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Corona und Mohr

Extreme Forderungen mit Regeln

Autor Dieter Buchholtz

Ein Leben nach festgelegten Regeln dürfte uns nicht fremd sein. Es erleichtert bekanntlich das Zusammenleben. Sich daran zu gewöhnen, erfordert die Abgabe von Autonomie-Anteilen. Es schafft aber auch gleichzeitig Verhaltenssicherheit und damit Schutz.

Wenn aber grundlegende Regeln in Tages- und Wochenabständen verändert werden müssen, dann entsteht in einer Gesellschaft auch Verhaltensunsicherheit und damit steigende Angst. 

Und genau das erleben wir seit einige Wochen, wir leben extrem herabgedimmt mit und in einer Pandemie. Der neuartige Corona-Virus ist zur Zeit unser lautloser und unsichtbarer Feind. Die angepassten grundsätzlichen Handlungsregularien wurden am 22. März als Beschlüsse von Bund und Ländern festgelegt – bis auf weiteres, falls sich die Lage wieder grundlegend verändert.

Somit ist Politik, sind die Politiker extrem gefordert. Aber auch hier liegen dann schnell die Nerven blank. Beispiel war die „Schalte“ zwischen Kanzlerin Merkel und den Regierungspräsidenten der 16 Bundesländer am 22. März. Tage vorher ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder mit verschärften Maßnahmen zur Corona-Prophylaxe vorgeprescht. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, war sauer. Die beiden sind dann bei diesem virtuellen Meeting offensichtlich so richtig aneinandergeraten. Söder wollte die Runde sogar verlassen – so hieß es. Tat er dann aber glücklicherweise nicht.

Vorbilder erforderlich

Nun wird ja von uns Bürgerinnen und Bürger von den Politikern erwartet, dass wir Ruhe und Besonnenheit bewahren und – Regeln einhalten. Es bedarf aber eben auch entsprechender Vorbilder, die solche Forderungen beispielgebend vorleben. Kämpfchen aus eventuellem Macht- oder Wahlkampfkalkül sollten außen vor bleiben – insbesondere bei einer solchen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung, wie wir sie derzeit erleben.

Dazu ist die Lage viel zu ernst. 

Das hat ja auch die TV-Rede der Bundeskanzlerin am 18. März gezeigt. 25 Millionen Zuschauer erlebten eine Verantwortungsträgerin, die sich glaubwürdig, verständlich und mit Empathie den Bürgern vermitteln konnte. Sie wirkte auch deshalb so überzeugend, weil eine „Dauer-Rederei“ aus jedem Anlass sich ja bekanntlich schnell verbraucht. Und das ist „bei der Merkel“ nun wirklich nicht der Fall. 

Trotz aller Unkenrufe, dass sie sich teilweise schon aus ihrem Amt verabschiedet hat, ist sie in dieser exorbitanten Lage voll präsent – und auch in der zeitweisen Quarantäne. Ihre Kernaussagen zum solidarischen Handeln, zum Einhalten von Regeln, das ist für diese Tage und möglicherweise auch Wochen und Monate ein Geländer, an dem wir Bürgerinnen und Bürger Halt und Orientierung finden können.

Achtsame und verständige Mehrheit

Und das klappt in dieser Gesellschaft hervorragend. Die absolute Mehrheit handelt achtsam, verständig und immer mit Abstand. Und deshalb sind immer wieder die kleinen und großen Heldentaten im Corona-Alltag so Mut machend, so berührend, so beispielgebend, so solidarisch – wie eben von der Kanzlerin gefordert.

Jeder erlebt in dieser schweren Zeit überwiegend genau diese positiven Beispiele. Natürlich darf auch über eine absolute Minderheit von dummen Ignoranten deutlich gemeckert werden. Sie können jetzt auch mit relativ hohen Strafen belegt werden. Gut so.

Einfach tolle Leistungen

Bleiben wir einfach mal bei einem der Tausenden tollen Leistungen im Umgang mit der momentanen Katastrophen-Lage. Lebensmittel einkaufen – beispielweise – geht jetzt anders. 

Wir treffen vor einem Supermarkt ein. Als erstes fällt uns auf, dass der Haupteingang gesperrt ist. Davor steht eine freundliche Mitarbeiterin und zeigt uns den Punkt, wo wir uns in die lange Schlange mit den jeweils zwei Meter Abständen einreihen können. Sie desinfiziert inzwischen weiter Einkaufswagen. Wird ein Einkaufswagen vom Kunden abgegeben, kann der nächste Kunde rein. Berechnungsgrundlage sind 20 Quadratmeter pro Person. 

Ruhe und Freundlichkeit

Solche Regelungen und diese geduldige Disziplin machen das Einkaufen und das Einhalten der Abstände leichter. Das Ergebnis: Freundliche und verständnisvolle Atmosphäre. Versehentliche Übertretungen von Kunden können vom  Personal höflich und geduldig korrigiert werden.

Nach einem ruhigen Einkauf und natürlich der obligatorischen Frage nach dem Toilettenpapier laden wir unsere hohe Zufriedenheit bei der Kassiererin am Laufband und hinter einer schützenden Scheibe ab. Man sieht ihr an, dass sie schon ein wenig gestresst ist. Aber in diesem angenehmen Klima kann sie genügend Reserve tanken, um auch mal einen ungeduldigen Kunden verständnisvoll zu beraten.

Lange Rede kurzer Sinn. Wir verlassen begeistert über soviel Kreativität, soviel Überlegtheit, soviel Sicherheitsdenken den Markt und bedauern, dass wir uns nicht beim gesamten Team des Supermarktes bedanken konnten.

Dank mit Feedback

Die positive Erfahrung drängt uns dann aber doch, zu Hause nach Versorgen des Einkaufs für ein Wochenende, den Dank für die Mannschaft des Supermarktes los zu werden und schreiben eine Spontan-Mail:

„Hallo liebes Mohr-Team,

wir haben heute morgen bei euch eingekauft. Toll, wie ihr die Sicherheitsmaßnahmen gegen das Corona-Virus organisiert und durchgeführt habt. Wir haben euch schon vor Ort gelobt. Aber der positive Eindruck wirkt nach. Deshalb wollten wir es auch nochmals schriftlich übermitteln mit der Bitte, das Lob weiterzugeben auch an die, die nicht im Laden waren. Ihr macht einen tollen Job.“

Uns erleichtert, dass wir das Signal für die absetzen können, die mit Risiko und Freundlichkeit sicherstellen, dass wir genügend Lebensmittel ohne Hamstern haben. Womit wir aber unter keinen Umständen gerechnet haben, ist, dass in diesem Stress auch noch eine weitere Reaktion kommt. Am Montag erhalten wir folgende Mail:

Vielen Dank für Ihr Feedback und Ihr freundliches Lob. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, die Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes, als auch für jeden Einzelnen hat. Beim täglichen Einkauf und den leeren Regalen wird dies besonders deutlich.

Aber diese Situation zeigt auch, wie toll wir aufeinander Rücksicht nehmen. Wir geben uns größte Mühe, den Laden am Laufen zu halten und die Freundlichkeit darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Besonders schön ist es, wenn unsere Kunden unsere Leistung anerkennen und uns so freundliche Worte finden wie Sie.

Ihre Worte geben wir natürlich gerne an unsere Mitarbeiter weiter.

Viele Grüße und bleiben Sie gesund. Ihr Frischecenter Mohr.“

 

Wir sagen einfach danke – ohne weiteren Kommentar!