Angemerkt

Wahl 2021 – für das kleiner Übel?

So viel Ratlosigkeit, so häufiges Achselzucken hat es vor wichtigen Wahlen in Deutschland schon lange nicht gegeben. Fast ist dieser Satz wie eine Standart-Bemerkung, wenn zur Zeit Diskussionsgruppen beisammenstehen: „Ich weiß wirklich nicht, wen und welche Partei ich am 26. September wählen werde“. Die „heiße Phase des Wahlkampfs“, behaupten dagegen die politischen Strategen, habe begonnen. Von dieser Hitze, da haben die nach Antworten suchenden Bürger recht, ist bislang freilich kaum etwas bis nichts zu spüren. Und es sieht auch nicht so aus, als ob das ein wenig Wahlkampf spielende Auftreten von Angela Merkel, Olaf Scholz, Armin, Laschet, Annalena Baerbock und den anderen Politgranden bei der jüngsten – mutmaßlich letzten – Sitzung des in Kürze „auslaufenden“  Bundestages an dieser Stimmung etwas Wesentliches geändert hätte.


Entscheidunsqual bei Ratloswahl

Man stelle sich vor, es müsste der Matchwinner der Woche bestimmt werden. Laschet? Scholz? Baerbock? Keiner könnte es aufnehmen mit Claus Weselsky, dem geisterfahrenden Vorstand der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), der das Kunststück geschafft hat, der Öffentlichkeit einzutrichtern, die wahren Corona-Helden seien die Männer an den Steuerpulten. Von Weselskys magischer Power könnten sich die Bundestags-Wahlkämpfer ein Stück abschneiden. Knapp vier Wochen vor dem Zieltermin 26. September rollt die Kampagne so geräuschlos dahin, als gäbe es sie nicht. So viel Langeweile war nie.


Ein Volk der Verdränger?

Es gebe, sagte Nordrhein-Westfalens christdemokratischer Innenminister Herbert Reul unlängst in einem Interview, in Deutschland kein Bewusstsein für Katastrophen. Offen blieb, ob das ein Vorwurf oder nur eine allgemeine Feststellung war. Was er indessen meinte, dürfte wohl ungefähr dies sein: Unsere Gesellschaft reagiert jedesmal wieder tief erschrocken, ja geradezu panisch, wenn etwas Unerwartetes oder gar Unvorherzusehendes geschieht. Also etwas Schlimmes, so wie vor Jahren mit den Hochwassern an der Oder, in Sachsen oder gerade jetzt besonders dramatisch im Wein-idyllischen Ahrtal, an der Erft und in Westfalen. Aber ist das die ganze Wirklichkeit?


Der Startschuss zur breiten Bildung

Was ist dem Staat der Nachwuchs wert? Die Antwort darauf enthält eine staatliche Regelung, die am 1. September vor 50 Jahren in Kraft trat und einen schier unaussprechlichen bürokratischen Titel trägt: „Bundesgesetz über die individuelle Ausbildung von Schülern und Studenten in Deutschland“. Oder auch „Bundesausbildungsförderungsgesetz“. Oder kurz: „Bafög“. Das BAföG ist – keine Frage – ein besonders wichtiger Bestandteil des Sozialgesetzbuches und wurde zu einem tragenden Fundament des Sozialstaates. Es sollte die Chancengleichheit im bundesdeutschen Bildungswesen erhöhen und, vor allem, Bildungsreserven bei der einkommensschwächeren Bevölkerung mobilisieren.


Solidarität – wie lange noch?

Armin Laschet, (Noch)Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat von CDU/CSU bei den Bundestagswahlen am 26. September, bekam jüngst bei einem Besuch im von den Fluten weitgehend zerstörten Swisttal scharfe Angriffe von dortigen Bürgern zu spüren. Vermutlich wäre das auch jedem anderen Politiker ähnlich passiert. Bei wem denn sonst als bei “der” Poliik können die Flutopfer ihre Verzweiflung loswerden? Dabei stehen, wenn Dreck und Müll an der Ahr und den anderen Katastrophen-Flüssen weggeräumt sein werden, schwierige Fragen im Raum, die nicht allein mit Geld zu lösen sind. Probleme der Entschädigung, zum Beispiel. Noch hält die Solidarität der Menschen. Aber wie lange noch?


Religion – die am stärksten bedrohte Freiheit

Erst zum dritten Mal wird am 22. August dieses Jahres der „Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten aus Gründen der Religion und des Glaubens“ begangen. Die Vereinten Nationen haben diesen Gedenktag in einer Resolution 2019 eingerichtet. Damit wollten sie deutlich machen, dass die Mitgliedstaaten und auch die Zivilgesellschaften niemals Gewalt, auch nicht aus religiösen Motiven, tolerieren wollen und können. Doch mit der Realität hat diese Absicht nichts zu tun. Kein anderes Menschenrecht, keine sonstige Freiheit ist tatsächlich so bedroht wie das Recht, seine Religion zu leben und sie – wenn es sein muss – auch zu wechseln. Und am meisten Verfolgung erleiden die Christen.


Kamel-Alarm

Nach einer Woche Tokio ist betrübt festzuhalten, dass der Bund Deutscher Radfahrer diesmal wohl nicht den Medaillenspiegel beherrschen wird. Mangels sportlicher Höchstleistungen sorgen wenigstens die Offiziellen für Schlagzeilen. BDR-Sportdirektor Patrick Moster wurde ins Flugzeug nach Hause gesetzt, um einen angeblichen Rassismus-Ausfall zu sühnen.
Was hatte Moster Strafwürdiges getan? Er hatte sich, keine Frage, in der Wortwahl vergriffen. Wollte man allerdings diesen Maßstab auf Fußball-Fans anwenden, gäbe es nur noch leere Stadien.


Solidarität und Plündern – deutsche Normalität?

Um das Ausmaß der Apokalypse, die in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli vor allem über das Ahrtal sowie Teile des Rheinlands und Westfalens hereinbrach, in Worte zu fassen, reicht die Sprache nicht aus. Sie reicht nicht aus, um die wirtschaftliche Katastrophe zu umfassen. Und es ist schon ganz und gar unmöglich, in Sätzen darzulegen, was die Wasserfluten mit den Menschen gemacht, was sie an ihnen verübt haben. Nicht nur wegen der aktuellen Schäden, sondern für die Bewältigung ihres weiteren Lebens. Und was bewegt das “Netz”, die Alles- und vor allem Allesbesseerwisser? Dürfen Politiker sich vor Ort selbst ein Bild machen? Warum hat man nicht rechtzeitig vor der Flut gewarnt? So ist das Leben in Deutschland. Man ist stolz und freut sich über das Ausmaß der Hilfsbreitschaft. Und muss gleichzeitig miterleben, dass Plünderer keine Schamgrenze kennen.


Ein Haus – ein Gott

Drei Religionen unter einem Dach. Das ist das hoffnungsfrohe Konzept des „House of One“ in Berlin. Christen, Muslime und Juden wollen mit der Grundsteinlegung ein Start up für mehr Verständigung auf der Erde schaffen. Bravo! Denn jeder Weg zu mehr friedlichem Miteinander macht unseren Planeten lebenswerter. Anlass für Erinnerungen eines um Glauben Bemühten. Und schließlich ein Scheitern an wohl falschen Signalen.


Die deutschen (Sprach-)Lemminge

Lemminge sind kleine graue Nagetierchen. Sie gehören zur Kategorie der Wühlmäuse und haben die Eigenart, in großen Gruppen zu wandern. Dabei folgen die jeweils Hinteren den weiter vorne Rennenden offensichtlich blind. Oft genug sogar ins eigene Unglück. Dieses seltsame Massen-Verhalten wird im täglichen Leben gern als Sprachbild benutzt, wenn von Mitläufertum oder Nachahmungs-Formen die Rede sein soll. Auf den öffentlichen, staatlichen Betrieb gemünzt, hatte der hessische SPD-Reichstagsabgeordnete Carlo Mierendorff 1932 dazu den Begriff „politischer Herdentrieb“ geprägt. Also die Bereitschaft sogar größerer gesellschaftlicher Gruppen, sich (vielleicht auch nur vorgeblich) populären oder erfolgreich erscheinenden Handlungsweisen anzuschließen. Wie die Lemminge verhalten sich freilich auch viele deutsche Kommunen, in dem sie sch geradezu darin überbieten, ihren Verwaltungen den Gebrauch des Gender-Deutschs nahelegen. Ein rüder Angriff auf unsere Sprache.