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Dienen tut Not

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Wohl aus der Erkenntnis zunehmender programmatischer Profillosigkeit für das wegbrechende konservative Wählerpotential hat, neben anderen, die derzeit amtierende Generalsekretärin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer („AKK“) eine Beendigung der Aussetzung der Wehrpflicht in das Sommerloch gestoßen. Mal so als Testballon. Angesichts erheblichen Gegenwindes nicht nur aus Reihen der Opposition, rudert Sie allerdings schon wieder zurück. In dieser Disziplin steht Sie taktisch ihrer Chefin in nichts nach. Doch das Thema ist jetzt in der Welt.

Wehrdienst und Zivildienst

„Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden. Wer aus Gewissensgründen den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert, kann zu einem Ersatzdienst verpflichtet werden.“ So bestimmt es das Grundgesetz. Grundsätzlich. Und bis zur radikalen Reduzierung der Truppenstärke der Bundeswehr konnten eigentlich fast alle gut damit leben:

Die damals noch viel größere Bundeswehr hatte keine Nachwuchssorgen. Aus dem Kreis der – am Ende praktisch „freiwillig wehrpflichtig“ Dienenden – ergaben sich Kandidaten sowohl in genügender Zahl wie in der erforderlichen Qualität für eine Truppe in einer Kopfstärke von nominell 495.000.

Wer sich für den „Ersatzdienst“ also einen Zivildienst entschied, hatte zuletzt kaum ein Problem für seine Wahl. Die Erklärung der eigenen Gewissensgründe, die statt zum Wehrdienst zum Zivildienst führten, war nur noch eine Formsache. Und es gab immerhin 180.000 Zivildienststellen (alte Bundesrepublik), in denen die so Dienst Leistenden wertvolle Aufgaben erfüllten. Zur großen Zufriedenheit aller gemeinnützigen Einrichtungen, die einen solchen Zivi ergattern konnten – bis hin in den helfenden pflegerischen Bereich.

Weder aus den Reihen der Gewerkschaften noch den Lobbyisten der Sozialindustrie, der sich selber so titulierenden „Sozialverbände“, gab es gegen diesen Zustand Einwände. Eher war das Gegenteil der Fall: Zustimmung, Befürwortung.

Friedensdividende und ein Kurzzeitminister

Nach der Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten wurden die deutschen Streitkräfte immer weiter geschrumpft. Die sogenannte Friedensdividende war den Menschen (Wählern) politisch versprochen und wurde von den folgenden bundesdeutschen Regierungen – bündnispolitisch rücksichtslos – exekutiert: Schwarz-gelb, Rot-grün, Schwarz-rot unisono. Es folgte zunehmende Wehr- und Dienstungerechtigkeit. Bei zuletzt 185.000 Truppenstärke statt vormals 495.000 Bundeswehr plus 175.000 DDR-Truppen: Wer sollte denn da von den Wehrdienstjahrgängen noch einberufen werden? Die Schrumpfung der Streitkräfte wurde politisch als Professionalisierung der Truppe verkauft. Ein Euphemismus und sehr trügerischer Schein war das. Das erwies sich spätestens, als klar wurde, dass die Ausrüstung der Soldaten vornehmlich kanibalisiert wurde.

Dann kam da ein Kurzeitminister und Blender namens zu Guttenberg. Da war bald alles anders. Und seine Kanzlerin fand das gut so: Die Wehrpflicht war auf einmal „ausgesetzt“. Praktisch war sie damit bis auf weiteres abgeschafft. Die Mehrheit der Bevölkerung fand es offensichtlich gut und – bis zum Fall des Ministers aus anderem Grund – leuchtete das Wohlgefallen seiner Kanzlerin ob so publikumswirksamer Aktion über ihm.

Ein Schlamassel …

Die „Aussetzung“ der Wehrpflicht bewirkte praktisch auch den Wegfall des Zivildienstes. Das ersatzweise, aber finanziell viel minder ausgestattete „Freiwillige Soziale Jahr“ oder auch der freiwillige Schnupper-Wehrdienst vermochten die entstandenen Lücken nicht wirklich füllen.

Doch wenn heute, sei es Wehrdienst, sei es Zivildienst neu diskutiert wird, also letztlich ein Diskurs darüber, ob junge Menschen ihrem Land – neudeutsch: der Gesellschaft – etwas zurückgeben sollten oder, weniger pathetisch: der Gemeinschaft einen Beitrag leisten sollten, melden sich ganz Seltsame zu Wort.

Auf einmal sagen Militärvertreter oder solche, die sich dazu erklären: wir brauchen nicht dilettierende Wehrpflichtige, wir brauchen hochqualifizierte Profis. Problem: Sie bekommen zur Zeit aber nicht genügend. Und: waren Wehrdienstleistende vormals nach 18 und sogar auch nach 15 Monaten Ausbildung nicht fit für Verteidigung? Klar: sie mussten damals ja auch nicht in Länder am Hindukusch oder andere ferne Regionen gehen, in denen die Sicherheit Deutschlands angeblich auch verteidigt wird“(Verteidigungsminister Struck, SPD). Für die Aufgabe der Landesverteidigung jedoch war die frühere Personalmischung aus Berufs- und Zeitsoldaten sowie Wehrpflichtigen passend und ausreichend.

Wichtigtuer der Sozialindustrie

Vertreter von Sozialverbänden oder solche, die sich dazu erklären, verkünden: wir brauchen gut bezahlte Fachkräfte im Pflegebereich und nicht Schulabsolventen, die das mal so ein Jahr probieren. Und das muss gut bezahlt werden. Aber das Personal bekommen sie zur Zeit gar nicht. Auf einmal sollen die Zivis und deren wichtige Hilfsfunktionen zur Unterstützung des Fachpersonals in der Pflege nichts mehr wert gewesen sein? Ein Schlag in das Gesicht all jener, die diesen Dienst einst ableisteten. Nichts mehr Wert, bloß weil Lobby-Heinies und Wichtigtuer der Sozialindustrie befürchten, ihre Deutungshoheit zu verlieren über den Komplex dessen, was nur sie als sozial und angemessen akzeptieren?

JFK

Einmal abgeschafft, ist es politisch natürlich äußerst unpopulär, von den jungen Menschen unseres Landes einen gewissen Beitrag (zum Beispiel ein Jahr ihres Lebens) für die Gesellschaft zu verlangen. Für eine Gesellschaft, die ihnen und uns weitgehend sichere Lebensumstände und Chancen für die persönliche Zukunft gewährleistet. Und dienen kann in unserer oft von Egoismen dominierten Zeit auch persönlichkeitsbildend wirken im Sinne der Verantwortung für die Gemeinschaft.

Worum es im Kern geht, hat John F. Kennedy seinerzeit in einer sehr einfachen aber beeindruckenden Formel zusammen gefasst:

„Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ – Etwas mehr von dieser Art Patriotismus stünde uns auch heute nicht schlecht zu Gesicht. Und würde zudem helfen bestehende Probleme zu lösen. Doch auch am Personal mutiger Politiker besteht heute Mangel.


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