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Atlantic Crossing – oder: Free Greta

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Sommer anno domini 1212: erleuchtete, fanatisierte Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Frankreich brechen unter der Leitung des visionären Knaben Nikolaus von Köln zu einem Kreuzzug in das Heilige Land auf, Jerusalem zu retten. Als Lohn hatte Seelenheil gewunken. Die Menschen damals waren begeistert. Sommer 2019: ein psychisch gestörtes Mädchen aus Schweden besteigt eine High-Tech-Yacht, um segelnd in New York die Welt vor dem Untergang zu retten. Die Medien überschlagen sich schier vor Begeisterung. Als Lohn winkt Seelenheil. Oder vielleicht doch mehr?

Heute hier, morgen dort

Greta, die Minderjährige aus Schweden, gesegnet mit einem unschuldigen Kindergesicht, brav bezopft, ist omnipräsent: Dozierte sie gestern noch an einer polnischen Universität (vor leerem Hörsaal) um vor schwedischen Kameras die vermutete Weltgemeinschaft in Panik zu unterweisen („We don´t have time“), postet sie wenig später aus einem Zugabteil Richtung Paris, Plastik verpackte Junk-Food verzehrend, redet sodann im eingeschneiten und nur per Helikopter zu erreichenden Davos mal eben Tacheles mit der Chefin der Weltbank, legt schnell einen Kurzstop ein, um sich am Hambacher Forst mit vermummten „Aktivisten“ ablichten zu lassen – auf dem Weg zur UNO nach New York. Das Ziel will sie, die Flugzeug Fastende, auf der Hochseeyacht eines wohlhabenden deutschen Steuerflüchtlings mit Wohnsitz im Steuerparadies Monaco erreichen. Ach ja: Irgendwann zwischendurch hatte sie sich auch noch den Papst in Rom persönlich vorgeknöpft. Der gab dann notgedrungen seinen Segen für den neu aufgelegten Kinderkreuzzug Der heißt nur nicht mehr Kreuzzug, sondern zeitgemäß „F4F“ (Fridays For Future).

Graswurzel-Fake: Alles so schön spontan hier

Alles so herrlich unbeschwert, so spontan, alles das, was sich die Schulabbrecherin da so einfallen lässt, seit sie rein zufällig von PR-Profis in Stockholm mit einem armseligen Pappschild sitzstreikend vor dem Reichstag „entdeckt“, fotografiert und medial verwurstet wurde. Rein zufällig war auch, dass Gretas Mutter, eine Opernsängerin, die Schweden beim Eurovision Songcontest im Jahr 2009 auf den Platz Neun katapultierte, nur drei Tage später öffentlichkeitswirksam Ihr Buch präsentierte. Darin entblößt Gretas Mutter die Familiengeschichte rund um das Aufwachsen und den Umgang der Familie mit der psychisch gestörten Greta, die bedauerlicherweise am Asperger-Syndrom leidet; so zunächst ihrer Familie einschneidende Zugeständnisse abnötigte und sich in der so im Kleinen bewährten Manier jetzt auch am Rest der Weltbevölkerung im Großen versucht. Das Buch, in mehrere Sprachen übersetzt, ist in mehreren Ländern zum Bestseller avanciert. Daraus entspringt natürlich mehr als nur Seelenheil und Gotteslohn. Auch wenn der Papst dafür geschickt in Anspruch genommen wurde.

Inzwischen hetzt das Kind von Termin zu Termin (oder wird gehetzt?): Foto-Shootings reihen sich an Parlamentsreden, an Pressetermine, an Interviews, an Redeauftritte auf Demonstrationen vielerorts. Alles so schön spontan und ungelenkt? Das sollen die Menschen glauben. Durchaus mit Erfolg. Und das Gros der Medien ist weitgehend unkritisch auf den Zug aufgestiegen. Da winkt nämlich Quote. Von wegen Graswurzelbewegung. Die Wirklichkeit stellt sich sehr anders dar. Da wird im Hintergrund investiert, finanziert und verdeckt lanciert. Alles ferngesteuert von ertragsorientierten Hinterleuten.

Lupenreine Kapitalisten

Alles unabhängig und aus Eigeninitiative? Das sind probate Legenden. Die halten für eine gewisse Zeit, bis Wahrheit sich Bahn bricht. Unabhängigkeit und nur der eigenen Vision verpflichtet. Das behauptete in den 1960er bis 1980er-Jahren etwa auch die Deutsche Kommunistische Partei in Deutschland, DKP. Heute wissen wir: Die DKP wurde zweifelsfrei von der Stasi aus Ost-Berlin und vom KGB aus Moskau finanziert und ferngesteuert.

Die Hinterleute von F4F und von „We don´t have time“ sind natürlich keine Kommunisten. Hier sind lupenreine Kapitalisten am Werk, Finanzjongleure. Dazu ein Exkurs:

Greta, ein Spielball

Stufe 1: „We don´t have time“ ist ein seit mindestens 2017 markenrechtlich geschütztes Label des schwedischen Börsengurus Ingmar Rentzhog. Der „entdeckt“ Greta dann zufällig 2018 mit ihrem Pappschild. Rentzog sorgt ab sofort für Gretas Vermarktung in den Social Medias. „We don´t have time“ installierte Rentzhog als Aktiengesellschaft. Um Aktienkapital zu acquirieren, arrangiert Rentzog Investorenrunden, legt Finanzierungsprospekte auf und wird in einem Börsenrundbrief zitiert: „Unser Vorbild ist Trip-Advisor, das mit seinen 390 Millionen Usern Unternehmen bewertet und beeinflußt.“ Greta, die Minderjährige, nimmt einen Platz im Vorstand der Stiftung von Rentzhog ein, die Trägerin der Aktiengesellschaft ist. Kaum wurde deswegen – nicht nur in Schweden – Kritik auf, zog die Familie Greta wieder aus dem Vorstand zurück. 

Stufe 2: Bei Rentzhog steigt Anette Nordvall als „Chairwoman“ ein, ihres Zeichens Venture-Capital-Spezialistin. Sie gilt laut Wirtschaftsmagazin „Di Digital“ als Schwedens wirkmächtige Tech-Investorin. Sie erklärt: „Unser Ziel ist es, das Facebook für den Klimawandel zu werden“. Facebook: Milliardengewinne, Steuervermeidung, Datenmissbrauch von Usern …?
Und, so Nordvall weiter: „Seit wir vor 18 Monaten gestartet sind, haben wir daran gearbeitet das soziale Netzwerk auszubauen, Investoren anzuziehen und wichtige Klima-Initiativen und junge Klima-Helden wie Greta Thunberg in Szene zu setzen.“

Groß Player im Hintergrund

In weiteren verschlungenen Verflechtungen, stehen im Hintergrund auch noch so kapitalmächtige Aktivisten wie die Rockefellers, George Soros und über die Jung-GRÜNEN-Aktivistin Luisa-Marie Neubauer, gewissermaßen deutsches Sprachrohr von Greta und F4F kapitalkräftige Unterstützer wie Bank of America, Coca-Cola, SAP, und Google. Aber das wäre eine eigene Geschichte wert, würde den Rahmen dieser Kolumne sprengen.

Der kleinen Greta wird das hoffentlich alles nicht bewusst sein. Aber ihren Eltern? 

Wie und ob Greta, das gestörte Kind, von ihren Eltern analog einer Eiskunstlaufprinzessin und von Investoren im Hintergrund missbraucht wird und welche Folgen dieser Missbrauch langfristig für das Mädchen haben wird, fragte der Autor schon vor etlichen Monaten hier an dieser Stelle. Da war der Hype allerdings noch nicht voll ausgebrochen. Und seither ist alles noch viel schlimmer geworden, als damals vermutet werden konnte..

Wer rettet dieses Kind? Der Kinderkreuzzug von 1212, angeführt von dem, wie Greta, minderjährigen und auch erleuchteten Nikolaus von Köln, endete nachrichtslos vor der geplanten Einschiffung am Mittelmeer in Genua. Dort ward den Kindeskreuzzüglern mangels Schiffsraum die Teilung der Wassermengen des Meeres versprochen zur Durchquerung für den weiteren Weg in das Heilige Land.  Niemand von ihnen ist je zurück gekehrt. Der Kreuzzug geriet lange Zeit in Vergessenheit. Und Jerusalem blieb weiter in muslimischer Hand.

Greta, veritabel von ihren Promotern zum vermeintlich CO2-freien Atlantic Crossing zur Rettung der Welt in New York ausgestattet, sollte allerdings in bester Bootsmannsmanier nur eins gewünscht werden: Mast und Schotbruch und immer eine Handvoll Wasser unter dem Kiel. Anders wäre nämlich schlecht. – Für Greta.

1975 veröffentlichte Rod Stewart sein grandioses Album „Atlantic Crossing“. U.a. mit dem späteren Nummer1-Single-Hit „Sailing“. Er soll diesen Song seiner damaligen schwedischen Freundin Britt Ekland gewidmet haben. Die Textzeilen enden mit: „… Sailing `cross the waters… to be near you, to be free“. Dir nah zu sein und auch frei. Das ist schön.

Und wer befreit Greta ?

 

P.s: Ohne wissenschaftlich korrekt für Einzelaspekte zitiert zu haben, habe ich, neben den sonst allgemein verfügbaren Quellen, dankend insbesondere auf Publikationen folgender geschätzter Kollegen zurückgegriffen:
– Birgit Kelle
– Wolfram Weimar
– Florian Stumfall

 

Für Kommentare: dietrich.kantel@rantlos.de