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Aufgeheiztes Klima

Träges Aufwachen aus dem Klimaschlaf

Autor Dieter Buchholtz

Der 20. September 2019 hat ein unübersehbares Zeichen gesetzt. Greta Thunbergs „Fridays for Future“ brachte an diesem Tag weltweit Millionen von umweltbesorgten Bürgern und Bürgerinnen auf die Straßen. Weltweit meldeten sich Aktivisten in 160 Staaten zu Wort. In rund 2900 Städten streckten die Streikenden ihre Pappschild-Kritiken und Transparent-Sprüche in die häufig schon beschädigte Luft.

In Deutschland zählte man insgesamt etwa 1,5 Millionen Protestler für die Rettung unseres Weltklimas – allein in Berlin waren es 100.000 Menschen. Zu den jungen und sehr verantwortungsvollen Menschen gesellen sich zunehmend auch Lebensältere. Sie alle eint das Motto „Ihr habt verschlafen, wir sind aufgewacht“. Also verbindet uns nun dieser Protest in einer verantwortungsvollen Achtsamkeit mit insbesondere einem sorgenvollen Blick in die Zukunft? Mitnichten!

Risse durch unversöhnliche Blöcke

Wir sind in zunehmendem Maße eine gespaltene Nation. Der oder die Risse verlaufen nicht geradlinig und erzeugen zwei Hälften. Nein, wir zerreißen uns immer mehr in unversöhnliche Blöcke. Wir werden deutlich rigider in unseren Vorwürfen gegenüber den vermeintlich Verantwortlichen, die – so spricht Volkes Mund mit wachsenden Mehrheiten – schlicht geschlafen haben. 

Angst vor den Folgen einer maßlosen Ressourcen-Verschwendung und einer zügellosen Verschmutzung unseres Planeten macht sich breit. Das heizt nicht nur mit unversöhnlichen Argumentationen unser Politik-Klima auf, sondern befeuert auch die schädliche Erwärmung des Weltklimas. 

Kaum einer will noch wahrhaben, dass auch wir als verantwortliche und volljährige Bürger das Thema Klimawandel verschlafen haben. Erinnern wir uns beispielsweise: Vor der Bundestagswahl 2013 waren für eine Mehrheit Klima- und Umweltschutz schlicht zu vernachlässigen. Und vor der Wahl 2017 landete der Klimaschutz abgeschlagen auf Platz acht der wichtigsten Probleme. 

Da war es doch kürzlich tröstlich zu sehen, dass durch das Berliner Regierungsviertel ein Demonstrationszug der „Fridays for Future“ zog, während zeitgleich das Maßnahmenpaket der GroKo gegen den Klimawandel präsentiert wurde. Es bewegt sich also jetzt doch was –  Kritik inklusive.

Der Abgrund rückt immer näher

Unabhängig davon, wer nun mehr geschlafen hat, sollten wir uns einfach nur folgendes Zahlendrama vor Augen führen: Wir kennen alle das vom Weltklimarat errechnete Ziel, dass um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, nur 420 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt werden dürfen. 2018 waren es 42 Milliarden. In zehn Jahren ist dieses Volumen zum unermesslichen Schaden des Erdklimas verbraucht. Dann werden wir deutlich näher vor einer Apokalypse stehen.

Die Signale für mögliche weitere Klimakatastrophen stehen bereits auf  Tiefrot. Als Spaziergänger erlebt man es derzeit schon hautnah. Ein farbenprächtiger Herbst in Deutschland gehört offensichtlich schon eher der Vergangenheit an. Das herrliche Aufblühen in einem Goldenen Oktober vertrocknet bereits vorher und fällt schlapp und farblos in Grau und Schwarz von den Bäumen. Und so nebenbei müssen wir schon mächtig Angst davor haben, dass uns dürre braune  Fichten mit ihren Borkenkäfern unter der Rinde auf den Kopf fallen. 

Vernunft sorgt für gutes Klima

Zwingend müssen wir in allerletzter Minute das große Klima-Ziel vor Augen haben – auch für unsere Kinder und Kindeskinder: Die Welt muss im besten Sinne bewohnbar sein oder wieder werden. Die kleinen Normen wie beispielsweise eine Schulpflicht dürfen in vertretbarem Umfang durchaus in den Hintergrund treten. Die Demokratie hält in grundlegender Rechtsstaatlichkeit den Artikel 8 des Grundgesetzes bereit, der die legitime und auch legale Basis für ein Handeln für übergeordnete Ziele und gegen Missstände anbietet. Wir sollten uns diese Möglichkeit nicht von Feinden der Demokratie aus der Hand nehmen lassen.

Und noch eins: Bei aller Panik, die einen schon beim Anblick dessen ergreifen kann, was wir über etwa 150 Jahre angerichtet haben, ist es bitter notwendig, bei den erforderlichen Maßnahmen Maß zu halten. Es gilt, die notwendigen Ziele so erreichbar zu machen, dass sich die Bürger*innen mitgenommen fühlen. Ansonsten wächst die unkalkulierbare Bereitschaft von immer mehr Wutbürgern, rebellionsartig in den Verweigerungs- und Kampfmodus umzuschalten. Die politische Vernunft bleibt dann ganz sicher auf der Strecke. Und Chancen für Lösungen gehen dann schlicht im Umweltsumpf baden.

Dieter Buchholtz

 

Weckruf

„Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) anlässlich der Eröffnung vom UN-Klimagipfel in New York am 25.09.19.

 

Kraft zu politischer Veränderung

„Wie könnt ihr es wagen! Mit euren leeren Worten habt ihr meine Träume und meine Kindheit gestohlen.“

Klima-Aktivistin Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel am 21.09.19. 

Am 25.09.19 wurde ihr – zusammen mit drei weiteren Preisträgern – der 40. „Right Livelihood Award“ (Alternativer Nobelpreis) zuerkannt. Stiftungsdirektor Ole von Uexküll: „Mit Greta Thunberg ehren wir eine der einflussreichsten Vertreterinnen der Zivilgesellschaft weltweit und weisen gleichzeitig auf die Kraft eines jeden Menschen, politisch etwas zu verändern.”