem Post zum Beweis natürlich beigegeben. Diese „Story“ verbreitete sich sogleich viral und gleichermaßen empörtes wie unkritisches Echo multiplizierte sich in einer gläubigen Gemeinde.

Tatsache ist, dass dieser (Regional-)Flugplatz keineswegs stillgelegt ist. Er ist in Betrieb und wird insbesondere gewerblich für Business-Aviation genutzt. Und tatsächlich sind dort auch Großzelte aufgebaut. Die nüchterne Erklärung für die Zelte jedoch: VW benötigt dringend geschützte Stellplätze für die Zwischenlagerung bisher unverkaufter Fahrzeuge vom Typ Golf-Variant aus dem nahen Werk Mosel. Denn die bisher angemieteten Parkflächen sind erschöpft…

Diese Erklärung – aus einer Pressemitteilung des VW-Konzerns – beeindruckt andere Facebook-User nicht unbedingt. Fragt etwa eine: “Wem soll ich denn jetzt glauben?” 

5. April 2020: Christina rettet die Welt

Doch die menschliche Phantasie ist praktisch grenzenlos, und nicht erst Udo Lindenberg wusste schon zu texten: Wahnsinn und Genie gehen Hand in Hand. Dabei ist das mit dem Genie oft so eine Sache, wenn Wahnsinn offensichtlich dominiert. Aber angesichts weltweiten Regierungsversagens: Die Rettung ist nah.

Und zwar in Person der gerade 18 Jahre jungen Christina von Dreien aus der Schweiz. Christina ist Wahrsagerin. „von Dreien“ ist ihr Künstlername. Den hat ihre Mutter und Managerin, eine frühere Marathon-Läuferin, erfunden. Eigentlich heißt Christina mit Nachnamen Meier-Brändle. Auch ist sie ein „Medium“. Und eine Seherin. Und sie vertritt die Hohl-Erde-Theorie. Und sie verfügt auch über die geheime Erkenntnis, dass außerirdische Zivilisationen auf der Rückseite des Mondes stationiert sind und von dort die Menschheit manipulieren.

Für den 5. April ruft Christina  (oder Ihre Mutter?) im Netz nunmehr zur weltweiten Meditation auf: „Diejenigen Menschen, die auf der Erde das Sagen haben, die Fäden ziehen und die diese Macht nicht abgeben möchten, haben diesen Virus in die Welt gesetzt, um ihre Pläne weiter zu verwirklichen. Heisst doch Corona nichts anderes als Krone. Die Krone auf dem Plan, der Schlussstein.“ Dagegen appelliert Christina:

„Am 4./5. April findet eine wichtige Massenmeditation statt. Ziel: Eine Million Menschen, die gleichzeitig! Ihren Fokus auf Liebe und eine positive Veränderung richten.“ Der Aufruf verbreitet sich derzeit als Kettenbrief. So sollen Corona und die Angst davor final besiegt werden. Dank Christina. Vielleicht macht Greta da ja auch noch mit. Wäre das nicht wunderbar ?

Doch, wie heißt es im alten Testament, Prediger 10:16 „Weh Dir, Land, dessen König ein Kind ist…“

Bemerkungen und Kommentare bitte direkt an dietrich.kantel@rantlos.de