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ARD, ZDF und Co – Mehr, immer mehr

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mit ihren kaum noch überschaubaren Sendeangebot haben ihren Finanzbedarf angemeldet. Und sie brauchen, wen wundert´s, nicht etwa weniger als bisher, weil sie vielleicht sparen gelernt hätten. Sie wollen natürlich wieder mehr. „Trotz großer Sparanstrengungen“, wie der ARD-Vorsitzende Wilhelm nicht versäumte zu beteuern. Sonst drohten Qualitätsverluste, „befürchtete“ ZDF-Chef Bellut ergänzend. Wollen wir immer mehr ARD, ZDF & Co ?

Wucherungen

Über die Jahrzehnte ist das bundesdeutsche System der öffentlich-rechlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten von überschaubaren Anfängen 1950 immer weiter gewuchert. Damals gab es in der Bundesrepublik sechs Sendeanstalten. Die lieferten Hörfunk, ab 1955 auch Fernsehen. Die mediale Grundversorgung der Bevölkerung zu leisten, lautet ihr Auftrag. 1963 kam das ZDF hinzu. Privathörfunk gab es bis auf die Sonderfälle „Europe 1“ und RTL erst ab 1980 und Privat-TV erst ab 1984. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Das verstanden auch die Öffentlich-Rechtlichen. Und so belebten sie ihr Geschäft auf ganz eigene Weise: Immer mehr Regional-, Spezial und Nischenangebote.

Für immer mehr Sendung braucht es auch immer mehr Personal und immer mehr Geld. Das bewilligte Ihnen die Politik alle vier Jahre praktisch automatisch. Schließlich ist man ja – obwohl offiziell „regierungsfern“ – über die Besetzung der Rundfunkräte eng miteinander verbandelt: Gibst Du mir, geb´ ich Dir …

Ein Molloch

Heute gibt es im real existierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem in unserem Land 9 Landesrundfunk-/Fernsehanstalten, plus Deutschlandradio, plus ZDF, plus Phoenix, plus ARTE mit zusammen 22 Fernsehkanälen, 70 Hörfunkprogrammen, 16 Orchestern, 9 Chören und alle wiederum auch noch mit Internetauftritten, nebst jeweiligen Verwaltungsräten, Rundfunkräten, Programmbeiräten und weiteren Fachbeiratsgremien.

In den ARD-Anstalten produzieren heute 23.000 festangestellte Mitarbeiter 24 Stunden, 365 Tage im Jahr Hörfunk und Fernsehen. Im ZDF steuern weitere 3.600 Mitarbeiter Fernsehprogramm bei.

Alle 12 öffentlich-rechtlichen Anstalten haben selbstverständlich je einen Intendanten. Deren Gehälter sind beachtlich und betragen je nach Sender vom aktuellen Kellerkind Kleist (SR) mit 237.000 Euro/Jahr bis zum derzeitigen Spitzenreiter Thomas Burow (WDR) 396.000 Euro/Jahr.

Ehrenamtler“ kassieren ab

Und dann gibt es da noch die sogenannten „Ehrenamtler“ des Systems. Die sind in den Rundfunk-/ Fernsehräten zu finden. Da sitzen vorzugsweise – nicht nur, aber sehr zahlreich – „hochverdiente“, manche sagen „abgehalfterte“ Parteifunktionäre. Anders als der Begriff „ehrenamtlich“ suggeriert, gibt es für den Sitz im Rundfunk-/Fernsehrat aber durchaus richtig Geld. Beispiel WDR.

„Die Tätigkeit der Mitglieder des Rundfunkrats ist ehrenamtlich. Die Mitglieder des Rundfunkrats erhalten für jegliche Art von Arbeit bei der Rundfunkanstalt kein Honorar. Die Mitglieder des Rundfunkrates erhalten für ihre Tätigkeit eine monatliche Aufwandsentschädigung“. Soweit die Rechtslage laut WDR-Satzung. Praktisch wirkt sich diese „ehrenamtliche“ Tätigkeit, für die kein Honorar gezahlt wird, für die Ratsmitglieder dann so aus:

Vorsitz: monatlich 3.070 €, macht 36.840 € im Jahr. Ehrenamtlich! Stellvertreter: monatlich 2.020 €. Einfache Mitglieder: 1055 €, Stellvertreter 485 €. Ist das Mitglied zusätzlich in einem Ausschuss sind es 1275 €. Wer den Vorsitz in einem Ausschuß hat oder im Programmbeirat der ARD sitzt, erhält 1755 €, Stellvertreter 1535 €. Nochmals: monatlich.

Allein der Rundfunkrat des WDR hat 100 Mitglieder, 50 „Ordentliche“ und 50 stellvertretende. Jede Anstalt hat einen solchen Beirat. Nicht alle so groß und nicht alle „Entschädigungen“ so hoch wie beim WDR. Aber Geld gibt’s überall. Ehrenamtlich. Öffentlich-rechtlich. Aus unseren Zwangsbeiträgen.

Über acht Milliarden

Und dann gibt da noch die Landesmedienanstalten. Die beaufsichtigen dann – neben einer Aufsicht über die privaten Rundfunk-/Fernsehanbieter je Sendegebiet – bei den Öffentlich-Rechtlichen gewissermaßen noch mal, was der jeweilige Rundfunkbeirat eigentlich auch schon beaufsichtigt hat. Da sind weitere Hauptamtliche zu finanzieren Und auch da gibt es wieder einen Beirat (33 Mitglieder). Ehrenamtlich natürlich. Honorar wird nicht gezahlt. Nur „Aufwandsentschädigung“. Finanziert: auch aus unseren Zwangsbeiträgen…

Alles das verschlingt Geld. Ach ja, fast vergessen: Programm wird natürlich auch noch produziert. Alles zusammen macht das derzeit rund 8,3 Milliarden Euro. Das reicht nun also nicht mehr. Erhöhung muss her. Nicht viel. Aber eben mehr. Weil: mehr sparen geht nicht. „Zur Qualitätssicherung“ wie Intendant Bellut drohte. Welche Qualität eigentlich ?

Schwachsinn oder Qualität 

Mediale Grundversorgung sollen die Öffentlich-Rechtlichen leisten. Was gehört heute dazu ? Könnte es sein, dass sich die Aspekte der öffentlichen Grundversorgung seit 1950 geändert haben? Jedenfalls seit es private Sender gibt, die sich ohne Gebühren finanzieren. Die eine breite Palette an Unterhaltung präsentieren. Und sogar auch kulturelle, wissenschaftliche und politische Informationsangebote leisten. Ohne Zwangsbeiträge.

Brauchen wir wirklich für viel Geld ARD und ZDF, die nachmittags und am Vorabend zum Teil den gleich Schwachsinn senden, wie die Privaten ? Müssen wirklich hochteure Übertragungsrechte aus dem Profisport aus Beiträgen für aberhunderte von Millionen Euro angekauft werden, wodurch letztlich die Kostenspirale für diese Rechte immer aberwitzigere Höhen erreicht? Gehört zur öffentlichen Grundversorgung wirklich, dass ARD und ZDF für jeden Abend einen Krimi produzieren ? Brauchen wir öffentlich-rechtliche Soaps in Dauerschleifen mit Endlosfolgen, wenn jeder Privatsender das ohnehin schon daueranbietet. Zur selben Sendezeit. Dauerquizsendungen? Brauchen wir täglich banale „Yellow“- Magazine auf ARD (“Brisant”,17:15 Uhr), ZDF („Hallo Deutschland“, 17:10 Uhr und „Leute heute“, 17:45 Uhr) während privat fast zeitgleich mit demselben Schwachsinn gekontert wird: RTL („Explosiv“, 18:00 und 18:30 Uhr), Pro7 („taff“, 17:00 Uhr) ?

Kleiner ist feiner

Nein, das brauchen wir nicht und das wollen wir nicht mehr. Haben jedenfalls die Dänen gesagt und danach gehandelt. Ein Drittel aller öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehkanäle haben sie jetzt gekappt. Keine Unterhaltungsshows, keine Profisportübertragungen mehr in diesen steuerfinanzierten Sendern. Beschränkung auf das Wesentliche, das dem Bürger sonst privat nicht oder nicht auf angemessenem Niveau angeboten wird. Und so spart man nun über ein Viertel aller bisherigen Kosten.

Oder die BBC, „die Mutter aller öffentlich-rechtlichen“ Sender, die ja auch ein großes westliches Land im öffentlichen Auftrag zu versorgen hat, kommt mit weniger aus als das deutsche System. Genauer gesagt mit glatt der Hälfte, nämlich vier Milliarden Euro. Auch hier beschränkt man sich (schon seit langem) auf das, was wirklich Grundversorgung für die Bevölkerung bedeutet. Und insbesondere die Dokumentationssendungen der BBC sind legendär, weltweit gefragt oder auch vielfach nachgeahmt.

Sichern sie bitte endlich die Qualität, Herr Bellut und Herr Wilhelm. Dann brauchen sie nämlich nicht mehr Geld. Sie kommen dann mit weniger aus. Sie schaffen das !