--- Anzeige ---
Homepage-Baukasten von Host Europe

Abgehoben

Von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Tom Buhrow ist Fernsehjournalist. Genauer: er ist der Intendant des Westdeutschen Rundfunk (WDR). Das ist die zweitgrößte öffentliche Rundfunk-/ Fernsehanstalt Europas. Nur die – jedoch landesweite –  britische BBC ist größer. Der WDR gehört zur ARD, der „Arbeits-gemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“. Oder einfach „Das Erste“. Das wiederum ist einsame Spitze in Europa. Jedenfalls was Größe und Geldhunger betrifft. Und was Letzteres angeht, macht Intendant Buhrow schon mal ordentlich Stimmung: Es soll mal wieder etwas mehr sein.

Achtmilliarden sind nicht genug

„Ein höherer Rundfunkbeitrag ist keine Verschwendung, im Gegenteil“. Sowas sagt der WDR-Intendant und bekommt für solche Propaganda in eigener Sache auch noch ordentlich Raum in einem führenden Print-Medium, nämlich in der WamS (“Welt am Sonntag”) vom 26.Januar dieses Jahres. Zugegeben, das Baggern für noch Mehr macht Herr Buhrow recht geschickt. Er verpackt es nämlich zwischen den Zeilen in der Botschaft „30 Jahre nach der Einheit müssen die Öffentlich-Rechtlichen das gesamte Land besser abbilden“. Klar, dafür braucht´s natürlich mehr Geld. „Besser“ meint im Sprachgebrauch der Öffentlich-Rechtlich-Abgehobenen nämlich immer nur „Mehr“.

Wer sich am Markt und somit am Endverbraucher beweisen muss, muss wirtschaften. Das bedeutet: er muss Erträge generieren aus dem, was er an den Mann, an die Frau bringen will. Da müssen Kosten kalkuliert und vor allem streng kontrolliert werden. Von solchen Banalitäten ist das deutsche öffentlich-rechtliche Funkmedienkonglomerat befreit. Da muss man nicht erst erwirtschaften, was anschließend in die Produktion investiert werden soll, um daraus weiteres, vielleicht sogar höheres Income zu generieren. Öffentlich-rechtlich geht das einfach so: Man hat einen „Finanzbedarf“. Den meldet man bei den Aufsichtsgremien der Länder an. Da die Anmelder und die Genehmiger auf vielfältige Weise (politisch) miteinander verbandelt sind, wird der Mehrbedarf üblicherweise durchgewunken – zur politischen Rechtfertigung vorher leicht gekappt. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Qualitätseinbußen, Angebotskürzungen und andere Dreistigkeiten

Sollte es nicht wieder mal mehr geben, zeigen Öffentlich-Rechtliche-Fernseh-und-Rundfunkler gebetsmühlenartig die Folterwerkzeuge: Qualitätseinbußen und Angebotskürzungen seien dann unvermeidbar, so Buhrow. Der hängt als Intendant eines Regionalsenders mit knapp 400.000 Euro Jahresgehalt die Bundeskanzlerin locker ab. Im übrigen begründet der Edeljournalist den finanziellen Mehrbedarf ganz einfach und für Lieschen Müller wie folgt: Der deutsche Bürgerhaushalt zahle seit Jahren nur 17,50 Euro im Monat für Sendungen, die tatsächlich aber 18,35 Euro / Monat kosten. Klingt logisch – ist aber eigentlich nur dreist.

Der Noch-Analog-Fernsehende, also jemand von den durchschnittlich nur mehr 10-12 Prozent der Bevölkerung, der laut STATISTA noch mehr oder weniger regelmäßig ARD-Fernsehen konsumiert, schüttelt angesichts solcher Dreistigkeiten nur noch den Kopf und fragt: Welche Qualität würde wohl eingebüßt, wenn nachmittägliche Schrott-Sendungen wie „Leute heute“, „Brisant“ oder „,Hallo Deutschland“ eingestellt würden? Formate, die genauso flach und beinahe zeitgleich von den Privaten gesendet werden: „Explosiv“, „Explosiv Star Magazin“, „taff“ oder „Zwischen Tüll und Tränen“. Warum müssen die Öffentlich-Rechtlichen für jeden Abend aus eigener Produktion einen Vorabendkrimi und einen weiteren Krimi im abendlichen Hauptprogramm präsentieren ? Oder teure Helene-Fischer-Shows? Oder allüberall, bundesweit wie regional Quizsendungen zum Geldgewinnen ? RTL macht sowas, ohne Zwangsbeiträge abzukassieren.

Und warum zahlen die “Öffies” über 400 Millionen Euro im Jahr für Übertragungsrechte im Profisport? Sie tragen so dazu bei, dass die Gagen in der professionellen Sportunterhaltungsindustrie immer größere Höhen erklimmen.

Doch, so denkt sich ein leitender Angestellter wie Tom Buhrow wohl, dem Wirtschaften von Berufswegen nicht seinem Erfahrungshorizont entspricht: Kostenkontrolle ist mühsam, verdirbt den Spaß und ist deswegen Mist. Denn würde nicht sonst wohl ein „Leitender“ wie er eventuell auch einmal erwägen Kosten zu reduzieren? Oder brauchen wir in Deutschland im öffentlich-rechtlichen Sendersystem wirklich 22 Fernsehsender , 67 Radiosender und eine schier unübersichtlich, stetig anwachsende Zahl von Online-Plattformen ?

Moralische Verkommenheit, öffentlich-rechtlich

Oder braucht es – allein beim WDR – tatsächlich einen Apparat von 100 Rundfunkräten (50 „Ordentliche“ und 50 Vertreter) ? Insbesondere wenn dieser Apparat – von der Politik abgesegnet – dem Bürger vorgaukelt, diese seien „ehrenamtlich“ tätig, tatsächlich als vermeintliche Ehrenamtler aber für weitgehendes Nichtstun kombiniert mit 3-4 Gremiensitzungen im Jahr wie folgt bezahlt werden:
Vorsitz: monatlich 3.070 €, macht 36.840 € im Jahr. Ehrenamtlich! Stellvertreter: monatlich 2.020 €, macht 24.240 € im Jahr. Ehrenamtlich! Einfache Mitglieder: 1055 € /Monat, Stellvertreter 485 € /Monat. Ist das Mitglied zusätzlich in einem Ausschuss sind es 1275 €. Wer den Vorsitz in einem Ausschuss hat oder im Programmbeirat der ARD sitzt, erhält 1755 €, Stellvertreter 1535 €. Nochmals: monatlich.

Auch das ist dreist. Und moralisch verkommen. Ganz einfach, weil der Bürger-Beitragszahler belogen wird und das achtenswerte Institut der Ehrenamtlichkeit von Millionen von Bürgern konterkariert wird.

Es menschelt gewaltig

Jemand wie Buhrow wäre aber seine Vierhundertausend kaum wert, hätte er außer der Androhung des Untergangs der seriösen Senderversorgung nicht auch noch Reserven im Köcher. Und abseits aller Zahlenakrobatik lässt der gute Herr Buhrow seiner Menschenliebe einfach mal freien Lauf. Denn speziell eine Botschaft erreiche ihn sehr oft, sagt er: „Von euch erwarten wir die verlässlichsten Informationen und Hintergründe“.
Und weiter: „Die ARD … hat die beliebtesten Krimi-Kommissare.“ „Und die Rolle der ARD wächst… Wir sind jeden Tag da draußen mit unseren Reportern… Wir sind nicht nur Berichterstatter und Dienstleister – wir sind Nachbarn. Manchmal kritisch, manchmal unbequem, aber Nachbarn, denen Miteinander und Zusammenhalt im Land wichtig ist.“

Da kommen einem glatt die Tränen. Also: Demnächst 18,35 statt 17,50!
Macht bei derzeit 45 Millionen registrierten Beitragskonten: 45.000.000 x 0,85 x 12 = 459 Millionen plus. Jedes Jahr.

Basta.

 

Für Kommentare: dietrich.kantel@rantlos.de