Angemerkt

D – führend bei den Nicht-Geimpften

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, ist ein sachorientierter, seine Emotionen beherrschender Mensch. Unlängst ist ihm aber der Kragen geplatzt. In einer Videokonferenz mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) präsentierte er die aktuellen Corona-Infektionszahlen von diesem Tag – 15 000 neue Fälle. Von diesen werden 0,9 Prozent, das sind 400 Menschen, sterben. Anders als im ersten Jahr der Pandemie, in dem es noch keinen Impfstoff gab, könnten diese Menschen am Leben bleiben. Ihr Tod wäre vermeidbar gewesen, wenn sie sich hätten impfen lassen. Wer das nicht tut, muss mit einer zehn mal höheren Wahrscheinlichkeit rechnen, eine Corona-Ansteckung mit schwerem Verlauf zu erhalten und daran zu sterben. Noch im Advent wird die Zahl der Corona-Toten in Deutschland die Rekordmarke von 100 000 überschreiten.


Deutschland – zwischen Mut und Angst

Die Entwickler des Anti-Corona-Impfstoffs Biontech wurden mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet. Das ist eine der höchsten wissenschaftlichen Ehrungen in diesem Land. Sie erhielten ihn zu Recht. Doch ihre “Konkurrenten” hätten ihn genauso verdient gehabt. Sie alle vollbrachten Leistungen, auf die wir als Gesellschaft stolz sein könnten. Hier waltete deutscher Fortschrittsgeist. Aber diese (unsere) Gesellschaft ist nicht stolz auf solche Leistungen. Erhebliche Teile des Volkes sind nicht nur unzufrieden, sondern sagen – sogar mit zunehmender Gewaltbereitschaft – dem demokratischen “System” den Kampf an. Es gilt, sich dem entgegen zu stellen. Mit jedem Tag mehr.


Greenpeace und die Lobbygilde

Greenpeace inszeniert sich gern in Robin-Hood-Manier. Man kapert Bohrtürme, klettert auf Fabrikschlote oder lässt Aktivisten per Gleitschirm über Fußballstadien segeln. Im Juni endete das Spektakel mit einem Fiasko. Der Pilot kollidierte mit der Dachkonstruktion der Münchner Allianz Arena und machte eine Bruchlandung, wobei zwei Menschen verletzt wurden. Es herrscht knallharte Konkurrenz zwischen den mittlerweile ungezählten Umweltverbänden. Nur wer die knalligsten Aktionen und besten Bilder liefert, kann mit üppigen Spenden rechnen. Und die Grünen werden höllisch aufpassen müssen, dass sie – in Regierungsverantwortung – nicht zerrieben werden


Vollkasko in der Dauer-Hysterie

Vor zwei Jahren herrschte Massenangst bei uns in Deutschland. Und nicht nur hierzulande. Das Corona-Virus hatte auch Europa erreicht, und die Menschen sahen sie der Seuche nahezu schutzlos ausgeliefert. Durch menschliche Genialität, den Einsatz riesiger Finanzmengen, aber auch mit grenzübergreifender Zusammenarbeit gelang es in geradezu sensationell kurzer Zeit, ein wirksames Gegenmittel zu finden. Und nun? Gewiss, es ist (noch?) nur eine Minderheit. Aber die Art der Impfverweigerung bis hin zur Gewaltanwendung macht besorgt. Zumal das in einem Land passiert, das sich ansonsten am liebsten gegen alles Mögliche versichert. Und sich darin gefällt, permanent Angst zu haben.


“Bild” und ein bizarres Polit-Theater

Personalien sind für das Publikum normalerweise nur dann interessant, wenn sie Prominente betreffen und solche, die es werden wollen – aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Dass der Wechsel an der Spitze einer Zeitung in diesen Tagen von den Politik- und Feuilleton-Redaktionen anderer Blätter kommentiert und kritisch beleuchtet wird, ist deshalb eher außergewöhnlich. Gemeint ist natürlich der Wechsel von Julian Reichelt zu Johannes Boie in der Führungsetage von Europas auflagenstärkster Gazette, der im Springer-Konzern erscheinenden “Bild”-Zeitung.


Renaissance der Kernenergie

Ende nächsten Jahres soll das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz gehen. Ein jahrzehntelanger Kreuzzug käme damit zum siegreichen Abschluß. Doch selbst bei den grünen Kreuzfahrern will inzwischen Feierstimmung nicht aufkommen. Eine unangenehme Frage drängt auf die Agenda: Verträgt sich die allgemeine Mobilmachung gegen die drohende Klimakatastrophe mit energiepolitischen Tabus?


Die Republik marschiert nach links

Eines steht fest: Die kürzlich erfolgte Bundestagswahl, die zwanzigste seit 1949, war weit mehr als ein durchlaufender Posten in der Geschichte unseres Landes. Rückblickend wird man den 26. September 2021 als Tag erinnern, an dem die Linksverschiebung der Republik deutlich wurde. Ganze 24 Prozent sammelten CDU und CSU noch ein, so wenig wie nie. Sie symbolisieren das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der Schwesterparteien. Und das bei einem “Hauptgegner” namens SPD, der noch wenige Monate zuvor marginalisiert zu sein schien.


Wähler ohne Wurzeln

Vor 31 Jahren durften die Deutschen ihre Wiedervereinigung feiern. Das Ende der Spaltung der Nation und des Staates sowie auch des Risses, der jahrzehntelang durch ungezählte Familien ging. Und sogar noch viel mehr als das – damals, in den historisch turbulenten Monaten 1989/90 löste sich auch die politische, militärische, wirtschaftliche und ideologisch-gesellschaftliche Teilung der Welt in Ost und West auf. Jedenfalls schien es so. Und die Menschen wollten es auch glauben – glauben, dass niemand mehr Angst haben müsse vor einem nuklearen Kriegsinferno und keine Mauern und Stacheldrahtzäune die Völker daran hindern würden, einander friedvoll zu begegnen.


Zeitenwende in Deutschland?

Politische Zeitenwende in Deutschland? Erstmals seit 16 Jahren eine Bundestagswahl ohne Angela Merkel als Kandidatin. Am Ende: Schwere Schlappe für CDU/CSU und Armin Laschet. Sieger: Olaf Scholz und die SPD, dazu auch die Grünen und die Freien Demokraten. Aber gewonnen ist tatsächlich noch gar nichts. Oder vielleicht allerhöchstens ein bisschen. Nun liegen die Zahlen und Namen auf dem Tisch. In vielen Kommentaren heißt es, eine „Zeitenwende“ habe stattgefunden. Ist das wirklich der Fall?


Corona und Pocken – Roman und Wirklichkeit

Corona und Pocken. Zwei gefährliche Erreger. Aber gibt es da Gemeinsamkeiten? Seit knapp zwei Jahren kämpfen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit die Forscher mit aller Macht gegen das Covid19-Virus. Das kleine, malerische Eifelstädtchen Monschau und dessen Umland bekamen den schrecklichen Griff einer Seuche allerdings schon einmal zu spüren. Nämlich zu Beginn der 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts bei einer Pocken-Epidemie. Der Schriftsteller Steffn Kopetzki hat jenes Geschehen literarisch verarbeitet. In seinem Roman “Monschau” stehen Fiktion und Wirklichkeit nahe beieinander. Und nicht nur das – es schlägt auch den Bogen zurck in die Geschichte des Krieges. Zur blutigen Winterschlacht im Hürtgenwald.